Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 2)

Weil das Buch so fesselnd¹ und spannend² war, bin ich mit dem Lesen zügiger als befüchtet.
¹belastend
²queerfeindlich

Zuerst mal zu ein paar ‚Rückmeldungen‘ (Patsy L’Amour Lalove würde sowas wohl als Beissreflexe bezeichnen, aber da es keine Rückmeldungen aus der im Buch kritisierten Szene war, sind es wohl ganz normale Reaktionen).
1) Nein ich hab schon weiter gelesen als nur „Titel und Einband“.
2) Ja, „Kraft weg“ war so, weil es halt verdammt kraftkostend ist, sich mit Queerfeindlichkeit (+Ableismus, +antimuslimischen Rassismus, +Religionsfeindlichkeit) auseinanderzusetzen.
Nun aber weiter zum Buch. Es sind ungefähr 30 Seiten über die ich hier
heute schreiben möchte und ich habe keine Ahnung, wie alles was ich dazu sagen möchte in einen nicht allzu überlangen Text hineinpassen soll.

Anstatt das Vorwort und die Einleitung also von vorne nach hinten durchzuarbeiten, möchte ich ein wenig sortiert arbeiten.
Zuallerst also kleinere Fragestellungen (bei denen kann es sein, dass sie weiter hinten im Buch noch beantwortet werden oder wie vieles zurzeit einfach als Behauptungen in einen luftleeren Raum gestellt werden).
a)Patsy L’Amour Lalove schreibt immer wieder davon, dass queer wieder persvers gemacht werden soll (u.a. S. 11). Aber wieso sollen alle queeren Leute sich selbst als pervers bezeichnen, vor allem wenn die Mehrheitsgesellschaft dies schon tut um uns zu unterdrücken? Kann nicht jede*r selber entscheiden ob si*er sich pervers nennen möchte oder nicht?
b)Der bisherige Fokus liegt vor allem auf Homosexualität, schwul/lesbisch sein, etc, zwar werden hin und wieder auch das Wort trans genutzt (wobei es für mich eher so als „naja müssen wir halt auch nennen“ rüberkommt), aber wo sind bi, pan, ace, etc Personen? Wo sind inter Personen? Bisher scheint es mir, als ob es in dem Buch nur um einen konstruierten Kampf zwischen lesbisch/schwulen gegen trans Personen geht. Wobei halt schon allein die Unterscheidung zwischen schwulen/lesbischen und trans Personen falsch und transfeindlich ist.
c)Im Buch wird die Metapher von queerfem. Gruppen als inquistorische oder sektenhafte Religion echt überstrapaziert. Sie findet sich gefühlt auf fast jeder zweiten oder dritten Seite. Dabei wurde schon bei den ersten ein bis zwei Malen klar, dass eine wichtige ideologische Grundlage des Buches Religionsfeindlichkeit ist. Da gibts wohl auch einen gewissen Zusammenhang mit dem antimuslimischen Rassismus, der beim Lesen aus den Seiten fast schon herausquillt.
d)Wenn es diese queeren Sprechverbote wirklich geben würde, warum konnte dann dieses Buch durch „die freundliche Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Gesellschaft“ ermöglicht werden? Warum habt ihr eine solche Social Media Reichweite, dass es keinen online Ort gibt, an dem eins nicht auf euch stößt? Ihr habt nicht nur durch verschiedenste Zeitschriften Offline Präsenz. Queere Sprechverbote sind doch eure Erfindung, euer feuchter Traum, euer Kampfbegriff um euch als die standhaften Gallier zu inszenieren, als die Spartaner die eine persische Übermacht besiegten, als Rebellen und Untergrundkämpfer, die wegen der bösen Queer-Mafia um ihr Überleben füchrten müssen.
d)Die ganzen Kommentare zu Hengameh Yaghoobifarah sind auch weniger inhaltlicher Natur und haben mehr den Klang von Menschen, die auch sagen ‚Es gibt Rassismus gegen Weiß‘, ‚Männer sind genauso diskriminiert wie Frauen‘ und ‚Unser antimuslimischer Rassismus ist gar kein Rassimus sondern Islamkritk, weil der Islam ist böse und es gibt keinen anitmuslimischen Rassismus‘.
e)Wenn einer der Hauptaussagen des Buches ist, dass mehr Diversität (aber halt auch nur bei den Meinungen und ja gar nicht, wie Diversity im üblichen Sinne verstanden wird. Denn natürlich soll die queere Szene schön, weiß und schwul/lesbisch sein.) in queerer Szene gefordert wird, dann stellt doch die Ereignisse rund um die Queeren Hochschultage 2013 nicht so einseitig dar. [Einer der im Buch kritisierten Blogs ist übrigens dieser, von da aus finden sich auch weitere Texte, die nicht dem einseitigen Narrativ von ‚Beissreflexe‘ folgen].
f)Die Forderung, dass Queer „selbstbewusst offen auftretende[] Homo-, Bisexueller [ja eine der seltenen Erwähnung bi Personen bisher] und Transleute“ sein soll finde ich daneben. Ob Leute selbstbewusst auftreten wollen oder können ist deren Sache und darüber zu richten ist ziemlich scheiße.
g)Die Beschreibung der angeblichen Forderungen der Queer-Community als „promisk, keine Zweierbeziehungen, keine Interesse an beruflichen Erfolg, keine modische Kleidung, kein Begehren gegenüber normativ schönen Menschen, keine Eifersucht und dergleichen mehr“ sind doch auch nur lächerlich und bewegt sich mehr auf dem Niveau des Die Zeit-Artikels über Antideutsche. Ähnlich die Behauptung es gäbe in der queerfem. Szene keine Streitereien.
h) Die Behauptung, dass „als altbacken und reaktionär abgewertete […] Transleute“ des letzten Jahrhundert zum „politischen Selbstverständnis“ gehört, ist dann auch nur noch reine Diffamierung und keines weiteren Kommentars wert als Shoutouts vor allem an Marsha P. Johnson, Sylvia Rivera und die ganzen anderen wunderbaren Personen aus den Zeiten der Riots und des Aktivismus rund um die Stonewall Riots, sowie an all die ‚älteren‘ (Wobei ‚älter‘ ja auch mehr soziales Konstrukt ist, als was anderes) queeren Personen, von denen ich so viel gelernt habe darunter auch und vor allem Mika Murstein und Laura Jane Grace.
i)Der Angriff gegen anti-lookistischen Aktivismus im Buch ist übrigens auch sehr scheiße. Das kommt jetzt leider wie so nebenbei gesagt herüber, aber bei dem Buch und seiner Feindlichkeit fehlen mir manchmal die Worte.
j)Der verwendete Begriff ‚autoritär‘ im Buch scheint sich auch mehr übersetzen zu lassen, als ‚radikal Räume für marginalisierte Personen/Gruppen zu schaffen entgegen gesetzt zu Herrschaftsstrukturen zu handeln‘.

