Archiv für den Monat März 2016

„Asexuality just happens“ – The Invisible Orientation von Julie Sondra Decker

In The Invisible Orientation, skizziert Julie Sondra Decker was Asexualität ist, begegnet Missverständnissen, stellt Ressourcen zur Verfügung und stellt die Erfahren asexueller Menschen in Zusammenhang mit ihrem Weg durch eine sexualisierte Welt. Es inhält Informationen für asexuelle Menschen um ihre Orientierung zu verstehen und was diese für ihre Beziehungen bedeutet, so wie Tipps und Fakten für die, die ihre asexuelle Freunde und Geliebten verstehen wollen.

The Invisible Orientation ist mein erstes Buch zum Thema Asexualität und ich kann es wärmstens empfehlen. Das Buch von Julie Sondra Decker, selber asexuell und aromantisch, „hat das Potential einen positiven Unterschied für das Leben vieler Menschen zu machen“ (1). Der Aufbau des Buches versucht eine umfassende Behandlung des Themas „Asexualität“ von den Basics bis zu Randthemen. Das ist Julie Decker auf ganzem Wege gelungen.

Besonders hat mir gefallen, dass Julie Sondra Decker von Beginn an deutlich macht, dass sie nicht „für die Asexuality-Community spricht“, sondern, dass sie von ihrem Standpunkt aus schreibt, dabei aber möglichst viele andere Stimmen zu Wort kommen lassen möchte. So hat sie durchweg im ganzen Buch Zitate in grauen Boxen angegeben, jeweils passend zum behandelten Thema.

Sehr differenziert behandelt Decker auch das sensible Thema, ob Asexualität „queer“ ist. Dabei versucht sie beide Seiten der Diskussion ausführlich zu beleuchten und erklärt, warum beide Meinungen nicht einfach als falsch abgestempelt werden können, sondern ihre Berechtigungen haben. Sie betont, dass es immer auf die Situation vor Ort ankommt, auf die Menschen, die miteinander diskutieren und dass diese eine Lösung finden müssen.

Ein weiteres Problem ist die mediale Darstellung der asexuellen Community. Es gibt kaum POC, kaum Neuroatypicals, kaum Behinderte, die öffentlich als Asexuelle auftreten. [Um einen ersten Schritt zur Veränderung zu tun, hier der Hinweis auf den englischsprachigen Youtubekanal von Vesper (biromantisch/panromantisch, non-binary, asexuell)]

Empfehlenswert für Freunde, Familie, Bekannte von Asexuellen ist das Buch auch, da es ausführlich allerlei „Mythen über Asexualität“ bespricht und auch ein extra Kapitel für Nicht-Asexuelle hat.

Rundherum kann ich das Buch nur empfehlen. Wer sich online schon mit Asexualität befasst hat, wird zwar viel bekanntes lesen, jedoch ist besonders die Positivität von Julie Sondra Decker ein wunderbares Element dieser Einführung.

(1) Mark Carrigan, Department of Sociology, University of Warwick über The Invisible Orientation

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Was bedeutet Asexualität für mich?

Dies ist keine Definition von Asexualität an sich, sondern ein Text über meine Beziehung zu meiner Asexualität. Eine kurze Erklärung was Asexualität ist, findet sich hier.

Das ist nun das dritte Mal, dass ich meinen ersten, „richtigen“ Blogeintrag beginne zu schreibe. Beim ersten Versuch war ich unzufrieden mit der Unpersönlichkeit meines Textes und den zweiten Versuch habe ich abgebrochen, weil der Text zu persönlich wurde, vielleicht werde ich diesen aber später einmal verwenden.

Was bedeutet Asexualität für mich?

Die Entdeckung des Begriffs Asexualität war für mich, wie ein Licht am Ende des Tunnels. Ich hatte endlich Worte für Gefühle, die ich verdrängt hatte. Ich hab Menschen gefunden, die ähnliches empfinden, wie ich. Und das Wichtige dabei: Die Betonung, dass das was ich empfinde etwas richtiges, etwas gutes ist. Ich hatte in den Tagen danach ein Gefühl von angekommen sein bei mir selber, wie ich es vorher noch nie verspürt hatte. Es war als ob mein angekettetes Selbst sich befreit hatte von der auferzwungenen Heteronormativität, der erdrückenden, übersexualisierten Normativität. Ich hatte endlich eine Möglichkeit(1) gefunden, in der ich mich nicht zwingen musste mich anzupassen; eine Möglichkeit in der ich nicht verkrampft versucht habe anerzogene und gelernte Verhaltensmuster zu wiederholen.

