Archiv der Kategorie: Asexualität

Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 4)

Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3.

Das Problem einer Kritik an ‚Beissreflexe‘ besteht aus mindestens zwei Dingen. Zum einen ist das Buch so angelegt, dass jede Kritik von queerfeministischen Gruppen oder von Menschen, die sich als queerfeminisitisch verstehen, sofort als ‚Beissreflex‘ abgetan werden kann. Zum anderen wird in diesem Buch jedes Konzept, jede Theorie, die queerfeministischen Gruppen zugeordnet wird, so verdreht und verfälscht, dass in einer Kritik erstmal jedes Konzept wieder richtig- und dessen Geschichte dargestellt werden müssen um dann die falschen Schlussfolgerungen von den Autor*innen von ‚Beissreflexe‘ kritisieren zu können.
Deshalb werde ich auch zwei Texte, aus einem Kapitel, dass heute dran ist, nicht oder nur kaum besprechen. In beiden Texten geht es um Cultural Appropriation und Critical Whiteness. Ich werde mich nicht auf die Diffamierungen und Falschdarstellungen der beiden Texte einlassen, sondern jedem Mitlesenden sei ans Herz gelegt sich anderswo zu informieren um ein differenzierteres Bild zu bekommen, welches nicht von purer Ablehnung geprägt ist. Zum Beispiel ist dieser taz-Artikel zu empfehlen: Dreiste Umkehrung.

Aber nun zum ersten Kapitel. Es heißt ‚Schmutzräume und Trigger‘. Ich möchte (erstmal kommentarlos) die Einleitung zu dem Kapitel zitieren, die sich im Vorwort befindet:

Im zweiten Bereich Schmutzräume und Trigger übt Doloris Pralina Orgasma eine unsolidarische Kritik an den lustfeindlichen Awareness-patrouillen in sogenannten Schutzräumen, die in den Augen der Polit-Tunte endlich Schmutzräume werden sollte. Till Randolf Amelung ruft dazu auf, sexuelle Gewalt nicht durch ein zum Aktionismus verkürztes Verständnis von Trigger zu relativieren, nur um damit inquisitorische Verfolgungen von der Gewalt bezichtigten Personen rechtfertigen zu können.

Die Arroganz der Autorin findet sich schon ganz am Anfang des Textes. Ganz plump wird gefordert, dass Safespaces ein Ort, gekennzeichnet durch die „tatsächliche Awesenheit flirtender Homosexuelle[r], durchgeknallten Tunten, geilem Sex“(Seite 84) sein sollen. Anstatt also zu versuchen einen Ort zu schaffen, der für möglichst viele Menschen ein sicherer Ort sein kann, vor der ständigen Begegnung mit Diskriminierung, wird hier ein exklusiver Raum gefordert, der viele andere Menschen ausschließen würde. [Ganz bewusst möchte ich aber betonen, dass aber natürlich auch gerne Raum geschaffen werden sollte, damit es Orte gibt, wie die Autorin sie sich wünscht. Es ist nur kein allgemeiner Schutzraum]
Aber das eigentliche Anliegen des Textes scheint auch vielmehr eine Abschaffung von Schutzräumen zu sein, als ihre Verbesserung. Die Grundaussage scheint dabei zu sein, je mehr Sex desto besser. Dabei scheint jegliches Verständnis von Sex als Konsenshandlung zu fehlenn, denn in Schutzräumen, wo jede*r Mensch auch vor sexuellen Übergriffen geschützt sein soll geht nach Meinung der Autorin „die Kraft, die dem Sexuellen ganz grundlegend zu eigen ist: das Streben nach dem sexuellen Glück, die sexuelle Neugierde, das Triumphale und Hingebende, der Reiz am Unkalkulieraren und am Risiko sowie die lustvolle Bejahung sexueller Geilheit“ (Seite 87) verloren. Yes means Yes wird im Text zu „sexualfeindlichen Tendenzen“ (Seite 88), „feindseligen und misstrauischen Sicherheitskonzepten“ (Seite 88) und fehlender Sensiblität in zwischenmenschlichen Beziehungen (vgl. Seite 87) verdreht.

Der zweite Text des Artikels ist von Till Randolf Amelung.
Kurz zusammengefasst: Entschuldigung von Transfeindlichkeit, male entitlement, male entitlement, male entitlement.
Ja, ich weiß, dass ich mich gerade wiederholt habe, aber der ganze Text ist so arrogant. In einem durch splaint der Autor Betroffenen die Welt, wie und wann sie Therapie zu haben machen, inwieweit sie sich in diesem Kontext politisch zu äußern haben, dass keiner seine Texte ignorieren darf,…
Auf seine Forderung, zu einer unpolitischen Gesellschaftswissenschaft zurückzukehren, möchte ich nicht eingehen. Denn dies würde heißen zu einer rassistischen, transfeindlichen, ableistischen, etc Gesellschaftswissenschaft zurückzukehren und ich bin froh, dass es wenigstens die kleinen Momente gibt, in denen diese Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Gesellschaftwissenschaften angegriffen werden.
Alles in allem rate ich jedem Menschen, sich diesen oder einen (mehr ist wirklich unnötig) ähnlichen Text von Amelung durchzulesen, damit alle um die oben kritisierten Dinge Bescheid wissen und ihn und seine Vorträge u.a. zur Abschaffung des Konzeptes der Definitionsmacht und zur Rückkehr zu der Bevormundung von Betroffenen meiden können, wenn sie wollen. Sehr froh bin ich darüber, dass in Marburg anscheinend die Entscheidung getroffen wurde Amelung wieder auszuladen. Dies macht es mit Sicherheit zu einem sichereren Ort für queere Personen.

