Archiv des Autors: KuchenStattSex

Stonewall-Aktionswoche Köln

Gestern ist die Aktionswoche gestartet, die alternativ zum CSD verläuft mit einer Stonewall-Remember-Demo gestartet. Ich werde über den Lauf der Woche über die Veranstaltungen schreiben, die ich besucht habe.
Ich habe geplant, neben der Demo wo ich gestern war, am 03. und 04. Juli zu den Veranstaltungen zu gehen (Heinz-Jürgen Voß, wo ich am Montag zur Lesung gehen möchte, hat auch eine Kritik zu Beissreflexe geschrieben, die ich hier nochmal verlinken möchte: link). Und am nächsten Woche ist dann natürlich noch der große CSD in Köln.


Stonewall-Demo
Es war schon vorher klar, dass die Demo leider unter relativ schlechtem Wetter leiden würde, aber trotzdem waren nicht wenige Menschen bei der Demo (ich würde schätzen, dass es so ca. 150 Menschen waren). Da es eine Tanzdemo war, wurde mit lauter Musik durch Köln gezogen, nur getanzt wurde wegen des Regens eher weniger, aber die Stimmung war trotzdem nicht schlecht. Viele Flyer wurden verteilt, hin und wieder zeigten sich Anwohner*innen solidarisch, was immer schön war.
Leider gibt es bei solchen Veranstaltungen nicht nur immer gute Dinge, ob dass jetzt das viele Filmen von Nicht-Demonstrierenden (teilweise war das ein Verhalten wie von Zoobesuchenden) oder die Rede bei der Zwischenkundgebung war. Die Rede war nicht total schlecht. Es wurden viele wichtige Forderungen gestellt, aber in der Darstellung von den Stonewall-Riots nicht die Rolle von trans WoC zu benennen, verstärkt halt weiter das Erasen deren bedeutsamen Rolle im Kampf für queer Liberation. Desweiteren sollten sich die Menschen aus der Anarcho-Gruppe, die mitgelaufen sind, echt mal überlegen, wie angebracht der Spruch „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ auf so einer Demo ist…
Zum Abschluss aber noch eine positive Sache: Es gab im Vorraus die Vereinbarung keine Partei-Fahnen, etc zu präsentieren und konsequenterweise musste die linksjugend-Fahne weggelegt werden.


Lesungen von Heinz-Jürgen Voß
Nach den 4 Stunden Lesung(en)+Diskussionen war ich dann doch etwas erschlagen gestern. Aber es waren interessante und gute 4 Stunden. Heinz-Jürgen Voß hat viel erzählt, weitere Literatur empfohlen, immer wieder die eigene Position/den eigenen Text eingeordnet. Zwar wurde mir deutlich, dass ich eine etwas andere Perspektive habe, aber die zielende Richtung die selbe ist. Im Gegensatz zu Beißreflexe, schien hier der Wunsch zu existieren Queerfeministische Positionen weiter zu entwickeln, anstatt das ganze abzureißen.
Der Abend war in zwei Hälften aufgeteilt. Erst ging es um das Buch Queer und (Anti-)Kapitalismus. Oft betonte Heinz-Jürgen Voß, dass es wichtig sei, dass der Kapitalismus als globales System betrachtet wird. Wo werden unsere technischen Geräte produziert, wo kommen die Rohstoffe dafür her? Wer hat die Konzepte/Theorien in Worte gefasst, die wir benutzen? In den meisten Fällen lautet die Antwort nicht ‚globaler Norden‘, ‚weiße cis-hetero abled Männer‘.
Es ging dann weiter mit der Betrachtung von Bewegungsgeschichte (eine Betrachtung von Stonewall und die transfeindlichen Angriffe auf Sylvia Riviera, sowie Ausschlüsse von trans Menschen aus der gay liberation Bewegung nach Stonewall) und aktuellen Problemen vor allem von cis-weiß-schwulen Aktivismus. Dabei wurde auch LSVD und maneo kritisiert.

Im zweiten Teil ging es dann um das Buch Schwule Sichtbarkeit – Schwule Identität: Kritische Perspektive. Zuerst ging Heinz-Jürgen Voß auf die oft zitierte Kritik an den Kiss-Ins 2015 in Berlin ein. Es wurde verdeutlicht, dass es keine Kritik an schwul/lesbischen Kiss-Ins generell ist, sondern dass im Buch viel mehr der Kontext kritisiert wird. Kiss-Ins in den 1970er Jahren waren autonom, anti-staatlich, etc, aber die Kiss-Ins 2015 waren staatlich gefördert und auch in den rassistischen Narrativ der Republik Deutschland eingebunden.

Aber der Punkt, der sich durch den ganzen Abend zog und an den ich auch am meisten weiter denke, ist der Diskurs über ‚Identität‘. Wie haben wir Identität zu denken? Welche Ausschlüsse reproduzieren bestimmte Identitätskonzepte? Welche Vorteile und Nachteile bietet Sichtbarkeit? In wie fern ist Sichtbarkeit auch ein Privileg?
Vor allem mit dem Bezug auf das Konzept von Homosexualität im Westen, beschrieb Heinz-Jürgen Voß die Problematiken die Identitätskonzepte haben. Die kolonialistische, rassistische,… Sozialisierung in Deutschland und im Westen generell haben dazu geführt, dass sich Rassismus, Antisemitismus, usw. auch in den Identitätskonzepten wiederfindet. So zum Beispiel wurde das Konzept von Homosexualität im Westen gegen ‚die Anderen‘ entwickelt. Schon gleichgeschlechtlicher Sex von Männern in Italien war nicht mehr wirklich ‚die wahre Homosexualität‘, noch stärker war die Abgrenzung gegen jeglichen gleichgeschlechtlichen Sex von Männern, die nicht der Dominanzkultur des globalen Nordens ‚angehören‘. Was sich in westlicher Identitätskonzeption also vor allem finden lässt sind Abgrenzungen, die Konstruktion scharfer Grenzen.
Heinz-Jürgen Voß streitet dagegen für ein mehr prozesshaftes Verständnis, dass Identitäten unterschiedlich verstanden werden können, sich verändern, entwickeln, intensivieren, abschwächen, etc. An dieser Stelle entwickeln sich dann auch so langsam meine Ideen, die teilweise mit denen von Voß zusammen gehen, aber manchmal auch noch darüber hinaus, was gestern Abend gesagt wurde.
Diese klare Abgrenzungen vor allem durch dominierende Gruppen führen dazu, dass nur diese sichtbar sind und anerkannt werden. Bestes Beispiel ist die ‚Ehe für alle‘: Das Anliegen von weißen christlich-atheistischen cis-Schwulen wird priorisiert, ist am sichtbarsten, am anerkanntesten. Demgegenüber sind viele andere Gruppen mit anders gelagerten Anliegen unsichtbarer und wenn sie sich eine bestimmte Sichtbarkeit erkämpfen, dann sind sie angreifbarer, sie genießen weniger Schutz.
Sichtbar sein zu können ist ein Privileg.

[Aber: Bei einem Backlash kann/wird diese Sichtbarkeit zu einer Gefahr. Gruppen, von denen faschistische Parteien, etc nicht wissen, dass sie existieren, die keine Sichtbarkeit haben, werden weniger direkt attackiert, als Gruppen, die sichtbar sind. Die Betonung liegt hier auf direkt, den meistens werden sie indirekt dann aber trotzdem attackiert.]

Aber wie gehen wir damit um, dass (1) uns feste Identitäten Schutz bieten, dass (2) sie der Ort sind, von dem aus wir überhaupt Forderungen stellen können? Schließlich gibt es Erfolge, die diese Art der Politik erreicht haben. Auch da möchte ich nochmal die ‚Ehe für alle‘ als Beispiel nehmen, die ein Erfolg auch von Aktivismus ist. Die Öffnung der Ehe hat positive Effekte, wie zum Beispiel Studien aus den USA zeigen. Aber durch eine Politik der Forderung von eigenen Rechten ergeben sich neue Probleme. Anstatt zu versuchen die Herrschaftsebene, von der aus dominierende Gruppen andere diskriminieren, zu zerstören, wird versucht durch Gesetze, etc auch diese Ebene zu erreichen. Aber diese Ebene auf der die Dominanzkultur steht, basiert darauf, dass sie gegen etwas konstruiert ist. Das heißt sie braucht eben etwas, was sie unterdrücken/beherrschen kann um zu existieren. Und das bedeutet, dass jeder Versuch diese Ebene zu erreichen, neue Ausschlüsse produziert. Um auf die ‚Ehe für Alle‘ zurückzukommen: Ähnlich wie die Menschenrechte früher nur Rechte weißer Männer waren, ist die ‚Ehe für Alle‘ vor allem die Privilegierung weiß-bürgerlicher christlich-atheistischer abled cis-Schwuler gegen den Rest der queer community.  Es stabilisiert die Herrschaft der Republik auf Kosten von disabled/asexuellen/trans/etc Menschen.
Deshalb bin ich dafür, dass wir nicht dafür kämpfen sollten auch auf diese Herrschaftsebene zu durchführen. Ich möchte nicht dafür kämpfen, dass ein Gesetz verabschiedet wird, dass ich mein Geschlecht ändern kann, sondern ich möchte eine Befreiung vom cistem. Ich möchte nicht die Öffnung der staatlichen Ehe, sondern die Abschaffung des Staates. Ich möchte nicht faire Löhne oder bedingungsloses Grundeinkommen, sondern das Ende des Kapitalismus.
ABER: Wie erreichen wir diese Utopie? Wie schaffen wir für dieses große Ziel zu kämpfen ohne den tödlichen Alltag zu vergessen? All diese Dinge, die ich eben aufgezählt habe, würden das Überleben von mehr Menschen ermöglichen. Und ich hab keine Ahnung wie ich diesen Widerspruch überwinden kann… Ich weiß nur, dass weder das eine noch das andere ‚der eine wahre Aktivismus ist‘.