Aus den ‚kleineren Fragestellungen‘ ist jetzt doch ein großer Haufen geworden und dabei möchte ich noch vier andere Sachen gesondert ansprechen:
1)Die Kritik an Konzepten wie Critical Whiteness und Cultural Appropriation befindet sich auf einen unterirdischen Niveau a la Jungle World. Menschen, denen Aussagen, die fast klingen wie ‚Critical Whiteness ist Rassismus gegen Weiße !!!11!!“ zu stumpf und lächerlich sind, sei dringenst empfholen Meinungen von Autor*innen wie Hengameh Yaghoobifarah zu lesen, wo es ein wenig differenzierter um diese Themen geht.
2)Der nächste Punkt ist jetzt wieder einer der bösen Beissreflexe, aber ich komm nicht umher es einmal deutlich anzusprechen. Wer davon schreibt „Aufklärung“ über „Anwandlungen […], die als ‚queer‘ oder ‚queerfeministisch‘ firmieren“ zu betreiben; Formulierungen in den Mund nimmt, die an ‚Schuldkult‘-Rufe von Rechten erinnern; von Sprechverboten faselt, wie Free-speech-Aktivist*innen in den USA; sich darüber beschwert, kritisiert zu werden, wenn si*er nicht mehr ohne Margnialisierte über Marginalisierte sprechen zu können; di*er sollte ganz deutlich klarmachen, wo der deutliche Unterschied zwischen der eigenen Person und der oben genannten Gruppen liegt. Im Buch geschieht dies nicht. Und damit muss dieses Buch zu dem reaktionären/autoritären Backlash gewertet werden, den marginalisierte Personen zur Zeit so heftig erleben.
3)Was sind das für Leute, die beim Thema ‚Safe Spaces‘ über ‚ein Recht auf Konflikte‘ reden? Unter anderem sind das Personen, die Bücher, wie ‚Beissreflexe‘ herausgeben. Die ganze Kritik an Safe Spaces im Buch ist ziemlich zusammenhangslos. Erst wird kritisiert, dass es keine absolut sicheren Spaces gibt, aber dann wird kritisiert, wenn Aktivist*innen Regeln aufstellen um die Safe Spaces wenigstens sicherer zu machen als die Welt außerhalb. Anscheinend geht es nur um reines Bashing gegen Konzepte, wie ‚Safer Spaces‘, denn dort wird ja die dominante Stellung von Menschen angegriffen, die u.a. dieses Buch geschrieben haben (abled, weiß, männlich, cis).
Sowieso wäre eine zimelich gute Zusammenfassung des Buches bisher: „Hilfe, Hilfe die bösen Queers nehmen mir meine Privilegien und meine Vorrangstellung weg“.
4)Zuletzt ein kurzer Weg in die Semiotik (Zeichenlehre). Alles was wir sehen, hören, etc sind Zeichen. Das kann etwas offensichtliches wie ein Verkehrszeichen sein, aber auch Schriftgrößen auf Zeitungen, Frisuren (ua. halt auch Dreadlocks, was wichtig für Konzepte wie Cultural Appropriation ist), etc. Ein Zeichen verweist immer auf etwas. Meistens wird vereinfacht gesagt, dass ein Zeichen auf eine bestimmte Bedeutung, Aussage, etc verweist, aber eigentlich ist das auch wieder ein Zeichen. Dies ist aber eher nebensächlich für meinen Kritikpunkt.
Im Buch wird sich beschwert darüber, das schon die Anwesenheit bestimmter Personengruppen (zum Beispiel weiße und/oder cis Menschen) als gewalt gelesen würde. Ganz konkret spricht Patsy L’Amour Lalove davon, dass es wäre als „ginge eine düstere Zauberkraft“ von manchen Personen aus. Wenn wir jetzt aber Zeichentheorie anwenden, dann steht cis und weiß für etwas anderes (das kann für unterschiedliche Menschen unterschieldiches sein). Für mich und andere Menschen verweist cis auf Gewalterfahrungen, Diskriminierungen, etc. Es bedeutet nichts über das Individuum was dann in diesem Moment vor mir steht. Das kann ein Ally sein oder nicht, das weiß ich vielleicht gar nicht. Aber die einfache Anwesenheit von cis personen bedeutet für mich, dass da auch (potenzielle, aber auch reale) Diskriminierungen und Gewalt mit anwesend ist.

So das war jetzt ein etwas langer Text, dabei habe ich gar nicht alles angesprochen, was ich hätte ansprechen können. Ich bin auch nicht so ausführlich geworden, wie ich an manchen Stellen wollte. Der nächste Teil kommt wohl Anfang nächster Woche.
Vieles Grundlegendes sollte jetzt wohl auch hoffentlich besprochen sein und dann werden zukünftige Texte hoffentlich auch wieder kürzer.

Hier geht es zu Teil 3

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48 Gedanken zu „Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 2)

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  2. Jana

    „Kritik[…] befindet sich auf einem unterirdischen Niveau ala Jungle World“ das ist leider keine inhaltliche Kritik deinerseits an der Kritik der Konzepte. Mich würde interessieren, was du daran inhaltlich fragwürdig findest.

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    1. KuchenStattSex Autor

      Das ist schon inhaltliche Kritik.
      Wenn du gerne lesen würdest, was meine Sicht dazu ist, kannst du Texte von Leuten wie Hengameh Yaghoobifarah oder aus dem Müssen Magazine lesen, beispielsweise auf Englisch von der Website everyday feminism. Die Texte da entsprechen relativ gut meinem Verständnis von CA/CW.

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  3. PoMoDiaMat

    Das Elend der moralischen Kritik. Ich trage von außen etwas an einen Gegenstand heran und wundere mich dann (lies: bin extrem verletzt), dass dieser Gegenstand doch tatsächlich nicht meinen moralischen Kritierien entspricht. Stark. Dass diese Kritik dann nur funktioniert bei Menschen, die das Buch nicht gelesen haben, weil hier einfach entkontextualisiert einzelne Aussagen aus Texten genommen werden, den der_die Autor_in eben verletzend fand und das Ganze letztlich ein circle jerk der moralisch Erhabenen bleibt, weil man der Kritik nur zustimmen kann, wenn man die zugrundeliegende Moral auch teilt, geschenkt. Hauptsache man hat sich in der peer group bestätigt, dass man dieses Buch ja eigentlich gar nicht hätte lesen brauchen. War ja auch eigentlich vorher klar. Danke, dass du dieses Martyrium für uns auf dich genommen hast.

    PS: Seitenzahlen vong Überprüfbarkeit her bei Zitaten wären 1 nice Nummer. So nährt es doch ein bisschen den Verdacht, dass dem_der Autor_in schon klar ist, dass man an den meisten zitierten Stellen nur schwerlich das behauptete Vorfinden wird, sofern man mehr als den isolierten und von dem_der Autor_in gekürzten Satz liest.

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  4. muecke

    Ein schönes Beispiel für genau das, was in den verschiedenen Beiträgen des Buches versucht wird, theoretisch einzuholen.
    Immer wieder hoffe ich auf eine tatsächlich kritische Auseinandersetzung, mit der man arbeiten kann, vielleicht ein bisschen theoretisch unterfüttert und enttäuscht verbleibe ich immer wieder dabei, dass die Kritik den Inhalt nicht berührt, sondern eben auf der Ebene von Begriffen und Befindlichkeit verbleibt. Schade, denn nicht alle Beiträge sind so kompromisslos und undiplomatisch wie deine Kritik.
    Schade.

    Im Übrigen übt niemand nur durch seine Existenz Gewalt aus, wenn er sich nicht gewaltvoll oder diskriminierend verhält. Entweder es gibt essentielle Eigenschaften oder nicht.

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  5. Labelizer

    „Aber die einfache Anwesenheit von cis personen bedeutet für mich, dass da auch (potenzielle, aber auch reale) Diskriminierungen und Gewalt mit anwesend ist.“
    Hmmm, ich bin ja nicht so im Thema, aber ich frage mich, wie man mit dieser dünnhäutigen Einstellung im Leben bestehen will. Es kann ja nicht die Lösung sein sich in Safe Spaces einzuigeln, weil die Welt so böse und gemein zu mir ist. Du hast selbst die Stonewall Riots angesprochen, da wurde auch nicht gejammert sondern Fakten geschaffen. Für mich steht natürlich auch außer Frage, dass ich als weißer, männlicher Homosexueller weniger Probleme in der Gesellschaft habe, als andere, dennoch erleben wir doch alle Diskriminierung auf unterschiedliche Art und Weise. Sollte es nicht Ziel sein für die Gleichstellung aller zu sein, statt sich in internen Grabenkämpfen zwischen Klein- und Kleinstfraktionen zu verheddern, bis auf ein Niveau, dass Außenstehende argumentativ überhaupt nicht mehr erreichen kann?
    Anderer Punkt: Cultural Appropriation
    Kann ich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine weiße Frau mit Dreadlocks. Sie jetzt damit zu konfrontieren, dass sie mutmaßlich unreflektiert ein Merkmal einer ihr fremden dazu noch unterdückten Kultur angenommen hat… phew!… kann ich machen, aber dann muss ich mich nicht wundern, wenn ich nicht mehr zu Parties eingeladen werde. Ich halte sowas schon für sehr kleinlich, da unsere kulturelle Welt nun mal aus Remixen besteht und sich schon immer alles von allem beeinflusst hat und das die Welt auch reicher macht. Man kann gerne gegen und für alles argumentieren. Ich bin der letzte, der irgendeiner Person seine Rechte verweigern würde. Jede*r sollte so leben und sich entfalten können, wie es ihrer*seiner Seele entspricht. Und es ist auch wichtig Privilegien aufzuzeigen, die nicht immer bewusst sind. Soviel dazu.