Das dritte Kapitel heißt Privilegiencheck. Hier befinden sich die beiden Texte, die ich wie oben angesprochen ausklammern werde. Auf diese Ebene der Diffamierungen und Verharmlosung durch Gleichsetzung mit Ethnopluralismus werde ich mich nicht einlassen.
Der erste Text ist von Leo Fischer. Normalerweise ist mir meine Zeit zu schade um mir irgendwelche Texte über die Ablehnung des Privilegienkonzepts von mehrfach privilegierten Menschen durchzulesen, aber hier mache ich eine Ausnahme.
Leo Fischer scheint am Anfang argumentieren zu wollen,dass nach der Abschaffung von Rassismus und Sexismus immer noch Kapitalimus existieren würde (vgl S. 106). Auf diese Weise drängt sich eine Lesart auf, dass es nur den Kapitalismus als Hauptwiderspruch oder viel mehr als vor allem zu bekämfende Unterdrückung und Ausbeutung zu sehen gilt.
Aber ich möchte noch andere Dinge kritisieren.
Leo Fischer sieht als das eigentliche Problem die Macht an sich (S. 106). Ich dachte zwar eigentlich, dass nach Foucault klar sei, dass Macht nicht etwas an sich negatives ist, sondern die ungleiche Verteilung, beispielsweise die Unterdrückung, die sich auf bestimmten Machtverhältnissen gründen.
Weiter gelesen dreht es ich aber noch viel mehr um das Verständnis von Privilegien, als um den Machtbegriff. Fischer kritisiert, dass der gesellschaftliche Fortschritt bedroht wäre, wenn die Prviliegien der unterdrückenden Gruppen abgeschafft werden würden (vgl. S. 107). Dabei ginoriert er vollkommen, dass die Privilegen entstanden sind aus der Unterdrückung, die auf Basis nicht bekämpfter ungleicher Machtverteilung entstanden sind. Die Privlegien brauchen also Gruppen, die sich unterrücken lassen. Die Forderung nach Privilegien für alle verschwindet als einfach, denn das schöne Leben für alle kann nur stattfinden, wenn die Unterdrückung und dadurch entstandenenen Privlegien abgeschafft sind. Es geht nicht um schuldig sein, sondern es geht darum verantwortungsbewusst zu sein.
Infolge seines verkürzten Priviliegienverständnis findet sich auch eine Kritik am Begriff ‚Homonormativität‘ und der Kritik der Schwulenbewegung (gemeint ist die cis-weiße Schwulenbewegung). Fischer verteidigt, deren Erfolgen und beschwert sich, dass sich diese entschuldigen müssten (vgl S. 108). Das basiert auf dem verdrehten Konzept von Privilegien und Intersetkionlität, das sich im ganzen Buch findet. Dabei geht es vielmehr darum, dass sich bestimmte Gruppen eine bessere gesellschaftliche Stellung dadurch erkauft haben, dass andere weiter maginalisiert und diskriminiert bleiben. Es geht darum, dass bestimmte Gruppen innerhalb von Emanzpitantionskämpfen immer im Mittelpunkt stehen und dort auch nicht andere gleichberechtigt neben sich haben wollen. Es geht darum, dass der Spruch ‚Wir sind erst wirklich frei, wenn alle frei sind‘ nur für manche Gruppen nur solange galt, wie sie selber einen großen Teil gesellschaftlicher Macht erkämpft hatten. Homonormativität funktioniert im Kontext hetero – homo, aber umso mehr im queeren Kontext.
Ganz am Ende wird dann natürlich nochmal Adorno zititert, dann kommt der Text noch einmal viel besser in der eigenen Bubble an. Und würde Leo Fischer seine Maßstäbe mal an andere Gruppen anlegen, was die Kritik am Antisemitismus angeht, dann müsste er auch die gesammte Linke pauschal ablehnen. Denn wir finden überall Antisemitismus, diesen gilt es zu kritisieren und zu bekämfen. Aber nur weil einige Linke antisemitisch sind, ist nicht die gesamte Linke antisemitisch. Genauso ist es im Queerfeminismus, es gibt antisemitische Gruppen und Menschen, aber den gesamten Queerfeminismus Antisemitismus anzudichten ist queerfeindlich.
[Fast schon nebenbei geht es auch um die Begriffe Mensch(lichkeit) und Vernunft, da ich mich hier relativ kurz fassen möchte, in ich darauf nicht eingegangen. Ich werde das aber wohl ausserhalb der Reihe einmal allgemeiner nachholen, vielleicht dann auch mit Rückbezug auf diesen Text.]

Zwar gehört zu dem Kapitel noch ein Text über den transradikalen CSD Mainz, den möchte ich aber mit in Teil 5 hineinnehmen um ihn themantisch mit einem anderen Text zusammenzubringen.

