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Kritik an ‚Beissreflexe‘ (Teil 5)

Hier geht es zu den ersten Teilen: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Wie im letzten Text angekündigt, werde ich nun zwei Texte zusammenfassen. Das ist einmal der Text Tuntenfeindlichkeit und Emanziptaionsverbote für Lesben, Schwule, Trans* und Inter? Die Auswirkungen eines „Transradikalen CSD“ auf den Mainzer CSD 2016 und Stonewall hieß Angriff. Zur antiemanzipativen Wende in der Queer Theory. Bei beiden Texte geht es u.a. auch um das Konzept ‚Homonormativität‘.
Benedikt Wolf wirft im zweiten Text den Menschen, welche das Wort ‚Homonormativität‘ benutzen, Spaltung vor (vgl. u.a. S. 140/142). Dies ist typisch für Beissreflexe. Es wird eine – vor allem historisch gesehen – geeinte Queere Szene gesehen, die Queerfeminist*innen gespalten hätten. Dabei wird beflissentlich übersehen, dass es nie eine dermaßen geeinte queere Szene gab. Disabled Queers wurden von abled Queers ausgeschlossen, queere PoC von weißen Queers, trans People durch cis queers, Sexworker*innen durch bürgerliche, etc etc. Vor allem im Mittelpunkt von ‚queerer‘ Bürgerrechtsbewegung waren cis-weiß-schwule Aktivisten. Es war nie ein gemeinsamer Kampf. Im Bericht zum CSD 2016 in Mainz wird berichtet, wie Aktivist*innen Strukturen offen und forsch (vielleicht auch aggressiv) kritisiert/angegriffen haben. Der Autor fordert im Text, dass sich die Aktivist*innen sich mit den etablierten Menschen in dem Organisationsteam des CSD in Verbindung hätten setzen sollen (vgl. S. 134). Dies finde wahrscheinlich nicht nur ich unangebracht (freundlich ausgedrückt).
Wie oben beschrieben gibt es eine gewisse Geschichte der Ausgrenzung von mehrfach marginalisierten Menschen innerhalb queerer Gruppen und Bewegungen. Dabei ist dann auch das Wort ‚Homornormativität‘ entstanden. In Beissreflexe wird zwar behauptet, dass der Begriff 2002 von Dugan eingeführt wurden ist (vgl. 141), was aber so nicht ganz richtig ist. Wer sich nur einmal etwas weiter mit dem Begriff ‚Homonormativität‘ beschäftigt und sich zum Beispiel den Wikipedia-Artikel anguckt, di*er stößt auf einen Artikel von Susan Stryker. Transgender History, Homonormativity, and Disciplinarity wurde 2008 in der Radical History Review veröffentlicht (zugegeben ist es nicht einfach auf den Artikel zuzugreifen). Dort schreibt Susan Stryker u.a. davon, dass sie den Begriff schon ca. 15 Jahre zuvor gehört und benutzt hat (Radical History Review, S. 145). So viel also zu der guten Recherche, die das Neue Deutschland in Beissreflexe sieht (Wer nicht weiß, worauf ich mich beziehe, kann sich die unsägliche, ekelhafte Rezension durchlesen, auf die ich mich beziehe: Link).