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    1. KuchenStattSex Autor

      Ich antworte nur selten auf Kommentare, die mir einer Rehtorik arbeiten, wie du sie nutzt („dünnhäutig“, „sich in Safespaces einigeln“, „rumjammern“, etc) mache aber mal eine Ausnahme.
      1. Du folgerst daraus, dass durch die Anwesenheit privilegierte Gruppen/Menschen auch (potenzielle) Gewalt anwesend ist, dass sich alle in Safe Spaces „einigeln müssten“. Das ist eine Folgerung, die Menschen treffen können und ich werde niemanden dafür verurteilen, der diesen Weg wählt, denn das Leben ist scheiße hart und wer sich lieber versteckt, als an dem ganzen Scheiß zu verrecken, den werde ich nicht deswegen verurteilen. Aber es ist nicht die einzige Folgerung, die gezogen werden kann, sondern es können auch Aufstände/Widerstände gegen diese privilegierten Gruppen entstehen, wie zum Beispiel Stonewall.
      2. Was für Außenstehende, also privilegierte meistens auch, wie ein „interner Grabenkampf“ aussieht, ist es meistens für Betroffene nicht. Ich kann nicht mit Leuten zusammen Widerstand leisten, die keine Probleme mit transfeindlichen Menschen haben.
      3. Das Problem an „kulturellen Remixen“ ist nicht, dass es sie gibt. Das ist ja schön und gut so. Das Problem ist, dass white supremacy die ganze Welt durchzieht und wenn Weiße u.a. Widerstandssymboliken, die ursprünglich gegen sie gerichtet waren einfach so übernehmen und dann umdrehen (bedeutet hier, dass Weiße mit Dreads mittlerweile als normschöner gelten als PoC mit Dreads). Wenn es dir wichtiger ist zu der nächsten Party deiner Freundin eingeladen zu werden, als ihren Rassismus zu kritisieren, musst du halt auch damit leben, dass das andere Leute ziemlich scheiße finden.

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      1. Labelizer

        Punkt 1: Ist okay, ich halte es eben nicht für die beste Strategie sich zu verstecken, aber wie du sagst, das muss jeder selber wissen. Glücklicherweise tun es viele nicht.
        Punkt 2: Das entzieht sich auch meinem Verständnis, wenn man ja selber Diskriminierung ausgesetzt ist aber andere in ihrem Kampf nicht wenigstens zu unterstützt. Ich weiß z.B. nicht, was ein Transmensch durchmacht, ist nicht mein Erfahrungsbereich, aber ich muss ihren*seinen Kampf anerkennen können und nicht kleinreden oder gar lächerlich machen. Soweit einverstanden.
        Punkt 3: Hier habe ich ein Problem. Gesetzt dem Fall ich spreche das ggü meiner Freundin an und gegen alle Erwartung hätte sie ein Einsehen. Was wäre die nächste Konsequenz? Sich eine „weiße“ Frisur zulegen? Was soll das sein (gibt es da vielleicht eine Schautafel der erlaubten Frisuren für Weiße? Weiterhin ihren individuellen Stil verfolgen aber immer mit einem latenten Schuldgefühl für eine Sache, für die sie nichts kann? Mein Problem fängt da an, wo Leute anderen erzählen wollen, wie sie rumzulaufen haben und da ziehe ich eine Grenze. Zumal solche Diskussionen nicht das eigentliche Problem von Unterdrückung herausarbeiten. Da finde ich es eher noch schlimmer, das schwarze Frauen sich die Haare glätten, um einem weißen Ideal nachzueifern und um akzeptiert werden zu können. Sowas ist für mich eher ein Symbol rassistischer (selbst-)unterdrückung. Des Weiteren ist es reichlich unverschämt deinerseits Menschen als Rassisten abzustempeln, wegen einer Frisur. Niemand den ich kenne ist ein böswillig rassistisch gesonnener Mensch. Jeder von uns hat Schubladen und ich bin immer gewillt diese zu reflektieren. Diesen Ansatz aber Menschen zu verurteilen, weil sie sich für einen bestimmten Stil entscheiden ist einfach nur dumm. Und das Weiße mit dreads als schöner gelten halte ich jetzt auch mal nur für eine unbewiesene Behauptung, die ich so nicht teile.

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      2. KuchenStattSex Autor

        1. Ich halte es nicht für richtig darüber zu urteilen, ob diskriminierte Leute versuchen sich zu verstecken oder sich sichtbar zeigen und kämpfen.
        3. Ich hab halt ein Problem damit (und was viel wichtiger ist: es reproduziert und verkörpert rassistische Unterdrückung/white supremacy), wenn weiße ihre Macht ausnutzen um sich Widerstandssymbole anzueignen und sie umzuwerten.

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      3. einmenschzuviel

        1. stonewall war also ein aufstand gegen priviligierte gruppen? das ist ja mal was ganz neues. welche priviligierte gruppe war den das? meinst du aufstände gegen, vermeintlich, priviligierte menschen oder gruppen von menschen ist jetzt irgendein emanzipatorischer sprung? weil die strukturellen zustände von bestimmten menschen gemacht werden?
        2. nur weil dreadlocks, unter vielen dingen die diese für rastafaris bedeuten und vielleicht auch ein widerstandsymbol, heisst das nicht das dreadlocks dieses als einzigstes bedeuten, desweiteren hat das ganze nichts mit hautfarbe zu tun (rastafari). desweiteren was soll das PoC mit dreadlocks? du benutzt hier PoC in einem völlig falschen kontext, was ist bitte normschöner (frag mal irgendeine kartoffel ob er menschen mit dreadlocks schön findet, das gegenteil wird der fall sein, bei schwarzen (also nicht PoC!) wird das vermutlich eher als exotenlook durchgehen). woher nimmst du überhaupt dieses empirisch angedeutete argument?
        ps. sehr schön das du dich mit semiotik beschäftigt hast, lern mal was über allgemeine semantik und das ein symbol niemals die symbolisierte sache ist. du bennenst stänig gruppen von menschen mit diesen symbolen und tust diesen damit gewalt an, weil die einzelnen menschen mehr, anders, dicht-identisch sind als das symbol das du für diese benutzt.

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      4. KuchenStattSex Autor

        1. Stonewall Riots haben sich direkt gegen den vor allem weißen, cis-heterosexuellen Staat in Form der Polizeimenschen vor Ort gewendet und indirekt gegen die unterdrückende weiße, cis-het. Gesellschaft.
        2. Das Wort ‚weiß‘ im Kontext von Critical Whiteness und Cultural Appropiation hat nicht direkt was mit Hautfarbe zu tun und ist nicht damit synonym zu setzen.
        Zu dem P.S.: Wir können gerne über Sprache reden. Falls du deine Meinung ein wenig ausführen möchtest, in einem gesonderten Kommentar, diskutiere ich gerne.

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      5. einmenschzuviel

        1. du hast aber von aufständen gegen previligierte gruppen gesprochen, das sind nun mal menschen. sowas öffnet dem faschismus eben die tür.
        2. stimmt, dreadlocks und rastafari haben nichts mit hautfarbe zu tun, daher ist es auch egal wer diese frisur trägt und die person die rastafari ist sollte auch wissen was das bedeutet.

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      6. einmenschzuviel

        btw: „und wenn Weiße u.a. Widerstandssymboliken, die ursprünglich gegen sie gerichtet waren einfach so übernehmen und dann umdrehen (bedeutet hier, dass Weiße mit Dreads mittlerweile als normschöner gelten als PoC mit Dreads).“
        hattest du doch das weiße ins spiel gebracht, oder was war damit gemeint? white supremacy beziehen sich ja nun schon auf die hautfarbe. ausserdem übernehmen menschen bestimmte dinge nicht einfach so, sondern aus einer bestimmten motivation heraus. und dann steht da noch der vorwurf das sie das dann noch umdrehen. umdrehen aus reiner boshaftigkeit? warum sollte ein_e white supremacy anhänger*in eine deren als ansicht niedere kultur annehmen? und bitte dreads sind keine PoC kultur, zumindestens nicht was du hier als dreads bezeichnest, das ist rastafari kultur und diese wurde auch so von irgendwelchen menschen einfach so (meistens aus modischen gründen) übernommen.

