Über Toleranz, Akzeptanz und Respekt

Die drei Begriffe ‚Toleranz‘, ‚Akzeptanz‘ und ‚Respekt‘ sind oft gebrauchte, aber eigentlich sehr undeutliche Begriffe. Ich möchte nun einmal darlegen, warum ich Forderungen nach ‚Toleranz‘ und ‚Akzeptanz‘ nicht so gerne unterstütze und lese, sondern den Begriff ‚Respekt‘ bevorzuge. Dazu werde ich jeweils die Wortherkunft ansprechen, beim Begriff ‚Toleranz‘ ein wenig weiter ausholen, und schließlich erklären, warum ich den Begriff ‚Respekt‘ favorisiere.

Lesezeit: 3-4 Minuten

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen tolerare = erdulden/ertragen und wird oft als Duldung/Geltenlassen/Gewährenlassen von anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen definiert. Zum Beispiel wurden die Religionen fremder Völker im Römischen Reich nur geduldet, wenn diese die Kaiserverehrung annahmen.

Kees Schuyt (niederländischer Soziologe) beschreibt die Toleranz als „unvollkommene Tugend“, weil etwas zugelassen wird, was eigentlich als schlecht erachtet wird. Toleranz ist also nicht ein Zulassen von etwas, was eins sowieso mag, oder was eins kalt lässt, sondern das Zulassen von etwas, was gegen die eigene Meinung/Einstellung geht. Toleranz ist passiv, sie ist ein ’nicht handeln‘, ein ‚untätig bleiben‘, ein ’nicht eingreifen‘. Und darin liegt meine Kritik.
Menschen sollen nicht untätig bleiben, obwohl sie andere Menschen verachten. Ich möchte nicht, dass nicht-normatives Verhalten nur geduldet wird, wegen irgendeinem höheren Motiv. Zum Beispiel: Ich lehne es ab, Flüchtende nur zu dulden, damit ‚unser Land in einem besseren Licht da steht‘. Das finde ich egoistisch.
Zudem ist ‚Toleranz‘ immer etwas was von der Mehrheit, von den Machthabenden ausgeht. Diese Mehrheit entscheidet, was toleriert wird und was nicht.

Akzeptanz
Akzeptanz kommt aus dem lateinischen accipere = gutheißen, annehmen, billigen. Bei diesem Begriff findet sich nun die aktive Komponente, die mir bei ‚Toleranz‘ fehlt.

Trotzdem finde ich den Begriff problematisch, denn wenn ich etwas ‚annehme‘, wie zum Beispiel die Möglichkeit, dass es viele unterschiedliche sexuelle Orientierungen oder Geschlechter gibt, dann sagt dass immer noch nichts darüber aus, was das für mein Verhalten bedeutet. Menschen können es gutheißen, dass Menschen unterschiedlich sind, aber es sagt noch nichts darüber aus ob sie darauf Rücksicht nehmen. Menschen können akzeptieren, dass es Menschen gibt, die Behinderungen haben, doch das bedeutet nicht, dass sich darum gekümmert wird, dass Möglichkeiten geschaffen werden, dass diese Menschen trotzdem ganz einfach mit der Bahn fahren oder ein Museum besuchen können.
Ähnlich wie ‚Toleranz‘, wird auch bei der ‚Akzeptanz‘ von der Mehrheit entschieden, was noch akzeptabel ist, das heißt systemerhaltend.Meiner Meinung nach sollten Menschen wertgeschätzt werden in ihrer Gesamtheit und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen werden, deshalb komme ich nun zum Begriff ‚Respekt‘.

Respekt
Respekt kommt von dem lateinischen Wort respecto = Rücksicht, Berücksichtigen. Respekt ist eine Form der Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Diese 3 Begriffe: ‚Rücksicht‘, ‚Wertschätzung‘, ‚Aufmerksamkeit‘ decken die Bereiche ab, die ich bei den anderen beiden Begriffe problematisch finde. Respekt ist etwas aktives, im Gegensatz zur Toleranz. Wer etwas respektiert schätzt etwas und duldet es nicht nur. Gleichzeitig wird Rücksicht genommen auf die Menschen, die respektiert werden und so können Ungleichheiten ausgeglichen werden. Zudem wird respektierten Menschen Aufmerksamkeit geschenkt, so dass Probleme schnell besprochen und behoben werden könnten.

Also an einem Tag, wie dem IDAHOT (beispielsweise IDAHOBITAP) möchte ich nicht Toleranz oder Akzeptanz fordern, sondern ich möchte respektiert werden. Ich möchte, dass andere Respekt bekommen. Ich möchte, dass Menschen nicht nur dulden oder annehmen, sondern wertschätzen und berücksichtigen.
‚Respekt‘ findet im Gegensatz zu ‚Toleranz‘ und mehr als ‚Akzeptanz‘ auf einer gleichen Machtebene statt. Durch ‚Respekt‘ können Machtstrukturen zerstört werden, da ein Ausgleich unterschiedlicher Möglichkeiten angestrebt wird.

Kleiner Zusatz: Wenn ich Menschen respektiere, dann heißt das für mich auch, dass ich Faschisten zum Beispiel nicht als dumm bezeichne, sondern als Faschisten. Wenn ich Menschen respektiere, dann heißt das für mich auch, dass ich Frauke Petry nicht irgendwelche frauenfeindlichen Beleidigungen zurufe, sondern andere Beleidigungen verwende, denn Frauke Petry ist ein Kackspaten, weil sie eine Rechtsextremistin ist und nicht weil sie eine Frau ist.

 

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