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Der Trend der ZEIT? Auf der Beissreflexe-Welle mitreiten

Nachdem ich aufgrund persönlich-gesundheitlicher Dinge aufgehört habe, den letzten Teil über Beissreflexe zu schreiben (teilweise auch aufgrund des immensen Hasses der mir entgegengeschlagen ist, weil ich gewagt hatte das Buch zu kritisieren), melde ich mich mal zurück.

Und was würde dafür besser sein, als dieser Text vom ZeitMagazin
Der Kampf um das Geschlecht Bild 1
Allein schon der Teil unter der Überschrift lässt mich erschaudern. Was ist das für ein ‚Niemandsland‘, welches von mehreren Millionen Menschen (anscheinend schon mindestens 2,5 Millionen, die in Deutschland leben) bewohnt werden. Dieses ‚Niemandsland‘ weist mehr Diversität auf als das ‚bewohnte Land‘. Der Reichtum an Geschlechtern, an Vielfalt, an Menschen, an Lebensgeschichten, an Erfahrungen, etc hat nicht den Begriff ‚Niemandsland‘ verdient. Dieser Begriff wird doch nur gewählt, wenn die Autorin nonbinären Geschlechtern von vorneherein eher ablehnend gegenübersteht. Ich möchte auch gerne nicht aus diesem ‚Niemandsland‘, also meiner Nonbinarität heraus, weil ich mich da wohlfühle, weil ich da ich bin, weil ich ein scheiß darauf gebe so zu sein wie die Binären.
Aber wirklich vom Sockel haut mich ja die folgenden Sätze.

Dabei geht es um Deutungshoheit, Sprachregelungen und um Wahrheit. Gekämpft wird mit erstaunlicher Brutalität, mit Anfeindungen, Vernichtungsfeldzügen und Shitstorms.

Wer verantwortet alles diesen Scheiß? Wir sind die, die die Deutungshoheit haben? Nein, wohl eher nicht, denn ansonsten bräuchte es unseren Aktivismus nicht, dann würden wir nicht Tag für Tag leiden und dann müssten wir nicht Dreck, wie diesen Artikel oder Beissreflexe lesen… Wir sind die mit den Sprachregelungen? Ihr wollt doch euer generisches Maskulinum behalten. Ihr meint die ganze Zeit irgendwelche Leute mitzumeinen, von denen ihr noch nicht einmal wusstet, dass sie existieren. Wir kämpfen um Wahrheit? Ich habe noch nie queerfeminstische Aktivist*innen ‚für die Wahrheit‘ kämpfen sehen, meistens sind wir ganz zufrieden, wenn ihr mal nicht unsere Existenz leugnet. Und für den letzten Satz möchte ich einfach mal Beispiele haben. Wir sind die, die immer und immer wieder ermordet werden, nur weil wir existieren. Wir sind die, deren Bibliotheken nieder gebrannt werden. Wir sind die, deren Partystätten angegriffen werden. Wir sind die, die wir kein Geld für eigene Räume haben. Wir sind die, die aus jeglicher Öffentlichkeit immer und immer wieder zurückgedrängt werden. Nur weil wir vereinzelt davon träumen, die Möglichkeit zu haben mal zurückzuschlagen, uns zu verteidigen, Stonewall wieder aufleben zu lassen, nur weil wir versuchen uns an das Leben zu klammern, sind wir nicht die Gewalttätigen, die Bedrohenden. Wir träumen nur davon uns gegen eure Gewalt irgendwann einmal verteidigen zu können. Zur Hölle mit eurer verdammten Täter-Opfer-Umkehr.

Aber weiter im Artikel:

„Heteronormativ“ […] ist ein Kampfbegriff. „Heteronormativ“ ist ein permanenter Vorwurf an die Welt

Hell yeah, ist Heteronormativ ein Kampfbegriff. Und zur Hölle mit euren verdammten Anführungszeichen. Eure Heteronormativität ist Gewalt, jeden Tag nutzt ihr sie um uns zu verdrängen, ihr nehmt Platz ein dadurch, ihr macht uns unsichtbar. Heteronormativität ist euer Kampfmittel um eure Privilegien zu sichern. Wir callen nur euren shit out.

Sie fassen sich im sperrigen Akronym LGBTIQ zusammen[…] Lange Zeit forderten sie vor allem die Akzeptanz der homosexuellen Liebe. Nun […] hat sich ihr Streben weiterentwickelt: Sie bestehen auf dem Recht, sich gar nicht mehr auf ein Geschlecht festlegen lassen zu müssen.

Sperrig? Nun erst weiterenwickelt? Nicht festlegen lassen? Was zur Hölle? (Ich glaub dieser Satz wird noch öfters vorkommen). Das das Akronym sperrig sei, ist ein ewiger Vorwurf von Queerfeinden, ist also nicht so sinnvoll so zu nutzen, falls ihr den Anspruch habt konstruktive Kritik zu leisten (was aber wohl eher nicht so ist).
Trans Liberation war – by the way – auch schon immer Teil queerer Forderungen/queeren Aktivismus, verschwand nur halt oft hinter Homonormativität. Ausserdem legen sich nicht alle Menschen, die non binär sind, nicht auf ein Geschlecht fest, sind halt einfach eins der tausend anderen.

Erhebliches Aufsehen erregten sie vor allem mit der Toilettenproblematik oder dem bathroom war, wie die Debatte in den USA mittlerweile genannt wird. Dabei geht es – für Einsteiger ins Thema – darum, ob in öffentlichen Gebäuden Toiletten für Menschen vorgehalten werden sollten, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Oder ob man nur noch „Unisex-Klos“ für alle Geschlechter braucht.

Nein, wir „fühlen“ uns nicht weder als Mann noch als Frau. Wir SIND agender, maverique, demigender, genderfluid, etc etc. Und außerdem geht es auch darum, dass binäre trans Menschen die Toiletten nutzen dürfen, auf die sie gehören.

Der Toilettenstreit wirkt bizarr, ist aber Symptom einer weitaus grundsätzlicheren Auseinandersetzung. Wer die Frontlinien abschreitet, merkt: Es geht um die Frage, ob die Zweiteilung in die ewigen Menschheitskategorien Mann und Frau künftig obsolet wird. Aber wer befindet über deren Abschaffung? Die Minderheit, die sich diskriminiert fühlt? Oder die Mehrheit, die darauf beharrt, dass das Schema für die allermeisten Menschen immer noch passt?

Immer wieder diese Kriegsmethaphern…. Was hier auffällt: Es wird immer normaler (nicht nur in Deutschland) zu diskutieren, wie weit Minderheiten unterdrückt werden dürfen. Ist halt auch ein autoritärer Backlash…

Beginnen wir mit der biologischen Grundlage, am besten an der Hochschule Merseburg, in einem Wissenschaftlerbüro

Darauf folgt ein ganz langer Teil über „männliche“ und weibliche Biologie“. Es ist alles extremer, biologistischer Unsinn und ich erspare mir und euch das Stück für Stück durchzugehen. Nur so kurz: Biologie hat nichts mit Geschlecht zu tun. Rein gar nichts. Nie und nimmer.
Darauf folgen ziemlich seltsame Anekdoten, woraus die Lesenden wohl den Schluß ziehen sollen, das „beide“ Seiten (also Queerfeminist*innen und die AFDler Ecke) eigentlich gleich schlimm sind und zu weit gehen. Aber mit auch anderen Anekdoten, auch zu trans Personen, werden gerade auch irgendwie noch einmal als seltsame Freaks abgestempelt.
Darauf folgen Gespräche mit René_Hornstein und Lann Hornscheindt. Natürlich kommt das ganze nicht aus ohne Deadnaming (auch von Chelsea Manning), ekelhaften Narrativen von wegen „als … geboren“ und dem Lustig machen über nicht klassische Pronomen.

Aber weiter im Text:

Damit sind wir endgültig an der Hauptfront des Gender-Gefechts angelangt: dem Kampf um die politisch korrekte Sprache. Man muss dem Deutschen nämlich ziemlich Gewalt antun, um ihm die Zweigeschlechtlichkeit auszutreiben.

Natürlich kommt der Text auch nicht aus ohne ein bisschen PC anzugreifen. Die arme deutsche Sprache soll angeblich keinen Platz haben für non binäre Menschen. Falls das so wäre (was es nicht ist), hätte eins sich ja mal Gedanken machen können, wie das für Menschen ist, ganz unsichtbar zu sein. Aber das alles passiert nicht, denn es ist ja viel einfacher sich über queere Menschen, und deren Bemühungen ihre Existenz in der Öffentlichkeit zu verteidigen, lustig zu machen.

Verzichten wir auf alle Kategorien, weil jedes Schema sich an der vielfältigen Wirklichkeit bricht?