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      7. malica.traum@gmx.de

        Das wird ja genau in dem buch beschrieben:
        wenn verlangt wird dass individuelle weiße leute ihre dreads abschneiden, ist das eine personifizierung von strukturellen verhältnissen, einzelne weiße menschen können doch nix dafür dass es eine generelle white supremacy gibt. es verändert einfach gar nix (strukturell) wenn die dreads ab sind. (im gegenteil: potentiell solidarische menschen werden fertig gemacht)
        Andererseits haben PoCs geäußert dass sie sich dadurch verletzt fühlen wenn sie weiße mit dreads sehen (andere PoCs äußerten auch sich supportet von weißen mit dreads zu fühlen, zb wenn ein Nazi in der ubahn ist und n „weißer dread-mensch“ da ist, kann mensch sich jemand solidarisches sicherer sein) – eben verletzt fühlen, aber zu sagen es ist rassistsich wenn weiße dreads tragen verharmlost meiner meinung nach einfach den rassismusbegriff, genauso wie der gewaltbegriff, ANWESENHEIT einer priviligierten person im raum ist einfach keine gewalt. INDIVIDUELLE verletztheitgefühl einzelner andere nicht sollte einzelpersonen fertigzumachen (das nämlcih dann mindestens an verbaler gewalt) klar ist es dann die entscheidung einzelner ob sie die kritik an kultureller aneignung annehmen oder nicht (aber sie üben keine rassistische gewalt aus wenn sie ihre frisur behalten wollen!)

        du schreibst:
        Ich kann nicht mit Leuten zusammen Widerstand leisten, die keine Probleme mit transfeindlichen Menschen haben.
        ok, deine meinung…aber schade. zb bei den geziparkprotesten haben alle möglichen leute unterschiedlichster gesinnung / meinung / positionen sich zusammen getan…natürlich finde ich transfeindlichkeit auch doof, aber erstens gehst du auch sehr lax mit dem transfeindlichkeitsbegriff um (beim vater phallus zu unterstellen würde ich jetzt nicht transfeindlich bezeichnen als einfach nicht weit genug gedacht – was zwar schade aber nicht feindlich ist. du kannst doch nicht erwarten dass iIMMER ALLE JEDE_N mitdenken!…verkürzte gedanken passieren) und zweitens willst nur mit menschen zusammen widerstand die genau deine meinung haben…–> niemals werden alle alles toll finden, müssen sie auch nicht! solange menschen nix transfeindliches MACHEN kann man doch mit ihnen sich für eine bessere welt einsetzen…

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      8. KuchenStattSex Autor

        Ich finde es extrem verharmlosend und Täterentschuldigend Gewalt und Unterdrückung nur in Strukturen zu suchen. Individuuen sind Teil von Strukturen, durch sie wird Gewalt ausgeübt, sie profitieren von Privilegien. Also sollte da nichts entschuldigt werden.
        Transfeindlichkeit ist nicht nur eine andere Meinung, Transfeindlichkeit ist, wie Rassismus, Antisemitismus, Ableismus, etc grundlegend abzulehnen. Ich will nicht mit Menschen und Gruppen, die bestehende Herrschaftsstrukturen nutzen, verstärke und reproduzieren.

        Doch, ich kann und werde erwarten, dass das Ziel jedes Menschen ist alle und jeden anderen mitzudenken. Ist mir auch ziemlich egal, wenn Menschen, die Transfeindlichkeit nur ‚doof‘ finden nicht mit mir zusammen für eine bessere Welt kämpfen wollen, denn das schöne Leben für alle ist mit diesen Menschen nicht zu finden.

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  6. verqueert

    @Labelizer Vielleicht hilft es, zwischen rassistisch und rassistisch handelnd zu unterscheiden, letzteres setzt Selbstreflektion darauf, wie ich auf andere wirke voraus.

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    1. Labelizer

      Also meine weiße Freundin mit Dreads ist weder rassistisch noch rassistisch handelnd. Wenn sie sich die Haare abrasiert und sich mit einem Baseballschläger zum nächsten Heim für Asylsuchende aufmacht, hätten wir Redebedarf.

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  8. Andromeda

    Mir fällt dazu noch ein, dass so genannte „Dreadlocks“ zwar in Schwarzer Amerikanischer Geschichte und Identität eine Rolle spielen, aber wie verläuft die Argumentation bei cultural appropriation angesichts der ganzen anderen, unabhängig davon entstandenen Formen von verfilzten Zöpfen auf dem Kopf: Rastafari, Sadhus im Hinduismus, Weichselzöpfe des europäischen Mittelalters, oder verfilzte Haare des antiken Keltentums? Oder einfach von Menschen, die Filzsträhnen auf Grund mangelnder Wäsche und fehlenden Kammes bekommen. Da stehen die Haare, die eben die meisten in US und EU als „Dreadlocks“ deuten, eben auch nicht für Schwarzen Widerstand. Wenn „Dreadlocks“ aber nicht angeeignet und der Widerstandssymbolik enthoben werden sollten, dann müssten doch alle mit strähnenartig verfilzten Haaren außer US-Schwarze darauf verzichten? Oder wie ist das Widerstandssymbol-Argument zu verstehen? Denn verfilzte Haare an sich waren eben nicht „ursprünglich gegen Weiße gerichtet“, die gab es ja schon, bevor Menschen aus Afrika und Europa den Atlantik das erste Mal überquerten.
    Den einzigen Punkt, den ich nachvollziehen kann, ist wenn man verfilzte Haare generell (und unwissend) als „Dreadlocks“ bezeichnet. Damit hätte man sich ja wirklich einen Begriff angeeignet, der ursprünglich und absichtlich anders besetzt war. So als würden auf einmal Menschen anfangen queer für sich zu beanspruchen und umzudeuten und schwul, lesbisch und bi davon auszuschließen weil es so etwas wie Homonormativität und binary privileges gibt, obwohl der Begriff queer ja ursprünglich von besagten Gruppen eine Selbstbezeichnung als reclaimender Kampfbegriff war.

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    1. KuchenStattSex Autor

      Ich werde jetzt hier keine Grundsatzdebatte über Dreadlocks als Cultural Appropriation führen.
      Es wurde schon oft genug von vielen Leuten was dazu gesagt und wenn du halt das anders siehst, dann musst du halt auch mit den Reaktion von PoC und anderen Antira-Allies klarkommen.
      Schön cisnormativ, wie du trans people vollkommen vergisst in deiner ‚Historie‘ des Wortes queer. Zudem gab es viele Bezeichnungen, die erst in jüngeren Zeiten entstanden sind früher nicht, aber das heißt nicht, dass es die Menschen nicht gab, die genauso empfande. Zum Beispiel waren viele asexuelle Menschen früher Teil von bi Communities.

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  9. Schlummi

    Ich möchte noch mal auf die oben diskutierte Frage zurückkommen, ob Menschen, die verstehen, dass ihr Leiden an der Welt einen Grund hat und das dieser Grund in gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen zu suchen ist – ob diese Menschen also das Recht haben, sich aus den Kämpfen, die nötig wären, die Verhältnisse umzuwerfen, rauszuziehen.

    Privat haben sie das selbstverständlich – schließlich kann sie niemensch zwingen, sich an irgendwas zu beteiligen.

    Politisch halte ich das für eine ziemlich amoralische Position. Wenn Ich verstanden habe, dass das Leiden an der Welt nichts naturhaftes ist, dass es sich ändern lässt – und ich mir dann meinen Safe Space schaffe, die anderen aber weiter am Elend der Welt zugrundgehen lasse….. das ist doch zynisch! Aus der Erkenntnis in die Herrschaftsförmigkeit der Welt ergibt sich m.E. die Verpflichtung, alles nur erdenkliche zu tun, um diesen Zustand zu verändern. Wer das nicht tut, trägt zu seiner Aufrechterhaltung bei und trägt damit auch Schuld am Elend der Welt und dem Leiden der Menschen.