Wenn also behauptet wird, dass die Bennenung von Homonormativität zur Spaltung benutzt werden würde, der redet transfeindlichen Unsinn. Die Spaltung fand schon vorher statt. Die Spaltung fand/findet statt, wenn trans als eigenes Geschlecht/sexuelle Orientierung konstruiert wurde. Daraus folgen dann die ganzen bekannten Umfrage, die bei Geschlecht nach männlich, weiblich oder transgender fragen oder bei sexueller Orientierung nach hetero, homo oder transgender fragen. Die Spaltung fand statt als sich weiße, cis Schwule in den Mittelpunkt stellten. Die Spaltung fand statt als es weiße, cis Schwule wichtiger fanden ihre Ziele durchzusetzen, egal ob dies weitere Unterdrückung für andere queere Menschen bedeuten würde.
Das Wort Hormonormativität ist wichtig um toxische Strukturen innerhalb queerer Gruppen zu benennen. Es geht dabei mehr um innere Herrschaftsverhältnisse, als von außen. Es könnte schon fast als Sprechverbot bezeichnet werden, wie bestimmte, privilegiertere Gruppen versuchen andereren queeren Gruppen zu verbieten, über Herrschaftsstrukturen innerhalb der Szene zu sprechen. [Ich möchte noch diesen Artikel empfehlen zum Thema Hormonormativität. Jedoch vorher ein wichtiger Hinweis: Der letzte Abschnitt zu Homonationalism in Israel ist antisemitisch: Link]
Im Text Tuntenfeindlichkeit und Emanziptaionsverbote für Lesben, Schwule, Trans* und Inter? Die Auswirkungen eins“Transradikalen CSD auf den Mainzer CSD 2016 wird davon berichtet, dass gefordert wurde, dass eine Gruppe gefordert hatte, dass auf dem CSD keine Männer mehr sein sollten, die „sich schminken und Frauenkleider anziehen“ (S. 135). Diese Forderung lehnt der Autor vehement ab. Während natürlich das brechen von gender norms zu begrüßen ist und auch Leute sich ganz nach ihrem Geschmack kleiden sollen können, geht es bei derartigen Forderungen nicht darum dieses zu verbieten. Es geht darum Transmisogynie zu kritisieren. Es ist eine historische Tatsache, dass Männer zum Witz sich als Frauen verkleiden. Diese transmisogyne Tradition verstärkt den Narrativ, dass trans Frauen, nur Männer in Frauenkleidern seien und ist deshalb abzulehnen, wie es vielleicht auch die Grupe auf dem CSD gefordert hat. Leider war es nicht möglich eine Mitschrift der Rede aufzutreiben und Beissreflexe hat mit den bisherigen einseitigen und teilweise falschen Darstellungen nicht für Vertrauen gesorgt, dass diesem Bericht unüberprüft geglaubt werden kann. [Hier ist noch ein Artikel zum transmisogynen Verkleiden von Männern als Frauen: Link 1 (CW: benutzt leider -phobic; Link 2]