Endlich mal ein Vorschlag, der vielleicht etwas in die richtige Richtung geht (auch wenn die Autorin ihn direkt wieder verwirft). Meiner Meinung, nach gibt es zwar auch andere und bessere Lösungen, aber der Vorschlag wäre ein erster Ansatz.

Und dann natürlich mein persönliches Highlight des Artikels: Der Teil mit Patsy l’Amour laLove…

Aber viele in der Szene könnten nicht ertragen, dass die Menschen nicht so weit sind und vielleicht nie sein werden. „Ihre Reaktion ist dann: Wir müssen mit aller Härte gegen diese Menschen vorgehen.“

Dies ist der zweite Satz, in dem Teil des Artikels, in dem sie vorkommt. Weil Patsy wäre wohl nicht Patsy, wenn sie nicht Queerfeminist*innen attackieren könnte.

Patsy lässt sich ins Deutsche übersetzen mit: „Sündenbock“. Das passt. Nestbeschmutzer, Verräter, fügen viele aus der Gender-Szene hinzu, schicken Drohfotos, kündigen an, Patsy l’Amour laLove die Perücke vom Kopf zu reißen oder ihr die Zähne einzuschlagen. Es ist derselbe Hass, der auch aus Lann Hornscheidts Postfach quillt, nur erreicht er Patsy von der anderen Seite, aus der „queeren“ Szene, wo all die vermeintlich fortschrittlichen Menschen zu Hause sind, die für sich beanspruchen, auf der richtigen, der „guten Seite“ zu stehen.

Offensichtlich hat Patsy in der Autorin auch die richtige Person gefunden um ihren Narrativ weiter zu stricken und zu verfestigen. Natürlich wird die Beissreflexe-Debatte nicht auch aus queerfeministischer Sicht betrachtet, denn das könnte ja zeigen, wie verlogen die Beißreflexe-Clique ist.

die totalitären Züge der Szene, in der jeder fertiggemacht wird, der im Verdacht steht, die reine Lehre nicht zu 100 Prozent zu unterstützen.

100% akkurate Beschreibung des Queerfeminismus, bestimmt ganz ohne Queerfeindlichkeit….
Der Vergleich mit Sekten oder autoritär-religiösen Gruppen ist natürlich auch nicht weit:

In fanatischen christlichen Sekten gibt es Eltern, die ihren Kindern verbieten

Erstaunlicherweise scheint die queere Szene ähnlich besessen vom Thema Geschlechter zu sein, obwohl gerade sie vorgibt, diese Kategorien beenden zu wollen.

Langsam frage ich mich, ob der Artikel hier nicht einfach nur ein zusammengewürfelter Text aus verschiedenen Beißreflexe-Texten ist…

Und der Artikel lässt auch rein gar nichts aus:

Weiße Feministinnen erzählen mir, dass sie als Rassistinnen beschimpft werden, weil sie die Burka für problematisch halten. Heteropaare, die sich in der Öffentlichkeit küssen, gelten als ekelerregend und dominant. Wer darauf hinweist, dass dem WikiLeaks-Gründer Julian Assange zwar Vergewaltigung vorgeworfen wird, er aber bislang nicht verurteilt ist, wird behandelt, als sei er mitschuldig.

Jedes Klische wird hier bestätigt. Selbst Julian Assange wird hier bejammert. Weiße müssen schließlich zusammenhalten…

Und so verschanzt sich die Szene in ihrer Blase, zieht sich in sogenannte Schutzräume zurück, aus denen jeder verwiesen werden kann, der diskriminierender Äußerungen geziehen wird.

Die Ironie, wenn ein Artikel der safe Räume kritisiert gleichzeitig auch ein Grund ist, warum wir mehr solcher Räume bräuchten.
Hey ihr abled weißen dyacisallohet Menschen kommt mal klar darauf, dass nicht alle Räume für euch sind. Ihr seid so überall präsent, wir brauchen auch mal eine Auszeit von euch. Weil ihr seid nicht nur verdammt anstrengend, sondern meistens auch noch gewaltvoll…

„Der Maßstab muss doch das schöne Leben für alle sein“, findet Patsy. „Damit muss man doch locken.“

Genau Patsy, weil du ja das schöne Leben für alle möchtest, außer halt für die Menschen, deren Existenz du in deinem Buch leugnest oder unsichtbar machst/machen lässt.

Unsere Autorin kam in Berlin mit dem Thema Geschlecht schon oft in Berührung, aber vor den ersten Interviews für diese Geschichte musste sie das Vokabular der Gender-Szene wie eine Fremdsprache lernen: nonbinär, Transfrau, heteronormativ. Dann folgte die Lektüre einer knapp 300-seitigen Sammlung der größeren Berichte, die von beiden Seiten der Gender-Front in den vergangenen drei Jahren veröffentlicht wurden. Erst dann hat sich Julia Friedrichs in ein knappes Dutzend Gespräche und Begegnungen gewagt.

Die Namen für Geschlechter nonbinärer Menschen sind keine Fremdsprache! Die Namen euer Unterdrückungsstrukturen sind keine Fremdsprache! Voll mutig von Julia Friedrichs. Da hat sie diese bösen, gewalttätigen Queers getroffen, die einfach nicht Mann oder Frau sind. Voll mutig…

Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 5)

Hier geht es zu den ersten Teilen: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Wie im letzten Text angekündigt, werde ich nun zwei Texte zusammenfassen. Das ist einmal der Text Tuntenfeindlichkeit und Emanziptaionsverbote für Lesben, Schwule, Trans* und Inter? Die Auswirkungen eines „Transradikalen CSD“ auf den Mainzer CSD 2016 und Stonewall hieß Angriff. Zur antiemanzipativen Wende in der Queer Theory. Bei beiden Texte geht es u.a. auch um das Konzept ‚Homonormativität‘.
Benedikt Wolf wirft im zweiten Text den Menschen, welche das Wort ‚Homonormativität‘ benutzen, Spaltung vor (vgl. u.a. S. 140/142). Dies ist typisch für Beissreflexe. Es wird eine – vor allem historisch gesehen – geeinte Queere Szene gesehen, die Queerfeminist*innen gespalten hätten. Dabei wird beflissentlich übersehen, dass es nie eine dermaßen geeinte queere Szene gab. Disabled Queers wurden von abled Queers ausgeschlossen, queere PoC von weißen Queers, trans People durch cis queers, Sexworker*innen durch bürgerliche, etc etc. Vor allem im Mittelpunkt von ‚queerer‘ Bürgerrechtsbewegung waren cis-weiß-schwule Aktivisten. Es war nie ein gemeinsamer Kampf. Im Bericht zum CSD 2016 in Mainz wird berichtet, wie Aktivist*innen Strukturen offen und forsch (vielleicht auch aggressiv) kritisiert/angegriffen haben. Der Autor fordert im Text, dass sich die Aktivist*innen sich mit den etablierten Menschen in dem Organisationsteam des CSD in Verbindung hätten setzen sollen (vgl. S. 134). Dies finde wahrscheinlich nicht nur ich unangebracht (freundlich ausgedrückt).
Wie oben beschrieben gibt es eine gewisse Geschichte der Ausgrenzung von mehrfach marginalisierten Menschen innerhalb queerer Gruppen und Bewegungen. Dabei ist dann auch das Wort ‚Homornormativität‘ entstanden. In Beissreflexe wird zwar behauptet, dass der Begriff 2002 von Dugan eingeführt wurden ist (vgl. 141), was aber so nicht ganz richtig ist. Wer sich nur einmal etwas weiter mit dem Begriff ‚Homonormativität‘ beschäftigt und sich zum Beispiel den Wikipedia-Artikel anguckt, di*er stößt auf einen Artikel von Susan Stryker. Transgender History, Homonormativity, and Disciplinarity wurde 2008 in der Radical History Review veröffentlicht (zugegeben ist es nicht einfach auf den Artikel zuzugreifen). Dort schreibt Susan Stryker u.a. davon, dass sie den Begriff schon ca. 15 Jahre zuvor gehört und benutzt hat (Radical History Review, S. 145). So viel also zu der guten Recherche, die das Neue Deutschland in Beissreflexe sieht (Wer nicht weiß, worauf ich mich beziehe, kann sich die unsägliche, ekelhafte Rezension durchlesen, auf die ich mich beziehe: Link).
Wenn also behauptet wird, dass die Bennenung von Homonormativität zur Spaltung benutzt werden würde, der redet transfeindlichen Unsinn. Die Spaltung fand schon vorher statt. Die Spaltung fand/findet statt, wenn trans als eigenes Geschlecht/sexuelle Orientierung konstruiert wurde. Daraus folgen dann die ganzen bekannten Umfrage, die bei Geschlecht nach männlich, weiblich oder transgender fragen oder bei sexueller Orientierung nach hetero, homo oder transgender fragen. Die Spaltung fand statt als sich weiße, cis Schwule in den Mittelpunkt stellten. Die Spaltung fand statt als es weiße, cis Schwule wichtiger fanden ihre Ziele durchzusetzen, egal ob dies weitere Unterdrückung für andere queere Menschen bedeuten würde.
Das Wort Hormonormativität ist wichtig um toxische Strukturen innerhalb queerer Gruppen zu benennen. Es geht dabei mehr um innere Herrschaftsverhältnisse, als von außen. Es könnte schon fast als Sprechverbot bezeichnet werden, wie bestimmte, privilegiertere Gruppen versuchen andereren queeren Gruppen zu verbieten, über Herrschaftsstrukturen innerhalb der Szene zu sprechen. [Ich möchte noch diesen Artikel empfehlen zum Thema Hormonormativität. Jedoch vorher ein wichtiger Hinweis: Der letzte Abschnitt zu Homonationalism in Israel ist antisemitisch: Link]
Im Text Tuntenfeindlichkeit und Emanziptaionsverbote für Lesben, Schwule, Trans* und Inter? Die Auswirkungen eins“Transradikalen CSD auf den Mainzer CSD 2016 wird davon berichtet, dass gefordert wurde, dass eine Gruppe gefordert hatte, dass auf dem CSD keine Männer mehr sein sollten, die „sich schminken und Frauenkleider anziehen“ (S. 135). Diese Forderung lehnt der Autor vehement ab. Während natürlich das brechen von gender norms zu begrüßen ist und auch Leute sich ganz nach ihrem Geschmack kleiden sollen können, geht es bei derartigen Forderungen nicht darum dieses zu verbieten. Es geht darum Transmisogynie zu kritisieren. Es ist eine historische Tatsache, dass Männer zum Witz sich als Frauen verkleiden. Diese transmisogyne Tradition verstärkt den Narrativ, dass trans Frauen, nur Männer in Frauenkleidern seien und ist deshalb abzulehnen, wie es vielleicht auch die Grupe auf dem CSD gefordert hat. Leider war es nicht möglich eine Mitschrift der Rede aufzutreiben und Beissreflexe hat mit den bisherigen einseitigen und teilweise falschen Darstellungen nicht für Vertrauen gesorgt, dass diesem Bericht unüberprüft geglaubt werden kann. [Hier ist noch ein Artikel zum transmisogynen Verkleiden von Männern als Frauen: Link 1 (CW: benutzt leider -phobic; Link 2]

