Schlagwort-Archive: Konfliktlösung

Gegen dogmatischen Pazifismus, gegen militärisches Eingreifen

Vor ein paar Tagen stieß ich bei Twitter auf diesen Text. In dem Text wird, vor allem im Kontext des Krieges in Syrien, der dogmatische Pazifismus in Teilen der deutschen Linken kritisiert problematisiert. Es wird gesagt, dass sich die Linke „nicht stark [macht] für das, was notwendig ist“ und das was notwendig ist, soll ein Einsatz des Militärs sein.
Anhand des verlinkten Textes (dem ich nicht zustimme) möchte ich darstellen, warum ich denke, dass die Alternative zu einem dogmatischen Pazifismus nicht das Fordern eines militärischen Einmarsches ‚des Westens‘ sein sollte. Eine umfassende Kritik am Pazifismus würde in diesem Text zu weit führen und könnte nachgeholt werden. (Anarchistische Kritik – vor allem an der PKK – läßt sich u.a. hier finden.)

Der oben verlinkte Text beginnt damit, den Pazifismus als Bewegung für eine Welt ohne Krieg positiv zu bewerten, aber gleichzeitig wird der Pazifismus der deutschen Linke als „lähmend“ kritisiert. Da aufgrund dieses Dogmatismus „es die deutsche Linke nicht schafft, sich zu bedeutenden aktuellen Themen zu positionieren und die Forderungen zu stellen, die notwendig sind“. Diese „notwendigen Forderungen„, wie oben geschrieben, sind das militärische Eingreifen ausländischer Mächte aufgrund der Schutzlosigkeit der Zivilbevölkerung.
Zwar wird im Text anerkannt, dass bei so einem Eingriff äußerste Vorsicht geboten sein sollte, jedoch „stellt sich auch die Frage, wem die Konfliktfelder andernfalls überlassen werden„.
Der Text fährt fort und stellt die Behauptung auf, dass die ‚westlichen Staaten‘ wenigstens den Anspruch haben freiheitliche Werte zu vertreten und einer eigenen kritischen Öffentlichkeit gegenüberstehen würden, ganz im Gegensatz wie zum Beispiel die Länder Russland und China. Und da ist mein größter Kritikpunkt: Ja, ein dogmatischer Pazifimus muss abgelehnt werden, aber Nein, die Alternative ist nicht ein militärisches Einschreiten ‚des Westens‘.

Zuerst stellt sich die Frage, welche freiheitlichen Werte den da vertreten werden. Sind damit gemeint die Diskriminierung geschlechtlicher und sexueller Minderheiten? Sind mit „freiheitlichen Werten“ gemeint der Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit eines Trumps, der AFD oder der Front National? Ist der ‚Partypatriotismus‘ der SPD damit gemeint? Ist die Zerstörung der Lebensgrundlage von Menschen in afrikanischen Ländern durch deutsche Exporte damit gemeint? Ist die Militarisierung autoritärer Staaten durch deutsche Firmen, deutsche Waffen und deutsches Personal damit gemeint? Welche sogenannten ‚Freiheitswerte‘ vertritt den der Westen? Es ist die ‚Freiheit‘ des Kapitalismus, es ist die ‚Freiheit‘ des Nationalismus, es ist die ‚Freiheit‘ des Patriarchalismus, es ist die ‚Freiheit‘ des Rassismus, und und und. Das heißt es wird die Freiheit des privilegierten Menschen verteidigt, das heißt die Freiheit des weißen, abled, hetero, cis-gender, ‚westlichen‘, etc etc Mannes. Der ‚Export‘ dieser ‚Freiheit‘ sollte nicht unterstützt werden. Denn ‚Export‘ heißt hier Soldaten, Panzer, Militärflugzeuge, Bomben, Dronen, etc. und ‚Freiheit‘ ist hier einfach nur ein anderes Ausbeutungssystem mit dem das alte Ausbeutungssystem ersetzt wird. Ganz im Stile des Kolonialismus entscheiden weiße Männer was für die Menschen tausende von Kilometer weit entfernt am besten sei.
Ich verstehe nicht, warum „die deutsche Linke“ das fordern sollte.
Genauso ist es vollkommen falsch, dass es im ‚Westen‘ eine starke kritische Öffentlichkeit geben würde. Natürlich werden Kritiker*innen nicht so unterdrückt, wie in den genannten Ländern Russland oder China, aber wirkliche Konsequenzen gibt es auch im Westen nicht. Da gibt es viele Beispiele: Der Terror des NSU, der Abhörskandal der NSA, Uli Hoeneß, Tihange 1 in Belgien, die Bombardierung von Krankenhäuser durch die USA, und und und.
Ich habe kein Verständnis dafür, wenn nach einem militärischen Eingreifen des ‚Westens‘ gerufen wird. Genauso wenig habe ich aber Verständnis für das Verhandeln wollen mit Unterdrücker*innen und Kriegsführer*innen aufgrund eines dogmatischen Pazifismus. Aber gibt es denn dann auch eine andere Lösung?