Als nächstes kommt der Text: „Antiimperialistischer Egalitarismus“. Akademisch-aktivivistischer Beifall für globale Frauenverachtung von Vojin Saša Vukadinović. Dieser Text würde, wenn in aller Einzelheit besprochen, so ziemlich jeden queerfeindlichen Narrativ aufweisen, der sich auch irgendwo an anderer Stelle im Buch findenn lässt. Anhand an Beispielen von problematischen Ereignissen innerhalb ‚der‘ queeren Szene, wird der ganzen queeren Szene allerhand Dinge attestiert, u.a. Rassismus, Antisemitismus, etc. Ich habe aber weder Zeit, Lust noch Kraft einen so offensichtlich aus reinem Hass aufgebauten Artikel, der nur dazu da ist, Leuten möglichst viele Gründe, zusammen mit einem eingängigen ‚Argumentation’sgang, zu geben, damit diese ihre Queerfeindichkeit entschuldigen und rechtferitgen können.

In dem Text Die schwule Gefahr. Von einem queeren Buch gegen homosexuelle Sichtbarkeit rezensiert Patsy L’Amour Lalove das Buch Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität von Zülfukar Çetin und Heinz-Jürgen Voß.
Wenn nur dem Text geglaubt wird, dann ist das Buch „gegen die Homosexualität an un für sich“ (S. 160). Da ich das Buch leider nicht gelesen habe, kann ich nur auf die Dinge vertrauen , die mir vorliegen. Das ist einmal das Buch Beissreflexe, dem ich ganz und gar nicht vertraue. Deshalb habe ich auch nach ein paar andereren Rezensionen gesucht, und u.a. die von queer.de gefunden: Warum schwule Sichtbarkeit nicht grundsätzlich gut ist, und diese Linksammlung: Rezensionen des Buchs „Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“. Nachdem ich mir diese Rezensionen durchgelesen habe, wurde sichtbar, dass der Text von Patsy L’Amour Lalve mindestens tendenziös ist. Denn nicht nur scheint der Verriß des Buches auf sehr unterschiedichen meinungen zu asieren, sondern es exisitiert auch ein Streit um die Situtation eines Projekts weißer Schwule, sowie eine Vorgeschichte um Kritik an der von Patsy L’Amour Lalove gehosteten Veranstaltung Polymorphia (hier der Link zur Kritik). Es gab Kritik an einem ‚Comedy‘-Beitrag einer Person, namens ‚Geschichtslehrerin‘, der ncht abgebrochen wurde, obwohl es im Beitrag zu „Geschichtsklitterung“ gekommen und „ernsthaft[e] […] Erinnerungsarbeit“ lächerlich gemacht wurden sein soll.
Bei dem oben angesprochenen Projekt handelt es sich um Maneo, dem aus verschiedenen Richtungen Rassismus vorgeworfen wird. Die Kritik an der Rezension, die in Beissreflexe veröffentlicht ist, meint, dass die Rezension aufgrund der obigen Konflikte vorbelastet sei. Im Kontext mit dem Rest des Buches, denke ich aber, dass auch ohne die anderen Konfliktpunkte, die Rezension so ausgefallen sei. in der queer.de-Rezension steht, dass das Buch „der Entstehungsgeschichte des Konzepts ‚Homosexualität‘ nachgegangen sind und wie […] es mit Rassismus und deutschen Kolonialismus verbunden ist“. Hier sehen wir einen Grund, warum so heftige Kritik aus den Reihen der Beissreflexe-Fans kommt: Jegliche Kritik an schwulem Aktivismus, vor allem an dem von weißen, cis Schwulen, wird sofort als schwulenfeindlich bezeichnet. Es könnte natürlich als Beissreflex bezeichnet werden, dass dies bei jeder Kritik kommt. Es könnte als autoritäre Sehnsucht verstanden werden, wenn diese Leute versuchen jegliche Kritik zu verhindern. Es könnte als Sprechverbot bezeichnet werden, wie in Büchern und Zeitungsartikeln Leuten verboten werden soll, Kritik an schwulen Aktivismus zu üben. Aber das wird es natürlich nicht…
Anstatt also wichtige Kritik anzunehmen, wird sie pauschal abglehent. Wer also noch einmal andere Darstellungen/Rezensionen lesen will, die nicht nur dazu da sind, die eigene Ideologie zu begründen und zu verstärken, sein die beiden Links oben empfohlen.

Der letzte Text des Kapitels heißt Transition als Projektmanagement. Versuch einer Annäherung. Der Text von Julia Jopp weckt gleich am Anfang mein Interesse:

Poststrukturalistisch beeinflusste Theoriebildung scheint dem Gegenstand Trans stets mit einer gewissen Ambivalenz zu begegnenen.