Als nächstes kommt der Text: „Antiimperialistischer Egalitarismus“. Akademisch-aktivivistischer Beifall für globale Frauenverachtung von Vojin Saša Vukadinović. Dieser Text würde, wenn in aller Einzelheit besprochen, so ziemlich jeden queerfeindlichen Narrativ aufweisen, der sich auch irgendwo an anderer Stelle im Buch findenn lässt. Anhand an Beispielen von problematischen Ereignissen innerhalb ‚der‘ queeren Szene, wird der ganzen queeren Szene allerhand Dinge attestiert, u.a. Rassismus, Antisemitismus, etc. Ich habe aber weder Zeit, Lust noch Kraft einen so offensichtlich aus reinem Hass aufgebauten Artikel, der nur dazu da ist, Leuten möglichst viele Gründe, zusammen mit einem eingängigen ‚Argumentation’sgang, zu geben, damit diese ihre Queerfeindichkeit entschuldigen und rechtferitgen können.

In dem Text Die schwule Gefahr. Von einem queeren Buch gegen homosexuelle Sichtbarkeit rezensiert Patsy L’Amour Lalove das Buch Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität von Zülfukar Çetin und Heinz-Jürgen Voß.
Wenn nur dem Text geglaubt wird, dann ist das Buch „gegen die Homosexualität an un für sich“ (S. 160). Da ich das Buch leider nicht gelesen habe, kann ich nur auf die Dinge vertrauen , die mir vorliegen. Das ist einmal das Buch Beissreflexe, dem ich ganz und gar nicht vertraue. Deshalb habe ich auch nach ein paar andereren Rezensionen gesucht, und u.a. die von queer.de gefunden: Warum schwule Sichtbarkeit nicht grundsätzlich gut ist, und diese Linksammlung: Rezensionen des Buchs „Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“. Nachdem ich mir diese Rezensionen durchgelesen habe, wurde sichtbar, dass der Text von Patsy L’Amour Lalve mindestens tendenziös ist. Denn nicht nur scheint der Verriß des Buches auf sehr unterschiedichen meinungen zu asieren, sondern es exisitiert auch ein Streit um die Situtation eines Projekts weißer Schwule, sowie eine Vorgeschichte um Kritik an der von Patsy L’Amour Lalove gehosteten Veranstaltung Polymorphia (hier der Link zur Kritik). Es gab Kritik an einem ‚Comedy‘-Beitrag einer Person, namens ‚Geschichtslehrerin‘, der ncht abgebrochen wurde, obwohl es im Beitrag zu „Geschichtsklitterung“ gekommen und „ernsthaft[e] […] Erinnerungsarbeit“ lächerlich gemacht wurden sein soll.
Bei dem oben angesprochenen Projekt handelt es sich um Maneo, dem aus verschiedenen Richtungen Rassismus vorgeworfen wird. Die Kritik an der Rezension, die in Beissreflexe veröffentlicht ist, meint, dass die Rezension aufgrund der obigen Konflikte vorbelastet sei. Im Kontext mit dem Rest des Buches, denke ich aber, dass auch ohne die anderen Konfliktpunkte, die Rezension so ausgefallen sei. in der queer.de-Rezension steht, dass das Buch „der Entstehungsgeschichte des Konzepts ‚Homosexualität‘ nachgegangen sind und wie […] es mit Rassismus und deutschen Kolonialismus verbunden ist“. Hier sehen wir einen Grund, warum so heftige Kritik aus den Reihen der Beissreflexe-Fans kommt: Jegliche Kritik an schwulem Aktivismus, vor allem an dem von weißen, cis Schwulen, wird sofort als schwulenfeindlich bezeichnet. Es könnte natürlich als Beissreflex bezeichnet werden, dass dies bei jeder Kritik kommt. Es könnte als autoritäre Sehnsucht verstanden werden, wenn diese Leute versuchen jegliche Kritik zu verhindern. Es könnte als Sprechverbot bezeichnet werden, wie in Büchern und Zeitungsartikeln Leuten verboten werden soll, Kritik an schwulen Aktivismus zu üben. Aber das wird es natürlich nicht…
Anstatt also wichtige Kritik anzunehmen, wird sie pauschal abglehent. Wer also noch einmal andere Darstellungen/Rezensionen lesen will, die nicht nur dazu da sind, die eigene Ideologie zu begründen und zu verstärken, sein die beiden Links oben empfohlen.

Der letzte Text des Kapitels heißt Transition als Projektmanagement. Versuch einer Annäherung. Der Text von Julia Jopp weckt gleich am Anfang mein Interesse:

Poststrukturalistisch beeinflusste Theoriebildung scheint dem Gegenstand Trans stets mit einer gewissen Ambivalenz zu begegnenen.

Aber nur eine kurze Zeit später ist jegliches Interesse verflogen, dann anscheinend wird am Anfang trans nur als binäre Möglichkeit verstanden (vgl. S. 174). Und bis zum Ende des kurzen Text hat mich der Text dann auch komplett von seiner Ekelhaftigkeit überzeugt.
Der Narrativ von einem „Wechsel der Geschlechtsidentität“ (Seite 175) ist transfeindlich.
Was bitte soll dieser Scheiß Coming-in und Coming-Out als Projekt zu bezeichnen (vgl. S. 176). Und nein, dann gibt es auch keinen Projekterfolg (vgl. S. 176). Und schon gar nicht ist es DER Projekterfolg ein erfolgreiches passing zu haben. Das funktioniert schon gar nicht bei non binären Menschen, aber diese werden von der Autorin ja permanent vergessen. Es gibt nicht wenige Menschen, die eben kein Passing haben wollen, ich bin zufällig eine dieser Personen.
Nachtrag:
Da es teilweise zu Unklarheiten bezüglich meiner Kritik an dem Text kam, folgt ein kleiner Nachtrag, eine Erweiterung. Ähnlich, wie die Autorin lehne ich einenen Narrativ von transitioning als Projekt ab. Kein Mensch sollte gezwungen sein ‚Milestones‘ abzuarbeiten. Es sollte jede trans Personen die Freiheit haben auf einem ganz persönlichen und eigenen Weg zu entdecken und herauszufinden ob, wie, wann, wo sie transition will. In diesem Punkt scheinen die Autorin und ich eine ähnliche Meinung zu vertreten, auch wenn das latente ausklammern von non binären Leuten absolut nicht geht. Wenn es also vor allem darum gehen würde, dass dieses theoretische Konzet von transitionig als Projektmanagement kritisiert und angegriffen werden soll, wäre dies der erste Text von Beissreflexe, dem ich einigermaßen zustimmen könnte, zumindest in den Grundaussagen. Jedoch verordnet der Text leider das Konzept in der „poststrukturalistisch beeinflusste[n] Theroiebildung“ (vgl. S. 174), was also eigentlich gemeint ist, sind die queerfeministischen Gruppen und Menschen, die im ganzen Buch angegriffen werden. Und somit reiht sich der Text nahtlos in die anderen Texten ein, wenn eins die falschen Darstellung von queerfeministischen Gruppen untersuchen würde. In der queerfeminstischen Szene kann eins die ganze Zeit auf die immer gleiche Wiederholungen stoßen, dass es kaum zwei gleiche Transitioninggeschichten gibt. Es gibt nicht das eine Alter, nicht die eine Reihenfolge, nicht die die eine Anzahl an Schritten, nicht die eine zeitliche Dauer, nicht den einen irgendwas… Und nicht nur wird der Narrativ von des persönlichen und eigenen transitionig verstärkt, wiederholt und verteidigt, sondern die Kritik richtet sich zur Zeit sogar schon so, dass gerkannt wurde, dass es trotz des Narrativs, doch zu viele normative transitioning-Geschichten, zu viele gleiche Coming-In- Erzählungen gibt.
Und deshalb stört es mich etrem, wenn das Buch und auch dieser Text sooft eine hmogene queere Szene imagini under irgendwelche Eigenschaften und Dinge zuschreibt, die so komplett falsch sind, wodurch ein queerfeindlicher Narrativ geschaffen wird. Dinge, die wir schon lange (vielleicht nur in kleineren Teilen, vielleich auch im Großteil) der queeren Szene längst kritisiert haben und am abschaffen sind.
Ich finde es ekelhaft Menschen in die eigene Transition hineinzureden, wie sie zu passieren hat, welche Gefühle eins haben muss und vor allem, dass der Wunsch nach einem gewissen Passing, den vielleicht manche Leute haben, kritisiert wird als wenig hilfrei bis schädlich. Ich verstehe nicht, warum es mein Glück (vgl. S. 178) sein soll, wenn ich auf der Straße wegen meines offensichtlichen Nicht-Passing angegriffen werde. Der Wunsch nach Passing ist so verständlich, dass ich seine pauschalisierte Ablehnung durh die Autorin als ekelhaft empfinde. Ich werde meine Transition nicht den Wünschen der Autorin anpassen, nur damit diese ihre Adorno-Zitate benutzen kann (vgl. S. 175) Ich werde meinen Weg so finden und gehen, wie es mir am besten passt und nicht, wie die Autorin es von mir fordert.
Nachtrag-Ende
Alles in allem strotzt dieser Text nur so vor Fehlern in der Darstellung der queerfem-Szene (allein schon der Gedanke, der EINEN Queerfem-Szene ist schon grundsätzlich falsch, aber diesenr Narrativ wird schließlich vom ganzen Buch produziert und verstärkt, um die eigene queerfeindliche Meinung zu begründen) und erinnert mich an die typische Unwssenheit von cis Personen, die sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Der Großteil des Buches ist nun besprochen, die nächsten Kapitel werde ich nun versuchen wieder teilweise zusammenzufassen, denn ich möchte diese Reihe auch jetzt nicht zu lange weiterführen, sondern zu einem ordentlichen Ende bringen.

Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 4)

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Das Problem einer Kritik an ‚Beissreflexe‘ besteht aus mindestens zwei Dingen. Zum einen ist das Buch so angelegt, dass jede Kritik von queerfeministischen Gruppen oder von Menschen, die sich als queerfeminisitisch verstehen, sofort als ‚Beissreflex‘ abgetan werden kann. Zum anderen wird in diesem Buch jedes Konzept, jede Theorie, die queerfeministischen Gruppen zugeordnet wird, so verdreht und verfälscht, dass in einer Kritik erstmal jedes Konzept wieder richtig- und dessen Geschichte dargestellt werden müssen um dann die falschen Schlussfolgerungen von den Autor*innen von ‚Beissreflexe‘ kritisieren zu können.
Deshalb werde ich auch zwei Texte, aus einem Kapitel, dass heute dran ist, nicht oder nur kaum besprechen. In beiden Texten geht es um Cultural Appropriation und Critical Whiteness. Ich werde mich nicht auf die Diffamierungen und Falschdarstellungen der beiden Texte einlassen, sondern jedem Mitlesenden sei ans Herz gelegt sich anderswo zu informieren um ein differenzierteres Bild zu bekommen, welches nicht von purer Ablehnung geprägt ist. Zum Beispiel ist dieser taz-Artikel zu empfehlen: Dreiste Umkehrung.

Aber nun zum ersten Kapitel. Es heißt ‚Schmutzräume und Trigger‘. Ich möchte (erstmal kommentarlos) die Einleitung zu dem Kapitel zitieren, die sich im Vorwort befindet:

Im zweiten Bereich Schmutzräume und Trigger übt Doloris Pralina Orgasma eine unsolidarische Kritik an den lustfeindlichen Awareness-patrouillen in sogenannten Schutzräumen, die in den Augen der Polit-Tunte endlich Schmutzräume werden sollte. Till Randolf Amelung ruft dazu auf, sexuelle Gewalt nicht durch ein zum Aktionismus verkürztes Verständnis von Trigger zu relativieren, nur um damit inquisitorische Verfolgungen von der Gewalt bezichtigten Personen rechtfertigen zu können.

Die Arroganz der Autorin findet sich schon ganz am Anfang des Textes. Ganz plump wird gefordert, dass Safespaces ein Ort, gekennzeichnet durch die „tatsächliche Awesenheit flirtender Homosexuelle[r], durchgeknallten Tunten, geilem Sex“(Seite 84) sein sollen. Anstatt also zu versuchen einen Ort zu schaffen, der für möglichst viele Menschen ein sicherer Ort sein kann, vor der ständigen Begegnung mit Diskriminierung, wird hier ein exklusiver Raum gefordert, der viele andere Menschen ausschließen würde. [Ganz bewusst möchte ich aber betonen, dass aber natürlich auch gerne Raum geschaffen werden sollte, damit es Orte gibt, wie die Autorin sie sich wünscht. Es ist nur kein allgemeiner Schutzraum]
Aber das eigentliche Anliegen des Textes scheint auch vielmehr eine Abschaffung von Schutzräumen zu sein, als ihre Verbesserung. Die Grundaussage scheint dabei zu sein, je mehr Sex desto besser. Dabei scheint jegliches Verständnis von Sex als Konsenshandlung zu fehlenn, denn in Schutzräumen, wo jede*r Mensch auch vor sexuellen Übergriffen geschützt sein soll geht nach Meinung der Autorin „die Kraft, die dem Sexuellen ganz grundlegend zu eigen ist: das Streben nach dem sexuellen Glück, die sexuelle Neugierde, das Triumphale und Hingebende, der Reiz am Unkalkulieraren und am Risiko sowie die lustvolle Bejahung sexueller Geilheit“ (Seite 87) verloren. Yes means Yes wird im Text zu „sexualfeindlichen Tendenzen“ (Seite 88), „feindseligen und misstrauischen Sicherheitskonzepten“ (Seite 88) und fehlender Sensiblität in zwischenmenschlichen Beziehungen (vgl. Seite 87) verdreht.

Der zweite Text des Artikels ist von Till Randolf Amelung.
Kurz zusammengefasst: Entschuldigung von Transfeindlichkeit, male entitlement, male entitlement, male entitlement.
Ja, ich weiß, dass ich mich gerade wiederholt habe, aber der ganze Text ist so arrogant. In einem durch splaint der Autor Betroffenen die Welt, wie und wann sie Therapie zu haben machen, inwieweit sie sich in diesem Kontext politisch zu äußern haben, dass keiner seine Texte ignorieren darf,…
Auf seine Forderung, zu einer unpolitischen Gesellschaftswissenschaft zurückzukehren, möchte ich nicht eingehen. Denn dies würde heißen zu einer rassistischen, transfeindlichen, ableistischen, etc Gesellschaftswissenschaft zurückzukehren und ich bin froh, dass es wenigstens die kleinen Momente gibt, in denen diese Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Gesellschaftwissenschaften angegriffen werden.
Alles in allem rate ich jedem Menschen, sich diesen oder einen (mehr ist wirklich unnötig) ähnlichen Text von Amelung durchzulesen, damit alle um die oben kritisierten Dinge Bescheid wissen und ihn und seine Vorträge u.a. zur Abschaffung des Konzeptes der Definitionsmacht und zur Rückkehr zu der Bevormundung von Betroffenen meiden können, wenn sie wollen. Sehr froh bin ich darüber, dass in Marburg anscheinend die Entscheidung getroffen wurde Amelung wieder auszuladen. Dies macht es mit Sicherheit zu einem sichereren Ort für queere Personen.