Meiner Meinung nach gibt es diese. Einerseits gibt es natürlich die Möglichkeit direkt vor Ort in Syrien, in den kurdischen Gebieten zu sein. Aber Solidarität und Unterstützung läßt sich auf viele verschiedene Weisen ausdrücken. Im Kampf gegen Krieg und gegen (den kapitalistischen, nationalistischen, sexistischen, etc) ‚Frieden‘ läßt sich vieles tun, Sabotageaktionen gegen zum Beispiel Rüstungsfirmen, Unterstützung einer kritischen Öffentlichkeit nicht um den Staat und seine Vertreter zu überzeugen, sondern die Menschen um einen herum, Widerstand gegen Waffenlieferungen, humanitäre Hilfe in den Gebieten des Krieges, Streiks, Demonstrationen, etc. etc. Vielleicht ist dieser Weg nicht die effizienteste Weise Kriege zu beenden. Aber die effizienteste Weise ist oft nicht die beste, denn am schnellsten ließe sich der Krieg in Syrien mit einer Atombome beenden. Um die Gesamtscheiße um uns herum nicht zu reproduzieren ist es vielleicht zwingend nötig nicht effizient zu handeln, sondern verantwortungsvoll, eigenständig und sich ihrer*seiner selbst bewusst.

Advertisements

Möglichkeiten für Umgang mit Mobbing in der Linken(TM) Szene

Seit einigen Tagen und Wochen taucht die Diskussion um Umgang mit Menschen, die andere mobben, immer wieder auf. (Dabei sollte nicht vergessen werden, dass viele mehrfach marginalisierte Menschen, dieses Mobbing schon seit Monaten, Jahren aus der ‚eigenen‘ Szene erleiden). Um einmal kurz zu wiederholen was passiert ist:
Verschiedene Twitter-Accounts (darunter (soweit ich weiß) @SuriPfote, @TheGurkenkaiser, @Orbyt666, sowie @g_rantelhuber) haben andere Menschen systematisch angegriffen und zwar soweit, dass verschiedene Menschen ihre Twitter-Accounts gelöscht haben, da sie die Angriffe nicht mehr ertragen haben. Die Angreifer haben fast die ganze Breite -istisches-Verhalten abgedeckt: (Cis)sexismus, Ableismus, Klassismus, etc. Ein paar Tage später veröffentlichte daraufhin eine Person den Namen und Wohnbezirk von @g_rantelhuber, löschte diesen Tweet doch später wieder. So glaubten die ganzen ‚Mackerantifas‘ eine Berechtigung zu haben für  ihre Angriffe gegen Feminist*innen, gegen Menschen, die nicht der Cis-Norm entsprechen.
Ja, Menschen zu outen ist scheiße, genauso wie sexistisches, autoritäres, klassistisches, etc Verhalten scheiße ist, genauso wie es scheiße ist dieses Verhalten nicht zu reflektieren, genauso wie es scheiße ist diese Arschlöcher zu verteidigen und deren Verhalten zu entschuldigen. Und wenn jetzt Menschen kommen und mir sagen, dass ich ‚ein Spalter‘ sei, dann sage ich ‚Ja, dann bin ich wohl in diesem Fall ein Spalter. Ich spalte mich ab von Menschen, die sexistisch sind. Ich spalte mich ab von Menschen, die klassistisch sind. Ich spalte mich ab von Menschen, die ableistisch/autoritär/faschistisch/nationalistisch/… sind. Wenn du eine Volksfront zusammen mit solchen Menschen organisieren möchtest, dann tu das, aber ich werde nicht dabei sein, ich werde sogar dagegen sein.‘