Aber nur eine kurze Zeit später ist jegliches Interesse verflogen, dann anscheinend wird am Anfang trans nur als binäre Möglichkeit verstanden (vgl. S. 174). Und bis zum Ende des kurzen Text hat mich der Text dann auch komplett von seiner Ekelhaftigkeit überzeugt.
Der Narrativ von einem „Wechsel der Geschlechtsidentität“ (Seite 175) ist transfeindlich.
Was bitte soll dieser Scheiß Coming-in und Coming-Out als Projekt zu bezeichnen (vgl. S. 176). Und nein, dann gibt es auch keinen Projekterfolg (vgl. S. 176). Und schon gar nicht ist es DER Projekterfolg ein erfolgreiches passing zu haben. Das funktioniert schon gar nicht bei non binären Menschen, aber diese werden von der Autorin ja permanent vergessen. Es gibt nicht wenige Menschen, die eben kein Passing haben wollen, ich bin zufällig eine dieser Personen.
Nachtrag:
Da es teilweise zu Unklarheiten bezüglich meiner Kritik an dem Text kam, folgt ein kleiner Nachtrag, eine Erweiterung. Ähnlich, wie die Autorin lehne ich einenen Narrativ von transitioning als Projekt ab. Kein Mensch sollte gezwungen sein ‚Milestones‘ abzuarbeiten. Es sollte jede trans Personen die Freiheit haben auf einem ganz persönlichen und eigenen Weg zu entdecken und herauszufinden ob, wie, wann, wo sie transition will. In diesem Punkt scheinen die Autorin und ich eine ähnliche Meinung zu vertreten, auch wenn das latente ausklammern von non binären Leuten absolut nicht geht. Wenn es also vor allem darum gehen würde, dass dieses theoretische Konzet von transitionig als Projektmanagement kritisiert und angegriffen werden soll, wäre dies der erste Text von Beissreflexe, dem ich einigermaßen zustimmen könnte, zumindest in den Grundaussagen. Jedoch verordnet der Text leider das Konzept in der „poststrukturalistisch beeinflusste[n] Theroiebildung“ (vgl. S. 174), was also eigentlich gemeint ist, sind die queerfeministischen Gruppen und Menschen, die im ganzen Buch angegriffen werden. Und somit reiht sich der Text nahtlos in die anderen Texten ein, wenn eins die falschen Darstellung von queerfeministischen Gruppen untersuchen würde. In der queerfeminstischen Szene kann eins die ganze Zeit auf die immer gleiche Wiederholungen stoßen, dass es kaum zwei gleiche Transitioninggeschichten gibt. Es gibt nicht das eine Alter, nicht die eine Reihenfolge, nicht die die eine Anzahl an Schritten, nicht die eine zeitliche Dauer, nicht den einen irgendwas… Und nicht nur wird der Narrativ von des persönlichen und eigenen transitionig verstärkt, wiederholt und verteidigt, sondern die Kritik richtet sich zur Zeit sogar schon so, dass gerkannt wurde, dass es trotz des Narrativs, doch zu viele normative transitioning-Geschichten, zu viele gleiche Coming-In- Erzählungen gibt.
Und deshalb stört es mich etrem, wenn das Buch und auch dieser Text sooft eine hmogene queere Szene imagini under irgendwelche Eigenschaften und Dinge zuschreibt, die so komplett falsch sind, wodurch ein queerfeindlicher Narrativ geschaffen wird. Dinge, die wir schon lange (vielleicht nur in kleineren Teilen, vielleich auch im Großteil) der queeren Szene längst kritisiert haben und am abschaffen sind.
Ich finde es ekelhaft Menschen in die eigene Transition hineinzureden, wie sie zu passieren hat, welche Gefühle eins haben muss und vor allem, dass der Wunsch nach einem gewissen Passing, den vielleicht manche Leute haben, kritisiert wird als wenig hilfrei bis schädlich. Ich verstehe nicht, warum es mein Glück (vgl. S. 178) sein soll, wenn ich auf der Straße wegen meines offensichtlichen Nicht-Passing angegriffen werde. Der Wunsch nach Passing ist so verständlich, dass ich seine pauschalisierte Ablehnung durh die Autorin als ekelhaft empfinde. Ich werde meine Transition nicht den Wünschen der Autorin anpassen, nur damit diese ihre Adorno-Zitate benutzen kann (vgl. S. 175) Ich werde meinen Weg so finden und gehen, wie es mir am besten passt und nicht, wie die Autorin es von mir fordert.
Nachtrag-Ende
Alles in allem strotzt dieser Text nur so vor Fehlern in der Darstellung der queerfem-Szene (allein schon der Gedanke, der EINEN Queerfem-Szene ist schon grundsätzlich falsch, aber diesenr Narrativ wird schließlich vom ganzen Buch produziert und verstärkt, um die eigene queerfeindliche Meinung zu begründen) und erinnert mich an die typische Unwssenheit von cis Personen, die sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Der Großteil des Buches ist nun besprochen, die nächsten Kapitel werde ich nun versuchen wieder teilweise zusammenzufassen, denn ich möchte diese Reihe auch jetzt nicht zu lange weiterführen, sondern zu einem ordentlichen Ende bringen.