Das dritte Kapitel heißt Privilegiencheck. Hier befinden sich die beiden Texte, die ich wie oben angesprochen ausklammern werde. Auf diese Ebene der Diffamierungen und Verharmlosung durch Gleichsetzung mit Ethnopluralismus werde ich mich nicht einlassen.
Der erste Text ist von Leo Fischer. Normalerweise ist mir meine Zeit zu schade um mir irgendwelche Texte über die Ablehnung des Privilegienkonzepts von mehrfach privilegierten Menschen durchzulesen, aber hier mache ich eine Ausnahme.
Leo Fischer scheint am Anfang argumentieren zu wollen,dass nach der Abschaffung von Rassismus und Sexismus immer noch Kapitalimus existieren würde (vgl S. 106). Auf diese Weise drängt sich eine Lesart auf, dass es nur den Kapitalismus als Hauptwiderspruch oder viel mehr als vor allem zu bekämfende Unterdrückung und Ausbeutung zu sehen gilt.
Aber ich möchte noch andere Dinge kritisieren.
Leo Fischer sieht als das eigentliche Problem die Macht an sich (S. 106). Ich dachte zwar eigentlich, dass nach Foucault klar sei, dass Macht nicht etwas an sich negatives ist, sondern die ungleiche Verteilung, beispielsweise die Unterdrückung, die sich auf bestimmten Machtverhältnissen gründen.
Weiter gelesen dreht es ich aber noch viel mehr um das Verständnis von Privilegien, als um den Machtbegriff. Fischer kritisiert, dass der gesellschaftliche Fortschritt bedroht wäre, wenn die Prviliegien der unterdrückenden Gruppen abgeschafft werden würden (vgl. S. 107). Dabei ginoriert er vollkommen, dass die Privilegen entstanden sind aus der Unterdrückung, die auf Basis nicht bekämpfter ungleicher Machtverteilung entstanden sind. Die Privlegien brauchen also Gruppen, die sich unterrücken lassen. Die Forderung nach Privilegien für alle verschwindet als einfach, denn das schöne Leben für alle kann nur stattfinden, wenn die Unterdrückung und dadurch entstandenenen Privlegien abgeschafft sind. Es geht nicht um schuldig sein, sondern es geht darum verantwortungsbewusst zu sein.
Infolge seines verkürzten Priviliegienverständnis findet sich auch eine Kritik am Begriff ‚Homonormativität‘ und der Kritik der Schwulenbewegung (gemeint ist die cis-weiße Schwulenbewegung). Fischer verteidigt, deren Erfolgen und beschwert sich, dass sich diese entschuldigen müssten (vgl S. 108). Das basiert auf dem verdrehten Konzept von Privilegien und Intersetkionlität, das sich im ganzen Buch findet. Dabei geht es vielmehr darum, dass sich bestimmte Gruppen eine bessere gesellschaftliche Stellung dadurch erkauft haben, dass andere weiter maginalisiert und diskriminiert bleiben. Es geht darum, dass bestimmte Gruppen innerhalb von Emanzpitantionskämpfen immer im Mittelpunkt stehen und dort auch nicht andere gleichberechtigt neben sich haben wollen. Es geht darum, dass der Spruch ‚Wir sind erst wirklich frei, wenn alle frei sind‘ nur für manche Gruppen nur solange galt, wie sie selber einen großen Teil gesellschaftlicher Macht erkämpft hatten. Homonormativität funktioniert im Kontext hetero – homo, aber umso mehr im queeren Kontext.
Ganz am Ende wird dann natürlich nochmal Adorno zititert, dann kommt der Text noch einmal viel besser in der eigenen Bubble an. Und würde Leo Fischer seine Maßstäbe mal an andere Gruppen anlegen, was die Kritik am Antisemitismus angeht, dann müsste er auch die gesammte Linke pauschal ablehnen. Denn wir finden überall Antisemitismus, diesen gilt es zu kritisieren und zu bekämfen. Aber nur weil einige Linke antisemitisch sind, ist nicht die gesamte Linke antisemitisch. Genauso ist es im Queerfeminismus, es gibt antisemitische Gruppen und Menschen, aber den gesamten Queerfeminismus Antisemitismus anzudichten ist queerfeindlich.
[Fast schon nebenbei geht es auch um die Begriffe Mensch(lichkeit) und Vernunft, da ich mich hier relativ kurz fassen möchte, in ich darauf nicht eingegangen. Ich werde das aber wohl ausserhalb der Reihe einmal allgemeiner nachholen, vielleicht dann auch mit Rückbezug auf diesen Text.]

Zwar gehört zu dem Kapitel noch ein Text über den transradikalen CSD Mainz, den möchte ich aber mit in Teil 5 hineinnehmen um ihn themantisch mit einem anderen Text zusammenzubringen.

Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 3)

Hier geht es zu Teil 1.
Hier gehts es zu Teil 2.

Ein wenig später als geplant, dafür auch kürzer als letztes mal. Ich werde hoffentlich jetzt in kürzeren Abständen weiterkommen. Dies ist nun der erste Teil zu einem richtigen Kapitel.

Zum Kapitel ‚Betroffenheit‘:
Im Vorwort wird gesagt, dass es hier um den „schlechten Umgang“ des „Betroffenheitsfeminismus“ (beide Seite 11) mit Konflikten geht.

Das Kapitel startet mit einem Bericht über die „Inquisition auf dem e*camp 2013“ (Seite 46) [Ich sagte ja schon, dass die Religionsvergleiche sehr strapaziert werden]
Dieser Vorfall ist mir leider/zum Glück unbekannt, ich war nicht dabei, ich habe vor der Beissreflexe-Lektüre nichts darüber gelesen. Es gibt nur den Erfahrungsbericht aus dem Buch. Ich habe das Buch zwar vor allem auch verstanden, als Kritik daran erst betroffene Personen zu Wort kommen zu lassen, diese ihre persönliche Sichtweise erzählen zu lassen, denn „aktueller queerer Aktivismus […] konzentriert sich auf Verletzungen“ (Seite 16) und in dem Erfahrungsbericht geht es um Verletzungen, die der*die Autor*in erlebt hat. In der Einleitung stand, dass es die einzige wichtige Frage queeren Aktivismuses sei „wer als reaktionär abzulehnen [ist]“ (Seite 9) und doch scheint der Erfahrungsbericht nur darauf abzuzielen die organsierende Gruppen und Menschen „als reaktionär abzulehnen“.
Im Text erzählt eine Person, dass sie von einem queeren Event gemobbt wurde. Am Ende des Berichts erzählt der*die Autor*in, dass die Orga-Gruppe auch Fehler eingestanden hätte. Weiter gibt es wohl zu diesem ersten Text nicht zu sagen, außer dass hier mal wieder nur eine Teilerzählung aus einer Perspektive vorliegt. Kommentare des*der Autor*in über eigenes Verhalten („Ich täusche einen Heulkrampf vor“ (Seite 49); übergriffiges Verhalten (Seite 50)), sowie der Hinweis auf eine Vorgeschichte von vor dem e*camp (Seite 51) scheinen auf eine unvolständige und einseitige Darstellung der Vorfälle hinzuweisen.

Als nächstes kommt der Text ‚Treffpunkt im Unendlichen – Das Problem mit der Identität“ von Koschka Linkerhand. Andere Texte hätte ich mich schon nach den ersten Sätzen geweigert weiter zu lesen, aber bei diesem habe ich eine Ausnahme gemacht. Denn schon am Anfang wird unterschieden zwischen den „alten Selbstbezeichnungen“ lesbisch und schwul (Seite 52) zusammen mit den „zumindest begrifflich etablierten Bisexuellen“ (Seite 52) [Bitte was wird hier angedeutet und impliziert?!?] und den „Geschlechtsidentifizierungen trans*, inter und agender, neuere Selbstbezeichnungen, wie pan- und asexuell“ (Seite 52). Das hier eine Unterscheidung getroffen zu werden scheint, zwischen legitimen (schwulen und lesbischen), ziemlich legitimen (bi) und vielleicht-nicht-wirklich-so legitimen Identitäten ist ekelhaft und queerfeindlich.
Nachdem sich Koschka Linkerhand diesen queerfeindlichen, altbekannten Hut aufzusetzen scheint, wird sich dagegen ausgesprochen transfeindliche und queer-exkludierende Personen auszuschließen (Seite 53).
[Das Koschka Linkerhand auf Seite 54 davon schreibt, dass die Queerbewegung erst 1980 beginnt und nicht, wie ich behaupten würde, spätestens mit den Stonewall-Riots von 1969 ist eine Diskussion, die ich nicht an dieser Stelle führen möchte.]
Es geht weiter mit dem Vorwurf das entgendern der Sprache (also zum Beispiel * und _) patriarchal wäre, wie das generische Maskulinum, da es die gleiche Geschlechtsblindheit“ (Seite 56). Nicht nur ist der Vergleich ableistisch, sondern ‚übersieht‘ vollkommen, dass das generische Maskulinum nur ein Geschlecht betont, den Mann. Eine entgenderte Sprache schafft hingegen Platz für alle. Koschka Linkerhands Plädoyer für ein Binnen-I ist direkt non-binär-feindlich.
Der ganze Text scheint sich vor allem darum zu drehen, dem Queerfeminismus Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen, weil dieser sich nicht nur auf cis Frauen beziehen würde.
Natürlich darf dann auch nicht fehlen dem Queerfeminismus Theoriefeindlichkeit vorzuwerfen (S. 57) und der polyfeindlichen Aussage, dass Monogamie „die lebbarste und befriedigendste Möglichkeit der Liebesbindung“ sei (S. 57).

‚Bringt euch in Sicherheit! – Wenn der Alltag zum Schutzraum wird“ von Jakob Hayner ist ein Text, der ursprünglich in der Jungle World. Hier geht es wieder um einen ‚Vorfall‘. Diesmal um einen ‚Vorfall‘ bei einem Seminar von Lann Hornscheidt im Sommersemester 2015.
Im Text wird das Konzept von Safe Spaces kritisiert, u.a. mit dem ‚Argument‘, dass die ‚reale Welt‘ auch nicht sicher sei und Safe Spaces also kontraproduktiv und sowieso ein absolut sicherer Safe Space praktisch unmöglich ist. Dieses Argument wurde schon von anderen Leuten besprochen und muss jetzt nicht hier zum abertausendsten Mal wiederholt werden.
Eine Sachen möchte ich aber zu dem Text anmerken: Erstens kommt in dem Text die Aussage vor, dass ein Transschutzraum nicht auch unbedingt ein Schutzraum vor Rassismus für alle PoC sein muss. Ein Transschutzraum, in dem Rassismus erlaubt ist, ist kein Transschutzraum und jede PoC darf bei Rassismus intervenieren, auch wenn dies eine cis PoC ist.
Ach ja: Antidiskriminierungsarbeit bringt Geistes- und Gesellschaftswissenschaften nicht „um den Verstand“ (S. 62). Wenn weiße Räume ohne ihre Privilegien zusammenfallen, dann ist das vielleicht ganz gut so.

‚Die betroffenheitsfeministische Dynamik – Zu Abwehrmechanismen in feministischen Gruppen‘ von Caroline A. Sosat ist der letzte Text diese Kapitels.
Zu diesem Text kann ich mich leider/zum Glück nur kurz äußern, denn er bezieht sich auf Konzepte von denen ich keine Ahnung habe. Ich habe und hatte nie Lust mich mit Freud auseinanderzusetzen. Ich kann nur beurteilen, dass der Text transfeindlich ist (u.a. Vater hat einen Phallus) und sehr normativ (u.a. Familie aus Vater, Mutter, Kind).
Nur zu einem Punkt noch: Die Autorin dichtet queerfeministischen Gruppen Allmachtfantasien an, wenn diese Betroffen Definitionsmacht übertragen. Hier ist ein Narrativ erkennbar, der sich bis jetzt durch das ganze Buch zieht. Die Macht privilegierter Gruppen wird in den meisten Fällen nicht kritisiert, aber sobald Machtverhältnisse umgekehrt werden; nicht mehr die privilegierten Menschen entscheiden, wer zur Gruppe gehört; nicht mehr die Sprache der privilegierten Gruppen benutzt wird und neben dem Narrativ der Privilegierten auch andere Narrative gleichberechtigt gestellt werden, dann sind dies Allmachtfantasien, reaktionäre Ideologien, etc.

 

Hier geht es weiter zu Kritik an ‘Beissreflexe’ (Teil 4).

Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 2)

Weil das Buch so fesselnd¹ und spannend² war, bin ich mit dem Lesen zügiger als befüchtet.
¹belastend
²queerfeindlich

Zuerst mal zu ein paar ‚Rückmeldungen‘ (Patsy L’Amour Lalove würde sowas wohl als Beissreflexe bezeichnen, aber da es keine Rückmeldungen aus der im Buch kritisierten Szene war, sind es wohl ganz normale Reaktionen).
1) Nein ich hab schon weiter gelesen als nur „Titel und Einband“.
2) Ja, „Kraft weg“ war so, weil es halt verdammt kraftkostend ist, sich mit Queerfeindlichkeit (+Ableismus, +antimuslimischen Rassismus, +Religionsfeindlichkeit) auseinanderzusetzen.
Nun aber weiter zum Buch. Es sind ungefähr 30 Seiten über die ich hier
heute schreiben möchte und ich habe keine Ahnung, wie alles was ich dazu sagen möchte in einen nicht allzu überlangen Text hineinpassen soll.

Anstatt das Vorwort und die Einleitung also von vorne nach hinten durchzuarbeiten, möchte ich ein wenig sortiert arbeiten.
Zuallerst also kleinere Fragestellungen (bei denen kann es sein, dass sie weiter hinten im Buch noch beantwortet werden oder wie vieles zurzeit einfach als Behauptungen in einen luftleeren Raum gestellt werden).
a)Patsy L’Amour Lalove schreibt immer wieder davon, dass queer wieder persvers gemacht werden soll (u.a. S. 11). Aber wieso sollen alle queeren Leute sich selbst als pervers bezeichnen, vor allem wenn die Mehrheitsgesellschaft dies schon tut um uns zu unterdrücken? Kann nicht jede*r selber entscheiden ob si*er sich pervers nennen möchte oder nicht?
b)Der bisherige Fokus liegt vor allem auf Homosexualität, schwul/lesbisch sein, etc, zwar werden hin und wieder auch das Wort trans genutzt (wobei es für mich eher so als „naja müssen wir halt auch nennen“ rüberkommt), aber wo sind bi, pan, ace, etc Personen? Wo sind inter Personen? Bisher scheint es mir, als ob es in dem Buch nur um einen konstruierten Kampf zwischen lesbisch/schwulen gegen trans Personen geht. Wobei halt schon allein die Unterscheidung zwischen schwulen/lesbischen und trans Personen falsch und transfeindlich ist.
c)Im Buch wird die Metapher von queerfem. Gruppen als inquistorische oder sektenhafte Religion echt überstrapaziert. Sie findet sich gefühlt auf fast jeder zweiten oder dritten Seite. Dabei wurde schon bei den ersten ein bis zwei Malen klar, dass eine wichtige ideologische Grundlage des Buches Religionsfeindlichkeit ist. Da gibts wohl auch einen gewissen Zusammenhang mit dem antimuslimischen Rassismus, der beim Lesen aus den Seiten fast schon herausquillt.
d)Wenn es diese queeren Sprechverbote wirklich geben würde, warum konnte dann dieses Buch durch „die freundliche Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Gesellschaft“ ermöglicht werden? Warum habt ihr eine solche Social Media Reichweite, dass es keinen online Ort gibt, an dem eins nicht auf euch stößt? Ihr habt nicht nur durch verschiedenste Zeitschriften Offline Präsenz. Queere Sprechverbote sind doch eure Erfindung, euer feuchter Traum, euer Kampfbegriff um euch als die standhaften Gallier zu inszenieren, als die Spartaner die eine persische Übermacht besiegten, als Rebellen und Untergrundkämpfer, die wegen der bösen Queer-Mafia um ihr Überleben füchrten müssen.
d)Die ganzen Kommentare zu Hengameh Yaghoobifarah sind auch weniger inhaltlicher Natur und haben mehr den Klang von Menschen, die auch sagen ‚Es gibt Rassismus gegen Weiß‘, ‚Männer sind genauso diskriminiert wie Frauen‘ und ‚Unser antimuslimischer Rassismus ist gar kein Rassimus sondern Islamkritk, weil der Islam ist böse und es gibt keinen anitmuslimischen Rassismus‘.
e)Wenn einer der Hauptaussagen des Buches ist, dass mehr Diversität (aber halt auch nur bei den Meinungen und ja gar nicht, wie Diversity im üblichen Sinne verstanden wird. Denn natürlich soll die queere Szene schön, weiß und schwul/lesbisch sein.) in queerer Szene gefordert wird, dann stellt doch die Ereignisse rund um die Queeren Hochschultage 2013 nicht so einseitig dar. [Einer der im Buch kritisierten Blogs ist übrigens dieser, von da aus finden sich auch weitere Texte, die nicht dem einseitigen Narrativ von ‚Beissreflexe‘ folgen].
f)Die Forderung, dass Queer „selbstbewusst offen auftretende[] Homo-, Bisexueller [ja eine der seltenen Erwähnung bi Personen bisher] und Transleute“ sein soll finde ich daneben. Ob Leute selbstbewusst auftreten wollen oder können ist deren Sache und darüber zu richten ist ziemlich scheiße.
g)Die Beschreibung der angeblichen Forderungen der Queer-Community als „promisk, keine Zweierbeziehungen, keine Interesse an beruflichen Erfolg, keine modische Kleidung, kein Begehren gegenüber normativ schönen Menschen, keine Eifersucht und dergleichen mehr“ sind doch auch nur lächerlich und bewegt sich mehr auf dem Niveau des Die Zeit-Artikels über Antideutsche. Ähnlich die Behauptung es gäbe in der queerfem. Szene keine Streitereien.
h) Die Behauptung, dass „als altbacken und reaktionär abgewertete […] Transleute“ des letzten Jahrhundert zum „politischen Selbstverständnis“ gehört, ist dann auch nur noch reine Diffamierung und keines weiteren Kommentars wert als Shoutouts vor allem an Marsha P. Johnson, Sylvia Rivera und die ganzen anderen wunderbaren Personen aus den Zeiten der Riots und des Aktivismus rund um die Stonewall Riots, sowie an all die ‚älteren‘ (Wobei ‚älter‘ ja auch mehr soziales Konstrukt ist, als was anderes) queeren Personen, von denen ich so viel gelernt habe darunter auch und vor allem Mika Murstein und Laura Jane Grace.
i)Der Angriff gegen anti-lookistischen Aktivismus im Buch ist übrigens auch sehr scheiße. Das kommt jetzt leider wie so nebenbei gesagt herüber, aber bei dem Buch und seiner Feindlichkeit fehlen mir manchmal die Worte.
j)Der verwendete Begriff ‚autoritär‘ im Buch scheint sich auch mehr übersetzen zu lassen, als ‚radikal Räume für marginalisierte Personen/Gruppen zu schaffen entgegen gesetzt zu Herrschaftsstrukturen zu handeln‘.