Diese Tage der Entdeckung meiner Asexualität waren, wie der Moment, wenn mensch einen Luftzug in einer dunklen Höhle spürt, in der mensch sich verlaufen hat. Ich bin noch nicht aus der Höhle heraus, aber ich habe den Weg wiedergefunden, den Weg an die Freiheit. Ich habe nun den Mut auch andere Bereiche meiner Persönlichkeit und Identität in Frage zu stellen, denn ich möchte die anerzogene Teile meiner Persönlichkeit ablegen und habe nun die Kraft dies zu Tun und der Mensch zu werden, der ich eigentlich bin und nicht der, den andere in mir sehen.

Meine Beziehung zur Asexualität ist deshalb für mich etwas sehr Bedeutsames, da dies der erste Schritt war auf dem Weg aus der Entfremdung von mir Selbst. Weitere Schritte werden der Auszug aus meinem Elternhaus sein, mein erwähnter Studienwechsel und das Ausleben meiner genderqueerness.

(1) Möglichkeit ist hier nicht gemeint als eine von mehreren Auswahlmöglichkeiten, sondern als die Möglichkeit, die Chance, der Moment, die Art mein Ich und meine Gefühle zu beschreiben und in Worte zu fassen.


Ich hatte ganz vergessen, wie gut es tut über Themen zu schreiben, die mir am Herzen liegen. Alleine für dieses Gefühl des Friedens und des Glücks lohnt es sich diesen Blog weiter zu führen.

Hello World!

Warum schreibe ich einen weiteren Blog über Asexualität, wenn es schon mehrere  gute Blogs gibt?

Dazu habe ich mehrere Gründe. Erstens wissen noch viel zu wenig Leute über Asexualität und Aromantik Bescheid. Zweitens habe ich einfach das Bedürfnis zu schreiben, da es mir hilft – ansonsten schwammige – Gedanken in eine festere Form zu fassen.

Wer bin ich überhaupt?

Eine kurze Vorstellung findet sich hier. Aber um einmal auch etwas ausführlicher zu antworten: Mein Name ist Marvin. Ich bin 1996 geboren und lebe in Nordrhein-Westfalen. Zurzeit studiere ich evangelische Theologie im 3. Semester, nachdem ich ein Semester lang Chemie studiert habe. Jedoch werde ich zum nächsten Wintersemester noch einmal mein Studienfach wechseln um ein Philosophie-Studium zu beginnen. Es ist noch nicht einmal so lange her, dass ich entdeckt habe, dass ich nicht „normal hetero- oder homosexuell“ bin, jedoch hatte ich dafür noch kein Wort. Da ich nur einen sehr kleinen Freundskreis hatte und Beziehungen nie ein Thema waren, hatte ich vorher auch nie die Erfahrung gemacht sexuell anders orientiert zu sein als die meisten. In der Retrospektive werden mir jedoch immer mehr Ereignisse und Erfahrungen bewusster, in denen sich meine Asexualität hätte zeigen können. In den vergangen ca. 2 Jahren habe ich erst angefangen mehr zu dem Menschen zu werden, der ich bin und sein möchte und weniger der, den andere Menschen in mir gesehen haben. Dazu gehört auch, dass ich nun weiß, dass ich Aromantiker und genderqueer bin.

Worüber werde ich schreiben?

Ich werde über Asexualität und Aromantik schreiben, meine Erfahrungen damit und (hoffentlich) über Coming-Outs.

Ich werde über (historische und) aktuelle Politik schreiben, dabei werde ich einen anarchistischen Standpunkt einnehmen.

Ich habe vor über philosophische Themen zu schreiben.

Wie oft werde ich schreiben?

Ich versuche spätestens alle 2-3 Wochen einen Beitrag zu verfassen, jedoch könnte es möglich sein, dass ich anfangs auch alle 1-2 Wochen schreibe.

Weitere Fragen beantworte ich gerne in den Kommentaren.