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    1. KuchenStattSex Autor

      Ich werde die ‚Schuld‘ an Herrschaftsstrukturen nicht den Betroffenen zuschieben, sondern finde, dass sie nur bei den Unterdrückenden und Marginalisierenden zu suchen, finden und bekämpfen ist.

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      1. kasi_

        Unterdrückene und Marginalisierende Menschen tun das doch aber nicht (ausschließlich), weil sie im Grunde ihres Seins unterdrückend oder marginalisierend wären, sondern weil die Gesellschaften so eingerichtet sind, dass Herrschaftsverhältnisse bestehen. Diese müssen dann natürlich Individueen haben, die an den beiden Polen der Herrschaftsverhältnisse stehen, bei vielen unterschiedlichen Herrschaftsformen können dann Menschen auch an mehreren Polen zu gleich stehen (sodass auch PoC rassistisch oder Homosexuelle homophob sein können). Das lässt sich an der Zurückweisung zB „tuntiger“ Verhaltensweisen in schwulen Communities leicht nachvollziehen, in denen es dann ein „richtiges“ und ein „falsches“ schwul gibt.
        Herrschaftsstrukturen sind außerdem niemals irgend eines Menschen Schuld, da sie außerhalb der Individuen existieren. Solange also nicht die Strukturen umgeworfen werden, die Herrschaft überhaupt erst möglich machen, wird es immer Herrschende und Beherrschte, Unterdrückende und Unterdrückte geben.

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      2. KuchenStattSex Autor

        Jede*r kann Unterdrückungsstrukturen reproduzieren, da habe ich mich wohl in meinem Kommentar einfach nur ein bisschen zu kurzgefasst, das hätte ich deutlicher machen sollen.

        By the way: Homophob ist ein ableistischer Begriff und ich werde, den ab jetzt Kommentare sehr wahrscheinlich nicht mehr freischalten, wenn die -phob, statt eine nicht ableistische Alternative verwenden.

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  12. sandr@

    es tut mir leid, aber vergleiche, fragen, vorwürfe und unterstellungen sind keine gute kritik. vielleicht kannst du in den nächsten teilen ein paar argumente bringen?

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  13. Niklas K.

    Ich möchte mich vorigen Kritiker_innen in weiten Teilen anschließen und dir ans Herz legen, Kritik materialistisch, sprich mit stetem Textbezug, zu formulieren. Ich habe das Buch (im Gegensatz zu dir…) komplett gelesen und fühle mich nun, nach mühsamen Kampf durch all deine fünf Rezensionen, in vielen Meinungen über emotionsgeladene, niemals rational argumentierende sprechortfanatische Clickbaitgenerierer bestärkt. Nicht nur deine Kritik hier, sondern auch all die Posts von Twitter-Trolls wie „verurteiltA“ et al, bestärken den autoritären Charakter der queerfeministischen Bewegung, die bspw. jedwede emanzipatorische Kritik – sei sie noch so präzise und frei von antimuslimischen Ressentiments formuliert – ob ihrer Islamophilie als rassistisch denunziert und „ihren“ Islam und „ihre“ Werte so zu Adiaphorismen erhebt. Im Buch, das du hier kritisierst, findest du ab S. 204 ein bereits vor knapp zwei Jahren in der MALMOE erschienenes Interview mit Sama Maani, da erklärt er den projizierten Wunsch nach einer Identität. Die Lektüre dessen ist, insbesondere zur Selbstreflexion, wirklich empfehlenswert, mag man seinen Weg innerhalb der identitären Bewegungen doch ab und an verlieren und Irrungen und Wirrungen unterliegen. Auch erinnert mich dieser Kollektivierungsdrang an den psychoanalytischen Begriff der „Fixierung“, da empfiehlt sich die Lektüre Freuds theoretischer Abhandlungen zur Sexualtheorie, zuvörderst der zweitne Abhandlung über „infantile Sexualität“. Die Bedürfnisse welcher Phase nicht genau gestillt werden, darfst du dann selbst herausfinden.

    Ich selbst gehöre prinzipiell in einigen Teilen zur Gruppe, die durch queeren Aktivismus Gehör in dieser Gesellschaft finden sollte, zumindest in der Theorie. Ich fühle mich persönlich aber ganz und gar nicht vertreten von diesen poststrukturalistischen Ansätzen, was i.d.R. auch kein Problem darstellen würde, hätte dieser unsäglich regressive Aktivismus, für den du hier so rührselig plädierst, nicht zur Folge, dass ich – aufgrund meiner homosexuellen Identität – für viele Außenstehende als Teil dieser Bewegung wahrgenommen werde. Das ist nicht nur euch zuzuschreiben, ich weiß, sondern auch dem schlecht informierten (heterosexuellen) Umfeld, aber jeglicher Versuch, mich von eurem Geschwurbel freizuschaufeln, lässt mich immer wieder im Sumpf von Definitionsmacht und gender-wütender Sprache versinken, weil ihr euch selbst als Sprachrohr für uns Queers verkauft.
    Das Buch „Beißreflexe“ also wirklich auf legitime Kritik und Selbstreflexion zu untersuchen und abzuwägen, ob tatsächlich was dran ist an den Thesen, ist keine schlechte Idee. Das Buch ist kein Angriff auf irgendjemandes queere Identität und sollte niemals auf solch vehemente Ablehnung stoßen. Damit offenbaren alle, die so emotionsgeladen und nicht stichhaltig gegen diese Kritik argumentieren wie du, dass es absolut an der Zeit ist für eine Kritik an dem aurotirären Charakter eurer Bewegung.

    Ach, und mit der Aussage, dass Hengameh differenziert argumentiert und schreibt, egal über was, hast du ohnehin verspielt, ernst genommen zu werden.

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    1. KuchenStattSex Autor

      Verschiedenes:
      1. Mir ist egal, was du mir ans „Herz legst“. Ich werde weiter so kritisieren, wie ich es für richtig halte.
      2. Nur die ersten beiden Texte wurden geschrieben ohne dass ich das Buch nicht vollkommen gelesen hatte. Bei all den anderen hatte ich das Buch praktisch durch. Die ‚Kritik‘ ich hätte das Buch nicht ganz gelesen und dürfte es deshalb noch nicht kritisieren, ist mehr als lächerlich.
      3.Danke für die Info, dass ich ein Twitter-Troll bin. Ich dachte ich wäre einfach nur ein Enby mit einem kleinen Twitter-Account, aber im Leben mancher Leute scheine ich ja schon eine größere Rolle zu spielen.
      4. Mir sind deine Lektüretipps ziemlich egal. Deine Ferndiagnosen und Pathologisierungen dagegen sind ziemlich ekelhaft.
      5. Wie lange wollt ihr Anti-Ds eigentlich noch diesen Narrativ von „Liebe zum Islam/Islamophilie“ fahren. Ist euch klar, dass ihr nicht nur diesen Narrativ zusammen mit Rechten zu verstärken und durchzusetzen sucht, sondern er auch noch einfach ekelhaft und Antiemanzipatorisch ist?
      6. Naja wir sind halt alles queere Leute, deshalb sprechen wir auch für queere Leute. Nur wir wollen halt verhindern, dass sich bestimmte Gruppen (weiße/cis/schwule) wieder eine zu große Machtposition innerhalb der Gruppe sichern.
      7. Da du nicht zu der im Buch kritisierten Gruppe gehörst, sondern zu der Gruppe, die wieder Macht und Vorteile erlangen würde, falls die ‚Kritik‘ angenommen werden würde, willst du wohl die Angriffe die das Buch fährt nicht verstehen oder heißt sie wohl auch noch gut.
      8. Wenn autoritärer Charakter heißt, sich zu weigern die Normen des Rest der Gesellschaft zu übernehmen, wenn autoritäre Sehnsüchte heißt, dass ich nicht transfeindlich, ableistisch, etc beleidigt werden will. Ja, dann habe ich diesen Charakter und diese Sehnsüchte. 9. Wenn ich es ohne hin verspielt habe ernst genommen zu werden, warum dann deine verdammt lange Wall of Text?

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      1. Niklas K.