Queer Relationships – Möglichkeiten nicht-normativer Beziehungen

Ein nicht kleiner Teil staatlicher Autorität basiert auf Heteronormativität. Heteronormativität lässt sich definieren als:

Eine Reihe an Normen, die auf der Annahme basieren, dass jeder heterosexuell, cis-männlich/cis-weiblich und monogam ist, zusammen mit der vorausgesetzten und mitgemeinten Dauerhaftigkeit und Stabilität dieser Identitäten. (1)

Wenn dann von queeren Beziehungen gesprochen wird, dann sind dies Beziehungen, die in irgendeiner Weise diese Heteronormativität in Frage stellen. Das heißt Beziehungen, die nicht heterosexuell sind und/oder nicht zwischen zwischen einem cis-Mann und einer cis-Frau sind und/oder nicht monogam sind und/oder die Permanenz und Stabilität von Identitäten in Frage stellen.
Durch ihre reine Existenz stellen diese Beziehungen Heteronormativität in Frage und damit die staatliche Autorität. Sie öffnen einen Raum, der nicht vom Staat vorgesehen war. Durch die Existenz queerer Beziehungen können eine Reihe neuer Praktiken gesetzt werden. Von nicht-heteronormativen Beziehungen können neue Formen der Konsensbildung gelernt werden, neue Arten des Zusammenlebens, des Heranwachsens von Kindern. Queere Beziehungen öffnen einen neuen Raum der Freiheit, der dann aber auch verteidigt werden muss gegen eine Übernahme durch den Staat, durch Vermarktungsstrategien.

Es geht nicht darum monogame, heterosexuelle, cis-gender Beziehungen zu verbieten, sondern ihre Normativität zu zerstören. Es geht darum, dass der Zwang diesen Normen zu entsprechen nicht-existent wird. Es geht darum von einander zu lernen in einer Welt zu leben, in der einer freien Verwirklichung des Selbst nichts im Wege steht. Es geht darum neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln. Durch die Existenz queerer Beziehung in einer nicht-anarchistischen Welt kann ein Ausblick gegeben werden, auf das was mal sein könnte. Durch ihre Existenz können erste Freiräume gebildet werden in denen eine Kraft heranwachsen kann, die dann letztendlich Normen und Authoritäten zerstört. Durch ihre Existenz wird klar, dass der Widerstand gegen Staat, Kapital, Patriarchat, etc nicht im bewaffneten Widerstand beginnt, sondern dass es vielmehr Formen gibt, in denen Widerstand schon beginnt und dass schon dort angesetzt werden kann, wo das Leben stattfindet.

(1)Song, Susan; Polyamory and Queer Anarchism: Infinite Possibilities for Resistance; 2012

Eine kleine Geschichte der Asexualität

Dies ist ein Text, der in deutscher Sprache die Geschichte von Asexualität einmal ein wenig zusammenfassen soll. Es geht dabei vor allem um das 19. und 20. Jahrhundert, also bevor 2001 David Jay AVEN gegründet hat.

Ich habe vor allem die englischsprachigen Blogposts von Acing History und Live Blogging my descent into madness, sowie Autism / Serenity genutzt.

Der Begriff ‚Asexualität‘ taucht zwar 1907 in einem Aufsatz von Helen Fraser im Westminster Review auf, in dem sie darüber schrieb, dass „männliche Frauen“ und asexuelle Frauen die Frauenwahlrechtsbewegung dominieren und für die „weiblichen Frauen“ zerstören würden. Sie definiert Asexualität als einen geringen Geschlechtstrieb habend und auf sexuelle Dinge entweder mit Ekel oder einer ungesunden Neugier schauend. Dies hat noch nicht viel mit der heutigen Definition von Asexualität, als nicht vorhanden sein einer sexuellen Anziehung zu tun.
Doch es gab verschiedene frühere Begriffe, die der heutigen Definition, die sich ab 1970 entwickelte, nahekommen. Zum Beispiel im The New Sydenham Society’s Lexicon of medicine and allied sciences (1879) wird das Wort ‚anaphroditus‘ erwähnt, welches bedeutet ‚Nicht-Genießen von physischer Lieben‘. Ein wenig später schreibt Magnus Hirschfeld in Sappho und Sokrates (1896): „Es gibt Individuen mit garnicht vorhandenen geschlechtlichen Begehren.“. Doch vor diesen beiden Erwähnung prägte 1869 Karl-Maria Kertbeny das Wort monosexuell, welches Menschen beschreibt, die nur masturbieren.

Zeitlich nach dem oben erwähnten Aufsatz schreibt Ralph Werther – Jennie June in The female Impersonators über ‚Anaphroditen‘ als Männer die „bei dem Gedanken an Sex, zusammenzucken“ und die niemals „einer Frau den Hof machen“. Anaphroditen sollen ungefähr 1,5% aller Männer ausmachen und verehren (sexuell?) keinen Menschen.
In Women’s History: Britain, 1850-1945 wird ein Zeitungsartikel zitiert, der 1935 Frauen dazu aufrief ihre Töchter vor „sexlosen oder homosexuellen“ Frauen zu schützen (im Original wird das Wort ‚hoydens‘ benutzt, was eine freche, ausgelassene und sorglose Frau meint). Es ist also deutlich, dass Frauen diskriminiert wurden, weil sie keinen oder lesbischen Sex hatten. In der Mitte des 20. Jahrhunderts veröffentlichte Alfred Kinsey seine Studien über die menschliche Sexualität. In denen taucht neben den homo-, hetero- und bisexuellen Gruppen auch die Gruppe X auf. Menschen dieser Gruppe verspüren keine Anziehung zu einem Geschlecht. Auch Alfred Kinseykam auf eine Prozentzahl von 1,5% Gruppe X unter Männern.