Aber mir ging es ja darum, wie mit solchen Vorfällen umgegangen wird. Zuerst einmal: meine Maxime  ist es, dass Betroffene so gut wie möglich geschützt vor weiteren Angriffen sind. Zweitens klappt das ganze, was ich vorschlagen möchte, nur, wenn es Menschen gibt, die solidarisch mit der*m Betroffenen*m sind.
Ich möchte das ganze an einem Beispiel erläutern: A verhält sich -istisch gegenüber B. Nach einer ersten spontanen Reaktion von B (ob das eine Ohrfeige ist, eine Beleidigung oder einfach ein Weggehen), sollte es Menschen geben an die B sich wenden kann. Der Vorfall sollte nun einmal aufgeschrieben werden, gleichzeitig sollte B vorschlagen, wie die Situation geändert werden kann, damit sich B sicher fühlen kann. Nun sollte einmal mit A gesprochen werden (ohne B): A sollte erfahren, was ihr*m vorgeworfen wird, wie si*er die Situation erlebt hat und welche Lösung si*er vorschlagen würde.
Nun können verschiedene Szenarien eintreten:
1) A und B haben die gleiche Lösung vorgeschlagen.
2) A und B haben unterschiediche Lösungen vorgeschlagen.
3) A meint, dass si*er keinen Fehler gemacht hat/nicht gemobbt hat.

Bei 1) ist die Situation geklärt.
Bei 2) denke ich, dass B einmal den Lösungsvorschlag von A erfährt, vielleicht ist dieser auch annehmbar. Falls nicht gibt es nun ein Problem, welches die ganze Gruppe zusammen lösen sollte. Falls sich keine Konsens-Lösung finden lässt, ist die einzige Lösung, dass A oder B nicht mehr in das AZ kann/nicht mehr Teil der Gruppe sein kann/… (siehe auch 3) ) Wen von beiden dies betrifft, sollte ohne die beiden besprochen werden!Bei 3) muss dann wohl die Gruppe entscheiden, ob sie das problematische Verhalten toleriert, und wenn nicht, dann sehe ich keine andere Möglichkeit außer A auszuschließen.

Auf Twitter gestaltet sich das ganze nochmal etwas anders, zum einen gibts die Möglichkeit des Blockens zum Selbstschutz und dann als nächste Möglichkeit wohl auch nur das darauf aufmerksam machen. Entweder entscheiden sich dann andere Menschen ebenfalls A zu entfolgen, zu blocken, zu ignorieren oder sie tun das nicht und unterstüzten damit das Verhalten von A.
Was ich aber auf gar keinen Fall richtig finde ist, wenn wer auf Twitter richtig viel Scheiße baut, diese Person dann mit offline-Namen zu outen (deshalb werden oben auch die Twitternamen erwähnt, weil unter diesem Namen andere Menschen angegriffen wurden). Wenn sich jedoch eine Person wiederholt außerhalb des Internet diskriminieren, -istisch verhält, dann habe ich kein Problem damit, wenn vor dieser Person gewarnt wird, nur sollte es dann auch begründet werden, warum diese Warnung öffentlich gemacht wurde.