        Ich werde der Struktur deiner Antwort folgen, damit dieser Diskurs nicht in Chaos mündet.

        zu 1.: Akzeptiere ich, ist schließlich dein Blog. Wird dich aber in keiner Diskussion wirklich weit bringen, sondern deine Argumente immer als Geschwurbel brandmarken und dir selbst folglich keine legitime Deixis verschaffen.
        Ich bin absolut geneigt, mit dir/ euch in eine Diskussion zu treten und vielleicht auch Ansichten zu revidieren, aber wenn keine rationale Stringenz in (deinen) Erörterungen zu finden ist, die klare Prämissen und Konklusionen erahnen lässt, wird eine sachliche Diskussion ohnehin obsolet.

        Vermutlich wirst du nun darauf antworten wollen, dass du mit mir, einem pathologisierungswahnsinnigem (Vgl. Punkt 4) Antideutschen (Vgl. Punkt 5) (- übrigens ist das ebenfalls eine Ferndiagnose, woher willst du wissen, dass ich mich selbst als antideutsch ansehe, hast du gerade etwa meine politische Identität assumed? Ich dachte, in euren Kreisen schicken sich Assumptions nicht – ), ohnehin keine Querfront bilden willst, weil wir für ganz unterschiedliche Ziele kämpfen und so weiter und so fort. Die Metaebene kannst du gern für dich in Anspruch nehmen, ändert aber nichts.

        zu 2.: Hast du schon das neue Album von Ed Sheeran gehört? Ich auch nicht, aber ich hab schon mal aufs Cover geschaut und mir die Trackliste angesehen, das muss Scheiße sein. Ich fühle mich auf jeden Fall angegriffen und mir fehlt die Kraft, die Lieder zu hören.
        Merkste selbst, ja?

        zu 3.: Auf jedweden Punkt mit übersteigertem Narzissmus zu reagieren (Achtung: Pathologisierung!), hat nicht den bestärkenden Effekt, den du dir wünschst, sondern ridikülisiert dich sukzessive. Ihr seid keine Hyperborea, die die Wahrheit sehen, während die ganze Welt Scheuklappen trägt! Alle hehren Ziele, die ihr habt – und die möchte ich euch gar nicht absprechen, denn Sichtbarkeit ist wichtig – versinken hinter einer apodiktischen Fassade und verenden so oder so in Totschlagargumenten à la „Ihr argumentiert wie die Rechten“.

        zu 7.: Indem du mir Position und Perspektive vorgibst, stellst du dich und deine Argumentation über die meine, da du meine Aussage als subjektiv „entlarvst“ und dir die Macht erteilst, dich damit auf die Metaebene zu stellen. Dieses ständige „Trag erst mal meine Schuhe, lauf erst mal meinen Weg, erst dann kannst du urteilen“-Poesiealbum-Gelaber ist so wahnsinnig irrational und entzieht keiner Argumentation den Boden!
        Ich muss nicht einer von euch sein, der in diesem Buch kritisiert wird, um dann erst, in meiner verletzten Haltung, zu spüren, wie gemein und unsäglich diese Kritik an mir ist. Ihr tretet in einen öffentlichen politischen Diskurs, um dann direkt beleidigt abzuzischen, wenn ihr kritisiert werdet! Anstatt zu reflektieren, wird direkt Gewalt angedroht und legitimiert, dann droht ihr „mit dem Basi, wenn du meine Siblings“ beleidigst. Sehr emanzipatorisch, sehr antiauritär! Ist das der große Fortschritt, den ihr wollt?

        zu 8.: Und Begriffe neu zu definieren, damit du sie in einem rührseligen Appell claimen kannst – nope, das hat noch nie funktioniert.

        zu 9.: Um mit dir in eine Argumentation zu treten. Ganz einfach. Hätte ja sein können, dass noch was mit Verstand kommt, aber es war bisher nur Wut dabei, ach, und natürlich die Bezeichnung als „Rechter“.

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      2. KuchenStattSex Autor

        Ich war mir erst nicht sicher ob ich auf den ganzen Unsinn antworten soll, aber ich gebe mir Mal den Spass:
        1.Es wird mir in Diskussionen mit Leuten, wie dir vielleicht nichts bringen, aber dies ist mir extrem egal. Ihr haltet doch eh alle an eurer ‚Meinung‘ (Transfeindlichkeit, Ableismus,…) fest und entweder merkt ihr selbst, dass es scheiße ist oder halt nicht. Ich werde aber nicht noch mehr Zeit verschenken, in irgendwelchen ‚Diskussionen‘ mitzumachen.
        Ja, würde ich sagen, dass du wahnsinnig bist wäre das Ferndiagnose, etc. Tue ich aber nicht. Ich habe nur benannt, was du in deinem Kommentar gemacht hast.
        ‚Dont assume my …‘-Verballhornungen finde ich übrigens genauso ekelhaft.
        2. Ja merke ich selbst, dass dein Vergleich nicht zieht.
        3.Du solltest Mal sehen, welche Arbeit Leute machen um mich zu beleidigen und anzugreifen, die bin ich gar nicht wert, die Arbeit.
        Ihr benutzt halt Rechte Narrative, das werde ich nicht nicht benennen.
        7. Du findest es irrational und ich finde es entitled von dir anzunehmen, was andere Leute durch Menschen wir dich erleiden müssen.
        Du bist natürlich stattdessen richtig progressiv, wenn du Trans people verwehren möchtest sich selbst zu verteidigen, da unterscheidest du dich natürlich von dem Rest der Gesellschaft.
        8. Ich will sie nicht reclaimen. Ich zeige nur auf, was damit eigentlich gemeint ist. Indem marginalisiertrn Gruppen diese Dinge angedichtet werden, wird ihnen versucht die in ihren Handlungsweisen einzuschränken, damit ihr wieder eure Machtposition wiederbekommt.
        9. Ja hier ist ganz viel Wut, weil du, die anderen, das Buch Leute verletzt, mich verletzt. Und das macht viele und auch mich wütend. Ich hab gesagt, dass ihr Rechte Narrative benutzt, nicht mehr und nicht weniger.

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  14. baka

    ich halte beissreflexe für eine ziemlich gute kritik, die durch deine artikel und hier in den kommentarspalten bestätigt wird. Für mich ist keine klare argumentation erkennbar, lediglich aufeinanderfolgende verweise darauf, welche ismen das buch an dieser und jener stelle zu erfüllen scheint. Auf dieser grundlage wird der inhalt ignoriert und als nicht-diskurswürdig abgestempelt. Das ist diskursfeindlich und lediglich der versuch, eine deutungshoheit mittels sprache zu etabilieren, die die im Buch erwähnte irritation vermeiden soll. Wenn hier von transfeindlichkeit gesprochen wird, lediglich weil transpersonen nicht explizit erwähnt werden, ist das eine farce und verweicht die definition von transfeindlichem verhalten völlig. Die hier gestellten Anforderungen an die awareness von individuen gegenüber anderen individuen ist schlichtweg absurd und ein priveleg, dass sich höchstens noch die studentische linke leisten kann.

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    1. KuchenStattSex Autor

      Ich ‚liebe‘ es ja, wie ihr alle den Sprech von Rechten übernimmt um dann den autoritären Charakter anderer zu kritisieren (hier zum Beispiel: diskursfeindlich).
      Das Buch ist transfeindlich aufgrund verschiedener Dinge und ja, meine Meinung ist, dass ein Buch welches in Sprache und Argumentation es nicht hinbekommt nicht rassistisch, nicht ableistisch, nicht transfeindlich zu sein, auch nicht als emanzipatorische Kritik ernstgenommen zu werden.

      Was für hohe Anforderungen sind das denn? Menschen als das zu akzeptieren, was sie selbst sagen was sie sind? Das ist eine wirklich hohe Anforderung…

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      1. Daddl

        Eine einfache Frage hätte ich an dich: bezeichnest du dich als Menschenfreund*in? Wenn ja, dann verstehe ich nicht, wie du so viel Hass und Wut gegenüber einzelnen und Gruppen von Menschen hegen kannst. Deine Sprache ist im absoluten verhaftet, sie lässt keinerlei Widerspruch zu. Das ist sehr schade, weil du das Gegenteil dessen erreichst, was du zu erreichen vorgibst. Du bedienst dich, um es mit deinen eigenen Worten zu schreiben, der Sprache der autoritären, illiberalen, machistischen, antifeministischen und homosexuellenfeindlichen. Damit beförderst du, ob gewollt oder nicht, eine Idee von Terreur, Gesinnungsschnüffelei und letztlich einer Gestapo für die „richtige“ Queerness. Das ist im günstigsten Falle einfach nur dumm – weiter gedacht jedoch saugefährlich, weil diese propagierte Vorstellung von Gesellschaft in Faschismus und Diktatur enden würde.
        Es ist schade, dass du scheinbar zu keinem klitzekleinen bisschen Selbstreflexion fähig bist – und das obwohl du gegenüber anderen Gruppen ein über die Maßen privilegierter Mensch bist.