Ich hatte oben beschrieben, dass ab den 1970er Jahren der Begriff Asexualität unter der Definition von geringer oder gar keiner sexuellen Anziehung. Helen Singer Kaplan schrieb in Disorders of Sexual Desires über ‚Hypoactive sexual desire‘ als psychische Störung, bei der  keine oder nur sehr geringe sexuelle Anziehung verspürt wird. 7 Jahre später, 1977, schrieb Myra T. Johnson in dem akademischen Aufsatz Asexual and Autoerotic Women: Two Invisible Groups über nicht-pathologisierender Weise. Sie unterschied zwischen masturbierenden Frauen (autoerotisch) und nicht-masturbierenden Frauen (asexuell), untersuchte wie diese beiden Gruppen (nicht) in der „westlichen Kultur“ gesehen wurden und wie sie in die damalige feministische Bewegung einzuordnen waren. Sie schrieb auch darüber, wie asexuelle Frauen diskriminiert wurden, nämlich dass die sexuelle Revolution und feministische Bewegungen die Existenz asexueller Frauen ignoriert oder geleugnet hat.

1983 wurde eine Studie von Paula Nurius mit 689 Studierenden aus den USA durchgeführt. Thema war die Verbindung geistiger Gesundheit und sexueller Orientierung und sie kam zu den Ergebnis, dass 5% der männlichen und 10% der weiblichen Studierenden asexuell seien (als asexuell wurden Teilnehmende eingestuft, die auf den beiden Skalen für homo-erotische Anziehung und hetero-erotische Anziehung auf einen Wert von unter 10 eingestuft wurden, 100 waren maximal möglich). Die Studie fand auch heraus, dass als asexuell eingestufte Menschen, öfters Depressionen hatten.
Eine Studie unter Schafen fand ausserdem heraus, dass es anscheinend auch inder Tierwelt Asexualität geben könnte, als herauskam, dass 2-3% von Schafböcken kein Interesse hatten sich zu paaren, aber ansonsten geistig und physisch gesund waren.

Ich möchte ein paar Menschen zitieren, die schon länger in queeren Bewegungen aktiv sind und persönliche Erfahrungen mit asexuellen Menschen gehabt haben, bevor AVEN gegründet wurden ist, beispielsweise als AVEN noch sehr jung war. Atomic Bubblegum schreibt hier darüber, dass bevor sich eine eigene asexuelle Community im Laufe des 21.Jahrhunderts gebildet hat, diese Menschen in der bisexuellen Community willkommen geheißen wurden. Menschen, die nicht heterosexuell und nicht homosexuelle waren, fanden in der bisexuellen Community die Möglichkeit über ihre Probleme zu sprechen, ihre Gefühle ausdrücken zu können.
Vaspider formuliert es hier so:

Aces were bi only 20 years ago. “Bi” was the umbrella diagnosis if you weren’t a gold star gay.

und hier nochmal:

One of the oldest queer people I personally know is ace, and hung out in the “not gay or straight” section for ages, but she’s been with us forever.

Das 21. Jahrhundert wird langsam unübersichtlich bezüglich der Geschichte von asexuellen Communities. Erwähnenswert wären Antony Bogaert als einer der bekanntesten Wissenschaftler, der das Buch Understanding Asexuality geschrieben hat, durch das zweite Welle der Erforschung von Asexualität begonnen wurde (nach den Studien der 1970er und 1980er).
Zwei Diskussionen, die innerhalb der asexuellen Community stattfanden möchte ich erwähnen. Es gab die Diskussion über die Definition von Asexualität, wobei sich die inklusivere Variante (Asexuell is wer keine sexuelle Anziehung verspürt und/oder sich als asexuell identifiziert durchgesetzt gegenüber der exklusiveren Variante (asexuell ist wer keine sexuelle Anziehung verspürt und keinen Libido hat, also nicht masturbiert). Die andere größere Diskussion fand zwischen einem sex-positive-/sex-neutrality-Lager und einem sex-negative-/antisexuellem Lager statt. Größtenteils hat sich aber ersters durchgesetzt und mehrheitlich ist die Meinung, dass Menschen soviel oder sowenig Sex haben sollen, wie sie wollen. Natürlich sollte es einen Konsens geben zwischen den teilnehmenden Menschen. Auch eine ausführliche Sexualkunde wird größtenteils unterstützt.

Die  jüngste Zeit ist gekennzeichnet davon, dass viele Gruppen und Communities außerhalb von AVEN entstehen, Asexualität wird langsam bekannter und damit begann auch die Diskussion der letzten Monate/Jahre, in wie weit Asexualität in das LGBTQ+ Akronym gehört, während dabei aber online offener und öfters Asexuelle ausgeschlossen und attackierten werden, als in offline queeren Gruppen.

Über Toleranz, Akzeptanz und Respekt

Die drei Begriffe ‚Toleranz‘, ‚Akzeptanz‘ und ‚Respekt‘ sind oft gebrauchte, aber eigentlich sehr undeutliche Begriffe. Ich möchte nun einmal darlegen, warum ich Forderungen nach ‚Toleranz‘ und ‚Akzeptanz‘ nicht so gerne unterstütze und lese, sondern den Begriff ‚Respekt‘ bevorzuge. Dazu werde ich jeweils die Wortherkunft ansprechen, beim Begriff ‚Toleranz‘ ein wenig weiter ausholen, und schließlich erklären, warum ich den Begriff ‚Respekt‘ favorisiere.

Lesezeit: 3-4 Minuten

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen tolerare = erdulden/ertragen und wird oft als Duldung/Geltenlassen/Gewährenlassen von anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen definiert. Zum Beispiel wurden die Religionen fremder Völker im Römischen Reich nur geduldet, wenn diese die Kaiserverehrung annahmen.