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Ein Kommentar über hierarchisierende Oppositionspaare

Du bist ein Mann, sagen sie mir
Nein
Aber du bist keine Frau
Nein

Sie lachen
Sie bestrafen
Ich habe ihre Regeln gebrochen

Mann oder Frau
Gesund oder Krank
Gut und normal
oder
Böse und verachtenswert
Ihre Welt

Ihre Wirklichkeit

Wer bin ich?
Ich bin weder noch
Da ist kein Platz für weder noch

Ihre Macht
ist meine Unterdrückung

Sie sind gesund,
weil ich krank bin
Sie sind gut,weil ich böse bin
Sie sind vernünftig,
weil ich wahnsinnig bin
Sie sind normal,
weil ich es nicht bin

Ich mach nicht mit
Breche ihre Regeln
ICH BIN ICH

Sie lachen
Sie bestrafen
Ich habe die Regeln gebrochen
Sie bestrafen
Sie bestrafen
Sie bestrafen

There is still the easy way out

 

 

Kritik an Verschwörungstheorien

Ich habe am Samstag Abend die drei-teilige Serie über Verschwörungstheorien und Geheimbünde bei Arte gesehen. Am selben Abend habe ich mich bei Twitter noch sehr über die Darstellung bei Arte und allgemein über Verschwäorungstheorien aufgeregt.
Doch Twitter ist meiner Meinung nach nicht das richtige Medium für eine gründliche Kritik an vereinfachten Welterklärungen, den sogenannten ‚Verschwörungstheorien‘, deshalb will ich das jetzt hier nachholen.

Was sind Verschwörungstheorien?
Eine Verschwörungsthorie entsteht bei dem Versuch Ereignisse, Prozesse/Entwicklungen und Zustände auf das Handeln einer Person, einer Gruppe zurückzuführen, die im Geheimen wirken und einen übergeordneten Plan verfolgen. Diese Theorien basieren dabei auf Zuweisungen bestimmter Eigenschaften zu bestimmten Gruppen (zum Beispiel: „Die Juden sind ….“) und/oder auf die Aneinanderreihungen von zwar belegbaren, aber nicht zusammenhängenden Fakten (zum Beispiel: In den 60er Jahren gab es aus den Reihen des US-Militärs den Vorschlag von Terroranschlägen im eigenen Land um diese dann anderen Ländern in die Schuhe zu schieben und in den 90er Jahren wurde ein Strategiepapier in den USA entwickelt zum militärischen Eingriff im Nahen Osten. Also muss der 9/11-Anschlag von der us-amerikanischen Regierung ausgeführt wurden sein.)
Verschwörungstheoretiker*innen formulieren dabei immer zwei sich gegenüberliegende Gruppen: 1. die Gruppe/Person, die ‚im Zentrum der Macht‘ sitzt und alles steuert und alle anderen Menschen, die von dieser Gruppe/Person unterdrückt/ausgenutzt werden. Diese ‚böse‘, machthabende Gruppe wird dabei dann zum Sündenbock für alles Schlechte gemacht, was auf der Welt passiert. Alle Katastrophen, etc geschehen aufgrund des geheimen Plans, den diese Gruppe/Person verfolgt.