Aus den ‚kleineren Fragestellungen‘ ist jetzt doch ein großer Haufen geworden und dabei möchte ich noch vier andere Sachen gesondert ansprechen:
1)Die Kritik an Konzepten wie Critical Whiteness und Cultural Appropriation befindet sich auf einen unterirdischen Niveau a la Jungle World. Menschen, denen Aussagen, die fast klingen wie ‚Critical Whiteness ist Rassismus gegen Weiße !!!11!!“ zu stumpf und lächerlich sind, sei dringenst empfholen Meinungen von Autor*innen wie Hengameh Yaghoobifarah zu lesen, wo es ein wenig differenzierter um diese Themen geht.
2)Der nächste Punkt ist jetzt wieder einer der bösen Beissreflexe, aber ich komm nicht umher es einmal deutlich anzusprechen. Wer davon schreibt „Aufklärung“ über „Anwandlungen […], die als ‚queer‘ oder ‚queerfeministisch‘ firmieren“ zu betreiben; Formulierungen in den Mund nimmt, die an ‚Schuldkult‘-Rufe von Rechten erinnern; von Sprechverboten faselt, wie Free-speech-Aktivist*innen in den USA; sich darüber beschwert, kritisiert zu werden, wenn si*er nicht mehr ohne Margnialisierte über Marginalisierte sprechen zu können; di*er sollte ganz deutlich klarmachen, wo der deutliche Unterschied zwischen der eigenen Person und der oben genannten Gruppen liegt. Im Buch geschieht dies nicht. Und damit muss dieses Buch zu dem reaktionären/autoritären Backlash gewertet werden, den marginalisierte Personen zur Zeit so heftig erleben.
3)Was sind das für Leute, die beim Thema ‚Safe Spaces‘ über ‚ein Recht auf Konflikte‘ reden? Unter anderem sind das Personen, die Bücher, wie ‚Beissreflexe‘ herausgeben. Die ganze Kritik an Safe Spaces im Buch ist ziemlich zusammenhangslos. Erst wird kritisiert, dass es keine absolut sicheren Spaces gibt, aber dann wird kritisiert, wenn Aktivist*innen Regeln aufstellen um die Safe Spaces wenigstens sicherer zu machen als die Welt außerhalb. Anscheinend geht es nur um reines Bashing gegen Konzepte, wie ‚Safer Spaces‘, denn dort wird ja die dominante Stellung von Menschen angegriffen, die u.a. dieses Buch geschrieben haben (abled, weiß, männlich, cis).
Sowieso wäre eine zimelich gute Zusammenfassung des Buches bisher: „Hilfe, Hilfe die bösen Queers nehmen mir meine Privilegien und meine Vorrangstellung weg“.
4)Zuletzt ein kurzer Weg in die Semiotik (Zeichenlehre). Alles was wir sehen, hören, etc sind Zeichen. Das kann etwas offensichtliches wie ein Verkehrszeichen sein, aber auch Schriftgrößen auf Zeitungen, Frisuren (ua. halt auch Dreadlocks, was wichtig für Konzepte wie Cultural Appropriation ist), etc. Ein Zeichen verweist immer auf etwas. Meistens wird vereinfacht gesagt, dass ein Zeichen auf eine bestimmte Bedeutung, Aussage, etc verweist, aber eigentlich ist das auch wieder ein Zeichen. Dies ist aber eher nebensächlich für meinen Kritikpunkt.
Im Buch wird sich beschwert darüber, das schon die Anwesenheit bestimmter Personengruppen (zum Beispiel weiße und/oder cis Menschen) als gewalt gelesen würde. Ganz konkret spricht Patsy L’Amour Lalove davon, dass es wäre als „ginge eine düstere Zauberkraft“ von manchen Personen aus. Wenn wir jetzt aber Zeichentheorie anwenden, dann steht cis und weiß für etwas anderes (das kann für unterschiedliche Menschen unterschieldiches sein). Für mich und andere Menschen verweist cis auf Gewalterfahrungen, Diskriminierungen, etc. Es bedeutet nichts über das Individuum was dann in diesem Moment vor mir steht. Das kann ein Ally sein oder nicht, das weiß ich vielleicht gar nicht. Aber die einfache Anwesenheit von cis personen bedeutet für mich, dass da auch (potenzielle, aber auch reale) Diskriminierungen und Gewalt mit anwesend ist.

So das war jetzt ein etwas langer Text, dabei habe ich gar nicht alles angesprochen, was ich hätte ansprechen können. Ich bin auch nicht so ausführlich geworden, wie ich an manchen Stellen wollte. Der nächste Teil kommt wohl Anfang nächster Woche.
Vieles Grundlegendes sollte jetzt wohl auch hoffentlich besprochen sein und dann werden zukünftige Texte hoffentlich auch wieder kürzer.

Hier geht es zu Teil 3

Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 1)

)Vor kurzem ist das Buch „Beissreflexe“ (herausgegeben von Patsy L’Amour Lalove) erschienen. In dem Buch sind, unter dem dem Untertitel „Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten“, 27 Artikel veröffentlicht.
Ich möchte hier in einer ganzen Reihe das Buch besprechen und wahrscheinlich vor allem kritisieren, da nicht nur verschiedenste Diskussionen vor Erscheinen des Buches darauf hinweisen, dass das Buch wohl mehr als nur teilweise problematisch ist und ich eine zu der Gruppe von Personen gehöre, die in dem Buch stark kritisiert angegriffen werden. Dabei werde ich heute nur allgemein etwas sagen und kurz auf das Vorwort eingehen und in den kommenden Tagen und Wochen erst auf den einleitenden Artikel und dann jeweils auf die einzelnen Kapitel, die jeweils aus 2-5 einzelnen Artikeln bestehen.

Zuallererst kurz etwas zum Titel und dem erklärten Ziel des Buches. Um einmal den Text auf dem Buchrücken zu zitieren: „In 27 Artikeln kritisiert [Hervorhebung durch mich] Beissreflexe…“. Eine Kritik „Beissreflexe“ zu nennen zeigt natürlich, dass das Ziel wohl nicht sein kann einen gemeinsamen Kompromiss zu finden oder ähnliches. Viel mehr wird hier deutlich, dass die Kritik wohl eher einem Manifest der grundlegenden Ablehnung von der „autoritären Variante von Queer“ (zitiert nach dem Buchrücken) ähneln wird.
Der erste Satz auf dem Buchrücken scheint aber schon noch deutlicher den Ton des Buches zu verraten: „Queer greift heterosexuelle Normativität an.“ Auf den ersten Blick scheint das ein wunderbarer Satz zu sein. Ein Satz, den ich auch selber sagen würde. Aber auf den zweiten Blick wird etwas deutlich, wenn Queer nur heterosexuelle Normativität angreift, was ist dann Queer? Queer scheint nur das zu sein was nicht heterosexuell ist. Was ist aber mit trans Personen? Was ist mit inter Personen? Die sind anscheinend erstmal nebensächlich. Hier zeigt sich schon das erste Anzeichen der Homonormativität, welche sich weiter durch das Buch ziehen wird. Ironischerweise ist wohl eins der Themen des Buches eine Kritik am Begriff ‚Homonormativität‘, da dieser homofeindlich sein soll.

Der erste Satz des Vorwortes legt dann direkt nochmal eine Schippe drauf und stellt die Behauptung auf, dass queere Praxis „nicht viel mehr [ist] als eine ritualisierte Ablehnung anderer politisch engagierter Homosexueller und Linker“. Queerer Aktivismus würde sich in „autoritäre[n] Sehnsüchte[n] durch Sprech-, Denk-, oder Bekleidungsverbote[n] ausdrücken“ (Seite 9). Neben diesen (erstmal) unbegründeten Vorwürfen, die an die Vorwürfe aus konservativer, rechter Ecke erinnern, ist aber noch nicht Schluss. Anstatt sich in irgendeiner Form abzugrenzen von der Ähnlichkeit zur Sprache aus transfeindlichem, rassistischen, sexistischen, ableistischen, antisemitischen, etc Diskursen (im folgenden werde ich dies immer abkürzen als *feindliche Diskurse), kommt nun Religionsfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus. Denn anstatt, dass Patriarchalismus, Homo- und Transfeindlichkeit, etc als Grund für Gewalt benannt wird, ist es „der politische Islam“, beispielsweise der Islam (Seite 9f.) an sich.
Diese Kritikpunkte der Ähnlichkeit der im Buch verwendeten Sprache, sowie der von rassistischen und/oder queerfeindlichen Gruppen/Menschen sind aber ja nur autoritäre Beissreflexe, wie ich später im Buch belehrt werde. Aber nach der Meinung von Patsy L’Amour Lalove gibt es ein Verbot den Islam zu kritisieren (Seite 10) und der allgegenwärtige antimuslimische Rassismus in Parlamenten bis hin zu Medien und Stammtischen ist wohl nur erfunden…
Hier möchte ich die Betrachtung erstmal abschließen, da mir die Kraft fehlt weiter zu schreiben über dieses Buch. Nicht nur der Ableismus, der sich nicht nur in einzelnen verwendeten Wörtern zeigt, sondern auch der allgemeine Duktus, der den Texten gleicht, die sich über Political Correctnes aufregen, beispielsweise über die Sprachpolizei, sind extrem verletzend und belastend.

Der Titel „Beissreflexe“ ist aber wohl trotzdem ein sehr gut gewählt er Titel, den etwas anderes habe ich bisher nicht im Text gefunden, als die üblichen Beissreflexe der diskriminierenden Mehrheiten, die ihre Privilegien von sich wehrenden, diskriminierten Minderheiten bedroht sehen.
Ich bin leider nicht bis zum Schluss des Vorwortes gekommen, wie geplant war und werde das wohl zusammen abhandeln mit dem Teil zur Einleitung des Buches.

P.S.: trans ist ein Adjektiv. Es heißt also nicht „Transleute“, sondern trans Leute.

Hier geht es übrigens weiter zu Teil 2.