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      2. KuchenStattSex Autor

        Was ist ein*e Menschenfreund*in? Da hätte ich schon Schwierigkeiten… Aber auf jedenfall ist es kein Wort, mit dem ich mich selber beschreiben würde.
        Vor allem verspüre ich sehr viel Hass auf Menschen, die mich und andere Leute, zu denen ich mich als solidarisch verstehe, angreifen/etc.
        Ich fände es interessant, falls du vielleicht weiter ausführen könntest, wo du dieses absolute meiner Sprache siehst und wie diese der anderen autoritären Gruppen gleicht?
        Dass ich bei gewissen Dingen heftig privilegiert bin keine Frage, aber dass du diese Behauptung stellst ohne mich im Geringsten zu kennen, finde ich extrem scheiße und übergriffig und ist dann im Ende auch einfach falsch.

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  15. Moritz

    Hmm, also wenn die feimdliche Sprache der Kritik aus dem Buch dich so sehr stört, dass du ihren Inhalt nicht als emanzipatorisch ernst nehmen kannst, dann übersetze sie dir doch einfach in deine eigene (Phantasie-)Sprache, was du nebenbei beim Lesen ohnehin machst, weil du dir bei jedem gelesen Satz den Zusatzgedanken leistest: eigentlich müsste man das doch so und so TRANSskribieren (mit Gendergap oder Sternchen, mit, mit -/innen oder -ierenden, mit ausgedachten Pronomen wie eins, di*er, si*er, usw.). Das unterstelle ich jetzt einfach, weil du ja ohne eine inneren Abgleich mit einer vermeintlich richtigen Sprache gar keinen Einwand gegen die falsche formulieren könntest. Nun, da du sowieso im Kopf die verletzende Sprache bereiningst und dir den Inhalt der gelesenen Kritik in deiner/eurer eigenen Sprache noch mal vor Augen hälst, würdest du wenigstens dann dem Inhalt der Kritik zustimmen? Wenn ja, dann arbeite das in deiner „Kritik“ doch mal bessere heraus. Wenn nein, schieb nicht die Sprache als vermeintliches Argument vor, an der liegt’s gar nicht und ksnn’s auch nicht liegen.

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  16. enno

    Dass bestimmte Menschen über ihre Verletzlichkeiten reden können ist eine feministische Errungenschaft, sämtliche feministische Kritik galt immer als zu emotional, zuwenig theoretisch, nur als Betroffenheitsgelaber, etc..

    Die Kritik in den Kommentaren hier gegen diese Kritik an Beißreflexe ist ungeheuer patriarchal.

    Ich bin froh zu lesen, dass hier eine Person eine Kritik formuliert gegen ein Buch, einen Diskurs, der ihr*m und damit vielen anderen Menschen, das Leben schwerer machen wird, schwer machen wird Gehör zu finden und Ungleichheitsverhältnisse zu thematisieren. Wem die gesellschaftliche Analyse fehlt: macht sie dazu, statt gegen Menschen, die in ihrem Leben gegen Marginalisierungen und Diskriminierungen kämpfen, und nicht nur für sich, sondern ausgehend von den eigenen Erfahrungen für alle.

    Dass sich hier jemand traut, warum muss dessen Kritik gleich delegitimiert werden, statt gestärkt, wohlwollend nachgefragt.
    Die Begriffe die in den Kommentaren hier verwendet werden stinken nach einer Opfer-Täter-Umkehr. Ich denke sehr viele, eingeschlossen mir, fällt es schwer Kritik anzubringen, genau wegen dieser Reaktionen. Dieser identitären Kakkscheiße. Wenn du nicht für unsre Argumente bist, uneingeschränkt, dann bist du gegen uns, sowieso falsch und uninteressant. Das ist dramatisch! Das ist traurig! Und wenig emanzipatorisch.

    Danke für das Dagegenhalten KuchenstattSex

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  17. Moritz

    “ Die Sprache der Politik ist moralisch verseucht, Wörter für Rassen, Völker und soziale Stände ganz besonders. Das Politisieren ist und wird verstanden als eine Sphäre des Rechtens und Parteinehmens: Wer sich zu Wort meldet, will das Recht oder Unrecht eines Standes oder nationalen Kollektivs verkünden, also seiner Parteilichkeit Gehör verschaffen; Leser und Hörer suchen ihrerseits nach Erkennungsmerkmalen der Parteilichkeit, um zu wissen, woran sie mit einer Wortmeldung sind. Schön zirkulär vergleichen sie die entdeckte Parteilichkeit eines Autors mit den eigenen sympathisierenden Vorurteilen oder Antipathien und finden dementsprechend die Stellungnahme gelungen oder unmöglich. Schon durch die gewählte Kennzeichnung der diversen Kollektive signalisieren Autoren Achtung oder Verachtung für die damit Bezeichneten; schon daraus erkennt das Publikum den vertretenen Standpunkt. Das gezielt eingesetzte Schimpfwort oder die ehrende Benennung ersetzen bzw. sind häufig das ganze Urteil. Wer z.B. den Unternehmer Kapitalist nennt, gibt sich als Kritiker der besitzenden Klasse zu erkennen, der er die Ausbeutung der Arbeitskräfte unterstellt; wer den Kapitalisten Unternehmer nennt, gibt seine Wertschätzung der wichtigen Rolle dieser Spezies zu Protokoll, von deren Tatkraft das ganze Gemeinwesen abhängt; wer ihn schließlich Arbeitgeber nennt, anerkennt die soziale Rolle der Profitmacherei ausdrücklich im Namen der davon abhängigen Arbeitskräfte. Mit der Wortwahl ist alles gesagt – und alles verstanden. „. (Zitiert aus: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/06/4/leser1.htm)