Verschwörungstheorien basieren dabei auf einem in sich selbst geschlossenem Weltbild. Das heißt, dass jeder Vorfall die Verschwörungstheorie bestärkt und es fast unmöglich ist, Menschen aus diesem Weltbild wieder heraus zu holen. Zum Beispiel wird eine ‚Bestätigung‘ der Verschwörung natürlich zu einer Bekräftigung des Weltbildes führen, aber ebenso ist die Nicht-Bestätigung der Verschwörungstheorie nur ein weiterer Beweis für die Macht der geheimen Gruppe.
Es können jedoch Unterscheidungen in der Größe der Verschwörungstheorie gemacht werden. Die kleinsten beziehen sich nur auf ein bestimmtes Ereignis, bei dem ein Gruppe im Geheimen handeln soll. Dann gibt es aber auch Verschwörungstheorien, die dann schon größer formuliert werden und bei denen es darum geht, dass eine Gruppe an der Weltherrschaft arbeitet. Zuletzt gibt es noch die dritte Gruppe, dabei werden verschiedenste Verschwörungstheorien miteinander verknüpft, die über eine riesige Zeitspanne reichen und mit allem was passiert in Verbindung stehen.

Warum sind Verschwörungstheorien zu kritisieren?
Das Weltbild auf denen Verschwörungstheorien basieren ist, wie oben gesagt, meist in die kleine geheime Gruppe mit ausbeuterischem Plan und dem Rest der Menschheit als Ausgebeuteten eingeteilt. Oft wird die kleine Gruppe oft als ‚unmenschlich‘ dargestellt, viel lieber verwenden Verschwörungstheoretiker*innen ableistische Begriffe alsvermeintliche Synonyme für ‚unmenschlich‘.
Aber das ist erst der erste Punkt: Viele Verschwörungstheorien bauen auch darauf auf, dass irgendeine Geheimgruppe ‚die Familie‘ zerstören will, gemeint ist dabei das heteronormative, cis-normative, patriarchale Bild der Familie von arbeitendem Cis-Mann, die Cis-Frau als Hausfrau und einer bestimmten Menge an Kindern. Hier propagieren VerschwörungstheoretikerInnen also ein anti-progressives Bild von Familie, Mann und Frau, mit dem transfeindliche, homofeindliche, etc Angriffe auf Menschen gerechtfertigt werden.
Weiter zu kritisieren sind natürlich der Antisemitismus und Rassismus vieler Verschwörungstheoretiker*innen.

Diese ganzen Kritikpunkten fallen bei der Betrachtung von Verschwörungstheorien sehr schnell ins Auge, ich möchte aber noch einen Schritt weiter gehen (dabei nehme ich keine Wertigkeit vor wie schlimm die einzelnen Kritikpunkte sind, alle sind menscheinfeindlich und daher nicht in eine Rangfolge von 1 sehr menschenfeindlich zu 10 ein wenig menschenfeindlich zu stellen).
Verschwörungstheorien arbeiten immer auch mit Skepsis gegenüber Autoritäten und dem Erkennen von Ähnlichkeiten bei Ereignissen. Zum Beispiel wird eine Häufung von Naturkatastrophen beobachtet, doch diese sind dann nicht Folge eines Klimawandels (den gibt es schließlich nicht, nach einigen Verschwörungstheoretiker*innen), sondern wurden von einer geheimen us-amerikanischen Gruppe hervorgerufen zur Unterdrückung der Wirtschaft des Landes mit der Naturkatastrophe.
Und in dem Moment wo diese abstruse Verschwörungstheorie formuliert wird, verliert die Ablehnung von Autoritäten und das Beobachten von Ähnlichkeiten von Entwicklungen und Ereignissen auf der Welt, ihre Progressivität und emanzipatorische Kraft. Es wird nicht erkannt das innerhalb autoritärer Systeme gewisse Handlungsweisen sich etablieren mit denen die mächtigeren Staaten der Erde ihre Macht erhalten und ausbauen (zum Beispiel mit Sanktionen gegen Schutzzölle oder dem Kredite geben nur im Tausch mit der ‚Öffnung des Marktes), werden Ereignisse und Zustände dem Handeln kleiner Geheimgruppen zu geschrieben. Anstatt das erkannt wird, dass zur Lösung von Ungerechtigkeit das System geändert werden muss, wird propagiert dass eine Religion für all die Ungerechtigkeit auf der Welt verantwortlich ist und folglich muss nur diese Religion vernichtet werden, anstatt das ganze System. Anstatt dass reflektiert wird, warum Rituale und Traditionen auf eine*n selber ‚makaber und kurios‘ wirken, wird eine Gruppe zu einem satanischen Geheimbund mit geheimen Zielen hochstilisiert. Anstatt das erkannt wird, dass Menschen sich nun mal fast immer mit Gleichgesinnten zu Gruppen zusammen schließen und das auch für Leute mit Macht gilt, wird sofort eine ganze Verschwörungstheorie erdacht.