Kees Schuyt (niederländischer Soziologe) beschreibt die Toleranz als „unvollkommene Tugend“, weil etwas zugelassen wird, was eigentlich als schlecht erachtet wird. Toleranz ist also nicht ein Zulassen von etwas, was eins sowieso mag, oder was eins kalt lässt, sondern das Zulassen von etwas, was gegen die eigene Meinung/Einstellung geht. Toleranz ist passiv, sie ist ein ’nicht handeln‘, ein ‚untätig bleiben‘, ein ’nicht eingreifen‘. Und darin liegt meine Kritik.
Menschen sollen nicht untätig bleiben, obwohl sie andere Menschen verachten. Ich möchte nicht, dass nicht-normatives Verhalten nur geduldet wird, wegen irgendeinem höheren Motiv. Zum Beispiel: Ich lehne es ab, Flüchtende nur zu dulden, damit ‚unser Land in einem besseren Licht da steht‘. Das finde ich egoistisch.
Zudem ist ‚Toleranz‘ immer etwas was von der Mehrheit, von den Machthabenden ausgeht. Diese Mehrheit entscheidet, was toleriert wird und was nicht.

Akzeptanz
Akzeptanz kommt aus dem lateinischen accipere = gutheißen, annehmen, billigen. Bei diesem Begriff findet sich nun die aktive Komponente, die mir bei ‚Toleranz‘ fehlt.

Trotzdem finde ich den Begriff problematisch, denn wenn ich etwas ‚annehme‘, wie zum Beispiel die Möglichkeit, dass es viele unterschiedliche sexuelle Orientierungen oder Geschlechter gibt, dann sagt dass immer noch nichts darüber aus, was das für mein Verhalten bedeutet. Menschen können es gutheißen, dass Menschen unterschiedlich sind, aber es sagt noch nichts darüber aus ob sie darauf Rücksicht nehmen. Menschen können akzeptieren, dass es Menschen gibt, die Behinderungen haben, doch das bedeutet nicht, dass sich darum gekümmert wird, dass Möglichkeiten geschaffen werden, dass diese Menschen trotzdem ganz einfach mit der Bahn fahren oder ein Museum besuchen können.
Ähnlich wie ‚Toleranz‘, wird auch bei der ‚Akzeptanz‘ von der Mehrheit entschieden, was noch akzeptabel ist, das heißt systemerhaltend.Meiner Meinung nach sollten Menschen wertgeschätzt werden in ihrer Gesamtheit und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen werden, deshalb komme ich nun zum Begriff ‚Respekt‘.

Respekt
Respekt kommt von dem lateinischen Wort respecto = Rücksicht, Berücksichtigen. Respekt ist eine Form der Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Diese 3 Begriffe: ‚Rücksicht‘, ‚Wertschätzung‘, ‚Aufmerksamkeit‘ decken die Bereiche ab, die ich bei den anderen beiden Begriffe problematisch finde. Respekt ist etwas aktives, im Gegensatz zur Toleranz. Wer etwas respektiert schätzt etwas und duldet es nicht nur. Gleichzeitig wird Rücksicht genommen auf die Menschen, die respektiert werden und so können Ungleichheiten ausgeglichen werden. Zudem wird respektierten Menschen Aufmerksamkeit geschenkt, so dass Probleme schnell besprochen und behoben werden könnten.

Also an einem Tag, wie dem IDAHOT (beispielsweise IDAHOBITAP) möchte ich nicht Toleranz oder Akzeptanz fordern, sondern ich möchte respektiert werden. Ich möchte, dass andere Respekt bekommen. Ich möchte, dass Menschen nicht nur dulden oder annehmen, sondern wertschätzen und berücksichtigen.
‚Respekt‘ findet im Gegensatz zu ‚Toleranz‘ und mehr als ‚Akzeptanz‘ auf einer gleichen Machtebene statt. Durch ‚Respekt‘ können Machtstrukturen zerstört werden, da ein Ausgleich unterschiedlicher Möglichkeiten angestrebt wird.

Kleiner Zusatz: Wenn ich Menschen respektiere, dann heißt das für mich auch, dass ich Faschisten zum Beispiel nicht als dumm bezeichne, sondern als Faschisten. Wenn ich Menschen respektiere, dann heißt das für mich auch, dass ich Frauke Petry nicht irgendwelche frauenfeindlichen Beleidigungen zurufe, sondern andere Beleidigungen verwende, denn Frauke Petry ist ein Kackspaten, weil sie eine Rechtsextremistin ist und nicht weil sie eine Frau ist.

 

Split-attraction-model

Da ich nicht weiterkomme mit meinen Post über den Gesetzesvorschlag in Bayern und mir in den letzten Tagen öfters mal die Wichtigkeit des „split-attraction-model“ begegnet ist, wollte ich einmal einen ausführlicheren Artikel über die verschieden Arten von ‚Anziehung‘ schreiben, jeweils mit einer kurzen Einführung und meiner persönlichen Erfahrung.


Einführung

Ich übersetze das englische Wort ‚attraction‘ mit Anziehung und meine Definition in diesem Kontext ist, dass ‚Anziehung‘ das emotionale und/oder physische Bedürfnis von/nach etwas ist. Es ist möglich, dass Menschen, diesem Bedürfnis nicht nachgehen wollen/können/müssen. Es ist möglich, dass die Anziehung sich verliert, wenn sie erwidert wird. Die Bedürfnis kann sich auf ein menschliches Gegenüber, sich selbst ein Objekt oder auf gar nichts beziehen.

Dies ist meine jetzige Definition. Andere Menschen können andere Definitionen haben. Andere Menschen können Sachen anders empfinden als ich. Dieser Text nimmt anderen Erfahrungen und Meinungen nicht ihrer Berechtigung. Es kann sein, dass sich meine Meinung im Laufe der Zeit verändert, aber dieser Text nicht verändert wurde. Jeder Mensch kann diesen Text kopieren und/oder erweitern, wie dieser Mensch möchte.

Sexuelle Anziehung

Sexuelle Anziehung ist das Bedürfnis von sexuellen Kontakt/Handlungen. Diese Anziehung kann sich auf Menschen, jeglichen Geschlechts und jeglichen Aussehens beziehen, auf Objekte, auf sich selbst oder auf gar nichts. Es kann das Bedürfnis nach einer Erwiderung dieser Gefühle bestehen oder auch nicht. Menschen können eine heterosexuelle Anziehung, pansexuale Anziehung, etc… verspüren. Sexuelle Anziehung ist nicht unbedingt das Bedürfnis nach einer Beziehung, und wenn, sie es ist: dann nach einer sexuellen Beziehung oder eine Beziehung, die auch sexuellen Kontakt/sexuelle Handlungen beinhaltet.

Es gibt primäre und sekundäre sexuelle Anziehung. Bei der primären stellt sich das Bedürfnis nach der ersten Begegnung ein, bei der sekundären nach einer längeren Zeit zusammen mit dem Objekt, dem Menschen.

Sexuelle Anziehung hat nichts mit den Handlungen eines Menschen zu tun. Menschen können sexuelle Anziehung und verspüren und keine sexuellen Handlungen durchführen. Menschen können auch keine sexuellen Bedürfnisse haben und trotzdem sexuellen Kontakt mit anderen Menschen oder sich selber haben.

Als asexueller Mensch bin ich von keinem Menschen sexuell angezogen und verspüre auch auf keine andere Art ein Bedürfnis sexueller Handlungen/Aktionen, deshalb kann ich nicht das Bedürfnis selber beschreiben (wobei dieses wahrscheinlich auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist). Ich verspüre nicht das Bedürfnis mit Menschen sexuellen Kontakt zu haben und mir fehlt dadurch auch nichts, da es kein unerfülltes Bedürfnis ist, sondern eins was ich nicht habe. Wenn ein Mensch niemals das Bedürfnis hat nach Australien zu reisen, wird dieser Mensch es am Ende seines Lebens auch nicht vermisst haben, nie dort gewesen zu sein, bei einem Menschen, der Australien gerne bereisen würde, der würde es vermissen, nie dort gewesen zu sein.

Romantische Anziehung

Romantische Anziehung ist das emotionale (oder/und auch physische?) Bedürfnis nach romantischen Handlung/einer romantischen Beziehung mit einem Mensch/mehreren Menschen (möglicherweise auch mit anderen Lebewesen?). Menschen können unterschiedliche romantische und sexuelle Anziehung verspüren: homoromantische Heterosexuelle, panromantische Homosexuelle, aromantische Pansexuelle, biromantische Homosexuelle, etc. Andere haben die gleiche Anziehung: aromantische Asexuelle, biromantische Bisexuelle, etc.

Was eine romantische Beziehung und eine nicht-romantische/platonische Beziehung von einander unterscheidet ist oft schwer klar einzugrenzen. Es ist möglich 10 Menschen zu fragen und 10 unterschiedliche Antworten zu bekommen. Manche Menschen unterscheiden die Handlungen, die sie mit dem Gegenüber/den Gegenübern  durchführen (zum Beispiel Schmusen, Händchen halten, Küssen, in einem Bett schlafen, etc), manche welche Gefühle sie empfinden und manche vielleicht eine Mischung aus beidem. Ich bevorzuge die Unterscheidung nach der emotionalen Beziehung, die ich habe. Dabei werte ich die beiden Beziehungen nicht von vorne hinein, sodass eine romantische Beziehung immer auf einer höheren Stufe steht als eine nicht-romantische, dies muss von jeder Person selber entschieden werden. Ich würde eine romantische Beziehung von einer nicht-romantischen unterscheiden, nach den Gefühlen, die ich fühle. Welche Handlungen ich mit einer Person durchführe, bespreche ich unter ‚Sinnliche Anziehung‘.  In einer romantischen Beziehung habe ich romantische Gefühle für die andere Person/anderen Personen. In einer nicht-romantischen Beziehung nicht-romantische Gefühle. Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese Gefühle und welcher Kategorie sie eins zuordnet sehr unterschiedlich sein können. Achtung: Menschen in einer nicht-romantischen Beziehung können auch heiraten. Menschen in einer romantischen Beziehung müssen nicht ultimativ miteinander heiraten. [Wie solche Beziehungen aussehen könnten, kommt bestimmt demnächst in einem gesonderten Post. Stichwort u.a.: Queer-platonische Beziehungen]

Nun zu meinen Erfahrungen mit romantischer Anziehung. Als aromantischer Mensch weiß ich nicht, wie „Schmetterlinge im Bauch“ sich anfühlen. Ich stelle sie mir einfach vor, wie das Gefühl das ich habe, wenn ich eine Person wirklich bewundernswert und kennenslernwert finde, nur tausendmal so stark. Ich habe herausgefunden, dass ich aromantisch bin, da ich eine nicht-romantische Beziehung immer einer romantischen vorgezogen habe und wenn ich mir romantische Beziehung mit anderen Menschen vorgestellt habe, ziemlich automatisch immer zu Stellen in meiner Fantasie-Geschichte gesprungen bin, an der Romantik keine Rolle spielte. Alle Ziele, die ich für mein Leben habe, brauchen keine romantische Beziehung.

EDIT: Platonische Anziehung

Ein Video von Milo Stewart hat mich daran erinnert, dass es auch noch Platonische Anziehung gibt. Ähnlich wie bei der romantischen Anziehung geht es hier um das emotionale (und vielleicht auch physische) Bedürfnis nach einer Beziehung/nach einem Kontakt, jedoch keinen romantischen sondern einen platonischen Kontakt. Es dient als Label, als Erklärung für die Gefühle, die Menschen haben können. Wie platonische Beziehungen aussehen kann sehr unterschiedlich sein, sogar der gleiche Mensch kann unterschiedliche platonische Beziehungen haben.

Die Gründe dafür, dass eins sich von einer anderen Person platonisch angezogen füht, können sehr unterschiedlich sein. Bei mir sind es so viele Aspekte, dass ich nicht alle aufschreiben kann, zum Beispiel die Art, wie eine Person die Welt/die Umgebung sieht. Ich kann aber auch eine platonische Anziehung zu Personen verspüren, die viel Arbeit in etwas stecken, das ich bewundere. Aber natürlich können das auch Sachen sein, wie Humor, kleine Besonderheiten an Menschen. Die Sachen die eine Anziehung bei uns auslösen können unterschiedlich und vielfältig sein, manchmal sind sie leicht zu benennen, manchmal verspührt eins einfach die Anziehung ohne einen Grund nennen zu können.

Sinnliche Anziehung

Sinnliche Anziehung ist das emotionale und/oder physische Bedürfnis nach Handlungen oder Kontakt mit Menschen/Objekten/sich selber in denen die Sinne eine Rolle spielen, die aber (noch) nicht sexuell sind, das kann Schmusen, Händchen halten, Umarmungen, Massagen sein. Die Abgrenzung zur sexuellen Anziehung kann manchmal etwas schwammig sein, so zum Beispiel ist für manche Menschen Küssen eine sexuelle Handlung, für manche nicht, für manche vielleicht auch eine romantische Handlung. Vor allem bei nicht-asexuellen Menschen können sinnliche Handlungen Teil von sexuellen Handlungen sein. Ausser den Sehsinn (siehe ästhetische Anziehung) können alle Sinne teilhaben bei sinnlicher Anziehung.

Zwar gibt es Asexuelle, die auch kein Verlangen nach sinnlichen Handlungen verspühren, ich jedoch habe nichts dagegen. Im Gegenteil kann eine Umarmung mir auch guttun und es kommt manchmal auch vor, dass ich mir andere sinnliche Handlungen vorstelle und sie mir wünsche. Dies führt natürlich zu Problemen, da ein Großteil sinnlicher Handlungen traditionell/oft in romantisch-sexuellen Beziehungen vollzogen wird und ich diese beiden Anziehungen nicht verspüre. [Zur Lösung dieses Problem siehe den kommen Post über nicht-traditionelle Beziehungsarten].

Ästhetische Anziehung

Ästhetische Anziehung ist das Hingezogen-Fühlen zu etwas ‚Schönem‘, ‚Bewundernswertes‘. Dies kann ein Sonnenaufgang sein, eine Blume oder auch Menschen. Ästhetische Anziehung ist nicht verbunden mit Handlungen mit einer Person/einem Objekt/sich selbst. Ästhetische Anziehung ist alleine verbunden mit dem Sehen. Es gibt viele Menschen, die angezogen sind von dem traditionellem Schönheitsideal. Andere Menschen von anderen Sachen, je nach dem eigenen Geschmack.

Ich verstehe das Konzept des traditionellen Schönheitsideal, welches überall vermarktet wird. Jedoch versuche ich oft die Schönheit in Menschen/Sachen/Situationen zu finden. Das sind, bei Menschen, oft Situationen in denen dieser Mensch etwas tut, bei dem er glücklich ist. Zum Beispiel ein Mensch, der gerne liest und dann auf einer Wiese liegt und liest und die Sonne scheint. Das ist eine Situation, die ich mir lange angucken würde. Eine Situation, die eine ästhetische Anziehung auf mich ausübt. Dieser Anblick gibt mir Kraft.


Ich weiß nicht, ob es schon Texte und Erklärungen zu den verschiedenen Arten der Anziehung auf deutsch gibt, und wenn ja, wie ausführlich diese sind. Auf jedenfall gibt es jetzt einen mehr. Falls es Fragen und/oder Anmerkungen/Kritik gibt, würde ich mich über Kommentare freuen.

Ace Book Club: Lunaside

Ante Scriptum: Es gibt einen neuen Blog: SICHTBXR, auf dem Francesca über Asexualität schreibt.


Eigentlich habe ich noch einen anderen Text, den ich schon längst veröffentlich haben wollte über den Vorschlag eines neuen Gesetz zur Sexual- und Familienerziehung in Bayern, aber an dem Tag, an dem ich ihn begonnen hatte, hat eine problematische Woche angefangen und ich komm erst jetzt dazu wieder zu schreiben. Und da ich gerade das Buch Lunaside von J. L. Douglas fertig gelesen hatte, welches das derzeitige Buch des Ace Book Club ist, dachte ich mir, dass ich zuerst eine Rezension veröffentliche. Diesen Monat möchte ich auch noch ein neues Kapitel schreiben.


LunasideZuerst einmal grob zum Inhalt:

Das englisch-sprachige Buch spielt vor allem in einem Sommerlager auf einer Insel, es gibt einen Kunst-, einen Film, einen Theaterbereich usw. Die lesbische Hauptperson Moira und ihre Freundin Andrea sind beide Betreuerin in dem Ferienlager und ihre Beziehung hat einige Hürden, die sich nur noch vergrößern, als auch Millie im Lager anfängt zu arbeiten. Das bestimmende Thema ist also, wie schüchterne Moira mit ihren Beziehungen und Gefühlen umgeht und gleichzeitig auch noch ihre Gruppe von Kindern im Lager betreut.

Aromantisch und asexuell, wäre ich wahrscheinlich nicht von alleine darauf gekommen das Buch zu lesen, doch es wurde im Ace Book Club ausgewählt, da auch eine asexuelle Person vorkommt. Nun ja, ich habe also nicht die enge Verbindung zu den Gefühlen von Moira gehabt, wie andere, die das Buch gelesen haben. Trotzdem habe ich das Buch sehr genossen und es fast in einem Zug durchgelesen, denn es bietet verschiedene Punkte, von dem eins eine emotionale Verbindung mit den verschiedenen Personen herstellen kann. Douglas schaffte es mich in die kleine Welt von Moira mit hinein zu nehmen und ich wollte unbedingt die Lösung des Beziehungskonflikts wissen. Zudem fand ich den Schreibstil erfrischend und gut lesbar.

Jedoch habe ich auch einen kleinen und einen etwas größeren Kritkpunkt. Erst der kleinere: Zwar gab es vorher die Warnung, dass Moiras Mutter anfangs ein wenig feindlich eingestellt ist bezüglich der lesbischen Beziehung von Moira und Andrea, jedoch wurden auch polyamoröse Beziehungen angesprochen. Zwar wurden diese als absolut valide Art der Beziehungsgestaltung eingeführt, aber Moiras Bruder Kommentare zu dieser Möglichkeit der Lösung des Konflikts waren etwas abwertend, was mich etwas aus der Bahn geworfen hat beim Lesen des Buches. Der größere Kritikpunkt ist aber der, dass das Ende des Buches vorhersehbar war. Das ist etwas was ich nicht so gerne sehe und es wurde nur ein wenig entschuldigt dadurch, dass das Ende sich schön geschrieben entfaltet hat – aber auf einer vorhersehbare Weise.

Wer also ein netten Roman lesen möchte mit nicht-heteronormativen Beziehungen und kein allzu großes Kunststück erwartet, denen kann ich das Buch empfehlen.

Prizm Books: Lunaside (E-Book)

Goodreads: Lunaside

 

„Asexuality just happens“ – The Invisible Orientation von Julie Sondra Decker

In The Invisible Orientation, skizziert Julie Sondra Decker was Asexualität ist, begegnet Missverständnissen, stellt Ressourcen zur Verfügung und stellt die Erfahren asexueller Menschen in Zusammenhang mit ihrem Weg durch eine sexualisierte Welt. Es inhält Informationen für asexuelle Menschen um ihre Orientierung zu verstehen und was diese für ihre Beziehungen bedeutet, so wie Tipps und Fakten für die, die ihre asexuelle Freunde und Geliebten verstehen wollen.

The Invisible Orientation ist mein erstes Buch zum Thema Asexualität und ich kann es wärmstens empfehlen. Das Buch von Julie Sondra Decker, selber asexuell und aromantisch, „hat das Potential einen positiven Unterschied für das Leben vieler Menschen zu machen“ (1). Der Aufbau des Buches versucht eine umfassende Behandlung des Themas „Asexualität“ von den Basics bis zu Randthemen. Das ist Julie Decker auf ganzem Wege gelungen.

Besonders hat mir gefallen, dass Julie Sondra Decker von Beginn an deutlich macht, dass sie nicht „für die Asexuality-Community spricht“, sondern, dass sie von ihrem Standpunkt aus schreibt, dabei aber möglichst viele andere Stimmen zu Wort kommen lassen möchte. So hat sie durchweg im ganzen Buch Zitate in grauen Boxen angegeben, jeweils passend zum behandelten Thema.

Sehr differenziert behandelt Decker auch das sensible Thema, ob Asexualität „queer“ ist. Dabei versucht sie beide Seiten der Diskussion ausführlich zu beleuchten und erklärt, warum beide Meinungen nicht einfach als falsch abgestempelt werden können, sondern ihre Berechtigungen haben. Sie betont, dass es immer auf die Situation vor Ort ankommt, auf die Menschen, die miteinander diskutieren und dass diese eine Lösung finden müssen.

Ein weiteres Problem ist die mediale Darstellung der asexuellen Community. Es gibt kaum POC, kaum Neuroatypicals, kaum Behinderte, die öffentlich als Asexuelle auftreten. [Um einen ersten Schritt zur Veränderung zu tun, hier der Hinweis auf den englischsprachigen Youtubekanal von Vesper (biromantisch/panromantisch, non-binary, asexuell)]

Empfehlenswert für Freunde, Familie, Bekannte von Asexuellen ist das Buch auch, da es ausführlich allerlei „Mythen über Asexualität“ bespricht und auch ein extra Kapitel für Nicht-Asexuelle hat.

Rundherum kann ich das Buch nur empfehlen. Wer sich online schon mit Asexualität befasst hat, wird zwar viel bekanntes lesen, jedoch ist besonders die Positivität von Julie Sondra Decker ein wunderbares Element dieser Einführung.

(1) Mark Carrigan, Department of Sociology, University of Warwick über The Invisible Orientation