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  18. Moritz

    „Es ist erstens die politökonomische Weltordnung, die ihnen diese miserablen Lebenslagen zuweist; es ist zweitens der Rassismus des politischen Urteilens, der ihnen diese Stellung dann auch noch als ihr Defizit anlastet [,grmeint sind PoC, oder wie man sie nennen mag]. Wie immer und überall in der bürgerlichen Gesellschaft beweist derjenige, der in der Konkurrenz scheitert – und irgendwelche müssen ja scheitern –, den anderen seine mangelnde Begabung, fehlenden Ernst, Fleiß, Verantwortungsbewusstsein und Intelligenz. Seine schlechte soziale Stellung wird gerechtfertigt durch eine schlechte Meinung über ihn. Er wird verachtet und als verachtungswürdiges Wesen gesehen. Ursprünglich neutrale Namen für Rassen, Völker, Stände und soziale Charaktere, die in der weltweiten Klassen- und Nationenscheidung unten landen, sinken zu verächtlichen Bezeichnungen herab. Dieses Schicksal teilt das Wort „Neger“, eher in den USA übrigens als in Europa, mit nicht wenigen Völkernamen – Kanaken, Kaffern, Zigeuner –, mit Bezeichnungen niederer sozialer Stände – dem Bauer und dem Proletarier („Du Bauer!“, „So ein Prolet“), mit „Weib“, „Krüppel“ und „Asylant“. Schlimm, so unsere Auffassung, ist nicht der Klang, sondern die Sache. Sie gehört korrigiert. Demokratisch engagierte Zeitgenossen sehen das anders. Sie lauschen den verächtlichen Bezeichnungen einen Verstoß gegen die abstrakte Anerkennung ab, auf die ein jeder in dieser gleichmacherischen Gesellschaft jenseits von Stand und materieller Lage ein Recht hat. […] Ihre demokratischen Freunde empören sich mehr über vorhandene oder vermutete Verachtung als über die gesellschaftlichen Verhältnisse, aus deren Bejahung die Verachtung der Erfolglosen erwächst. Für die Opfer suchen sie neue Namen, die einzig und allein eines leisten sollen: Die Verachtung dementieren, die sie aus den vormals neutralen Bezeichnungen heraushören. Die Verwendung ihrer Wortschöpfungen machen die Sprachreiniger dann zum Prüfstein politisch korrekter Gesinnung. Jedermann hat den Hut zu ziehen vor den Mitgliedern der unteren Klassen und elenden Ausländern seine Hochachtung auszudrücken. Dann, meinen sie, sei das größte Unrecht, das denen zugefügt wird, schon mal aus der Welt und der entscheidende Schritt gegen die Ausgrenzung getan.
    Die geistigen Verrenkungen, die fällig sind, wenn man aus jeder Kennzeichnung eine Ehrfrage macht, sind einfach drollig. Denn die Sprachreform nützt nicht viel, wenn eine ehrenhafte Namensgebung die Verachtung, die dem Stand oder Individuum gilt, widerrufen soll. Die verbesserten, herabwürdigende Konnotationen korrigierenden Namen nutzen sich schnell ab, eben weil sich an der Sache, der Lage und der tatsächlichen Einschätzung der Verachteten ja nichts ändert. Die Verfallsgeschichte des englischen „nigger“, das zunächst auch nur eine germanische Aussprachevariante von „negro“ war, ist dafür beispielhaft: Nach dem Verbot des Sklavenworts war „Colored People“ politisch korrekt, bei dem man jedoch bald einen verhohlenen Rassismus herauszuhören meinte, der sich vor dem Aussprechen der blamablen Hautfarbe drückt; „Blacks“, das Farbwort aus dem angelsächsischen Wortschatz, war dann schon besser, inzwischen ist man bei „African-Americans“ gelandet. Der deutsche „Krüppel“ ist zum „Behinderten“ geworden, bis auch der untragbar wurde und nun „Mensch mit Behinderungen“ heißt, damit niemand vergisst, dass der Behinderte ein Mensch ist, und niemand den Menschen durch seine Behinderung charakterisiert sieht, auch wenn dessen privates und soziales Dasein davon bestimmt ist. Aus demselben Grund wurden die gastarbeitenden Ausländer erst zu „Migranten“, dann zu „Menschen mit Migrationshintergrund“. Ein vorläufiges Ende erfährt der Abnutzungsprozess politisch korrekter Namen erst, wenn die verachtete Gruppe einen dieser Namen adoptiert, sich selbst stolz so nennt und ihre Selbstachtung durch die allgemeine Verwendung des Wortes gewürdigt sieht. Manche, die weiblichen Homosexuellen z.B., bestehen auf dem Dudenwort und wollen den ehrenwerten Stand der lesbisch Liebenden Lesben genannt sehen. Die männliche Variante bekennt sich nach dem Prinzip der Umwertung aller Unwertworte – wie seinerzeit die Black Panther mit ihrem „Black is beautiful“ – zu einem besonders bösartigen Schimpfwort und erhebt es zum neuen Ehrennamen: Sie wollen „schwul“ genannt werden – die umlautlose Form von „schwül“, was dasselbe Bild wie „warmer Bruder“ nahelegt. [2] Im Lichte der von den Betroffenen autorisierten Umwertung empfindet der Verfasser des Weblogs die Abkürzung des griechisch-lateinischen Fremdworts für Gleichgeschlechtlichkeit „Homo“ (wie „Studi“ und „Prof“) schon wieder als Schimpfwort. Da heißt es also auf der Hut sein, damit man den Umschwung vom Ehrentitel zum Schimpfwort und umgekehrt nicht verpasst. […] Wenn sprachreformerische Frauen und männliche Sympathisanten allen Kollektivbezeichnungen weibliche Endungen anhängen, bekennen sie sich dazu, dass der Sexus der allerwichtigste Gesichtspunkt ihrer eigenen Urteilsbildung ist: Mitten im Kapitalismus mit seiner abstrakten und gleichmacherischen Unterwerfung der Menschen unter das bürgerliche Gesetzbuch und die Herrschaft des Geldes dreht sich in ihrer Welt alles um den Kampf der Geschlechter: Frau oder Mann – wer ehrt, missachtet, beherrscht wen? Dem Antrag, dass der weiblichen Hälfte der Menschheit immer und überall extra die Ehre der Erwähnung zu erweisen sei, wird stattgegeben. Der Duden, eine neue Bibelübersetzung „in gerechter Sprache“ und noch der letzte CSU-Macho verbeugen sich vor diesem Gesslerhut politischer Korrektheit. […] Naiv oder berechnend, in allen aufgeführten Fällen hat Sprachhygiene den Charakter einer Abwehr unerwünschter Urteile – und zwar ohne dass die, geschweige denn ihre Begründung, überhaupt zur Sprache kämen.“ (ebenda)

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  19. QueerinderProvinz

    Hey bei all den aggressiven Kommentaren erst einmal vielen Dank für deine Energie, die du auf das Lesen und Diskutieren des Buchs verwendest. Habe das Gefühl, dass deine Artikel mir wirklich helfen die ganze Debate zu verstehen, danke dafür!
    Ich habe eine Frage zu deinem Verständnis von Religionsfeindlichkeit in Verbindung mit dem Text „Wie passt mein Glaube in mein Leben?“
    Dort machst du ja die Unterscheidung zwischen Religion/Kirche und Glaube auf. Letzteres sollte für dich Teil der persönlichen/privaten Freiheit jedes Menschen sein, wohingegen die ersten beiden sofern sie diskriminierende Strukturen re_produzieren zu Recht kritisiert werden müssen.
    Nun schreibst du aber in deinem Text, dass die Metapher von queerfeministischen Gruppen als Sekten und Inquisition religionsfeindlich sind. Während ich sagen würde, dass diese Aussage eher berechtigte Forderrungen nach Freiheiten einem Ende von Diskriminierung, etc. als irrational und nicht legitim darstellen, also queerfeindlich sind, verstehe ich deine Kritik in Bezug auf Religionsfeindlichkeit nicht. So stellt doch die Inquisition eine diskriminierende religiöse Institution dar in der individueller Glaube in Ausbeutung, Ermordung usw. überführt wird. Und auch unter Sekten verstehe ich religiöse Gemeinschaften, in denen das Individuum ihre*seine Bedürfnesse vor denen der Gemeinschaft zurückstellen MUSS, neue Menschen nur unter ganz klar geregelten Bedingungen aufgenommen werden etc. Ist der negative Gebrauch (auch wenn der Vergleich mit queerfeministischen Gruppen echt unangebracht ist) dieser Wörter, dann nicht eine Kritik an der Gewaltförmigkeit der religiösen Institutionen und somit gerechtfertigt?
    Und inwieweit ist dann nicht auch eine Kritik an einem politischen Islam als eine bestimmte Auslegung, bestimmte Normen, Hierarchien, etc. (=institutionell/religiöse Auslegung individuellen Glaubens) der komplizenhaft mit Patriachat, etc. zusammenwirkt nicht unterstützenswert(Natürlich solange die Kritik nicht selber rassistisschist 😀 ) ?
    Vielen Dank schon mal für deine Antwort!

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    1. KuchenStattSex Autor

      Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich an einer/mehreren Stellen vielleicht etwas unsauber formuliert habe oder hier Verständnisprobleme vorliegen, oder so. Die Kritik an der christlichen Inquisition ist natürlich keine Religionsfeindlichkeit. ‚Sekte‘ ist ja kein eindeutig definierter Begriff und viele, verschiedene Gruppen fallen darunter. Einige davon die sexistisch, autoritär, etc sind und einige auch nicht.
      Was ist denn der Gegenstand einer ‚Kritik am politischen Islam‘? Wenn es der ganze Islam, als abzulehnende Religion ist, dann ist es eher antimuslimischer Rassismus. Wenn es einzelne politische Institutionen sind, die sich ganz/zum Teil auf eine bestimmte Auslegung von Religionstexten/praktiken/traditionen beziehen/berufen, dann sollte auch dies Gegenstand der Kritik sein.

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