Verschwörungstheorien sind eine zu bekämpfende Form von Menschenfeindlichkeit. Verschwörungstheorien verhindern emanzipatorische und progressive Entwicklungen.
Verschwörungstheorien reproduzieren die Gewalt der herrschenden Systeme und Strukturen.
Verschwörungstheorien sind einfach scheiße und gehören kaputt gemacht.

Über die Unmöglichkeit des ‚reflektiert sein‘

Ich wette viele Menschen haben diesen Satz schon oft gehört. Frauen bekommen ihn von Männern in Sexismus- oder Feminismus-Debatten zu hören oder PoC von Weißen oder, oder, oder… Ich spreche von dem Satz: ‚Ich bin reflektiert…‘ und er wird  genutzt um Rassismus-, Sexismus-Vorwürfe zu entkräften. Bis jetzt ist er mir nie in einem anderen Kontext begegnet. Ich bin der Meinung, dass dieser Satz schon zeigt, dass die Person eben nicht ‚reflektiert ist‘. Ich bin sogar der Meinung, dass Menschen gar nicht reflektiert sein können.

Mein Verständnis von ‚Reflektion‘ ist, dass etwas immer wieder überdacht wird. Reflektion ist also die aktive Tat die eigenen Gedanken, Worte und Handlungen immer wieder zu überdenken und durchzudenken. Also kann eine Handlung, eine Rede, ein Gedanke erst reflektiert sein, nachdem sie über- und durchdacht wurde. Ein Mensch, der aber die ganze Zeit handelt, denkt und redet kann dann per Definition nicht reflektiert sein, aber dieser Mensch könnte in der Vergangenheit reflektiert gewesen sein.
Was ich hier beschreiben möchte ist, dass ‚reflektieren‘ eine aktive Handlung ist, die Zeit erfordert, die sich dann immer auf etwas beziehen muss, was schon geschehen ist. Nichts was gegenwärtig oder zukünftig ist kann reflektiert sein.
Jetzt könnte es sein, dass Menschen behaupten, dass wenn sie zum Beispiel ein Workshop planen und es schaffen alle Fehler, Vorurteile, etc zu finden, dass dieser Workshop dann reflektiert ist. Aber auch hier bezog sich die Reflektion auf den vorher angefertigten Plan des Workshops und wie der Workshop dann schlussendlich läuft, kann der Mensch vorher auch nicht wissen.
Ich bin dafür, dass Menschen aufhören zu sagen, dass sie ‚reflektiert sind‘, denn meiner Meinung nach zeigt dieser Satz, dass diese Menschen eben nicht reflektiert sind. Reflektieren ist die aktive Tat des überdenken von etwas geschehenem, zudem ist das Ergebnis der Reflektion am Anfang noch ungewiss, so dass es eigentlich richtig lauten sollte: „Ich versuche zu reflektieren.“ Ich bin der Meinung, dass erst an diesem Punkt Reflektion wirklich beginnen kann. