Wie passt mein Glaube in meinem Leben?

Nach langer Zeit (vorallem aufgrund von Umzug und Studiumswechsel) mal wieder ein Text von mir. Ein bisschen zu einem Thema, worüber ich selten spreche.


Ich verstehe mich u.a. als anarchistische Person und als nicht-binäre Person und auch als gläubige Person. Oft können diese Sachen nicht zusammen gedacht werden: Anarchie und Glaube? Queer und glaubend? Für viele Menschen sind dies Widersprüche. Doch sind sie es wirklich? Warum ich das nicht so sehe, möchte ich im Folgenden aufzeigen: (die Idee kam mir durch Tweets von @demisapiens).

Zuerst möchte ich erklären, was ich unter den Begriffen Religion, Kirche und Glaube verstehe, dabei möchte ich betonen, dass ich aus christlicher Perspektive und in einem christlichen Kontext schreibe. Vor allem bei polytheistischen und atheistischen Religionen/Bewegungen fehlt mir genug Wissen um dieses Konzept auf diese Religionen/Bewegungen ausweiten zu können.

Religion = Unscharfer Begriff einer Gesamtheit von Heiligen Schriften, Institutionen, Glaubenden, hierarchischen Strukturen, Auslegungen/Interpretationen, Sekundärschriften, Traditionen, Festen
Kirche = vorallem in christlichem Kontext gebräuchlich und beschreibt die institutionelle Organisierung verschiedener Religionsrichtungen oft in regionalem, nationalem Kontext (zum Beispiel: Evangelische Kirche Deutschland), hat meistens ein Führungsgremium, eine Führungsperson
Glaube = individualisierte Religion, muss nicht übereinstimmen mit den Ansichten der institutionalisierten Religion

Aus anarchistischer Perspektive (und der damit verwobenen queeren Perspektive) lehne ich Herrschaftsstrukturen und normative Prozesse grundlegend ab und vorallem bei Religionen und Kirchen finden sich viele Normen, viele ausgrenzende Strukturen, etc. Um nur einmal ein paar Beispiele zu nennen, wären da die sogenannten ‚Pro-Life-Bewegungen‘ (patriarchale Bewegung, vorallem gegen Reproduktionsrechte und queere Bewegungen) und andere mindestens rechtskonservative Gruppierungen, die unkritische Lutherverehrung in der evangelischen Kirche (Luther war islamfeindlich, antisemitisch, klassistisch, ableistisch, sexistisch, staatshörig,…) oder die oft dominante Meinung der Trennung von weltlichem und geistlichen Dingen.
Wenn diese Dinge/Gruppierungen/etc. kritisiert werden, dann habe ich nicht nur nichts gegen diese Kritik, sondern unterstütze sie sogar. Denn dies alles widerspricht meinem persönlichen Glauben. Meinem Glauben widerspricht es, wenn Menschen Herrschaftsstrukturen erhalten/erschaffen, wie es Religionen/Kirche oft tut. Ein absolutistischer Wahrheitsanspruch hat mein Glauben nicht und würde meiner Weltansicht widersprechen. Wenn jeder Mensch großtmögliche Freiheit haben soll, dann ist das auch die Freiheit zu Glauben. Es geht dabei nicht um normative, unterdrückende Strukturen, die ich verteidige. Ich verteidige, dass jeder Mensch glauben oder nicht glauben kann, was diese Person möchte. Denn Glaube ist für mich nicht etwas, was wirklich in dieser Welt platziert ist, sondern von außerhalb auf diese Welt hier einwirkt. Wie ein Theologe es einmal in Bezug auf den christlichen Gott gesagt hat: ‚Gott ist das ganz andere‘. Und ich sehe meinen Glauben als ein Geschenk an von diesem Ganz-Anderem. Dieser Glaube als außer-/überweltlichen Ding ist also kein Objekt, was sich nach einer weltlichen Religionskritik, die jeglichen Glauben auslöschen möchte, richtet. Ich kann diese Kritik fanatisch verteidigen, solange ich sie aber nicht auf dieser Ebene des Glaubens auch akzeptiere, existieren Ablehnung von Glaube und Glaube in einem extremen Spannungsverhältnis gegeneinander.
Diese Zeiten habe ich auch erlebt, während ich einerseits Glaube und Religion fundamental ablehnte, glaubte ich trotzdem noch gleichzeitig. Dieser ungesunde Zustand hielt zum Glück nicht sehr lange an, sondern ich habe die wichtige Unterscheidung zwischen Religion und Glaube kennengelernt. Für gläubige Menschen (auf jedenfall ist das meine Meinung) ist es wichtig seinen Glauben empowernd benutzen zu können, denn der Glaube ist genauso ein wichtiger Teil des Ichs, wie andere Teile (zum Beispiel sexuelle Orientierung, Geschlecht, etc…).

Alle Personen sollten die Möglichkeit haben ihren Glauben/Nicht-Glauben/Vielleicht-Glauben/etc. auszuleben (natürlich ohne dabei diskriminierende Strukturen aufzubauen). Es ist nicht an Menschen anderen Menschen zu sagen, ob und was sie zu glauben haben.
Mein Glaube unterdrückt mich nicht, sondern er gibt mir Kraft, Halt und ist ein Zuhause. Wer mir das wegnehmen möchte, kämpft nicht für die gleiche Zukunft, für die ih streite

 

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2 Gedanken zu „Wie passt mein Glaube in meinem Leben?

  1. racheles-welt

    Ich bin Christin und sehe mich selbst als gläubig und nicht religiös- denn Religion ist menschengemacht. Ich besuche den Gottesdienst, versuche da aber nicht „hörig“ zu werden, sondern zu prüfen ob das gepredigte auch mit der Bibel übereinstimmt – denn die ist da für mich das entscheidende. Liebe Grüße:)

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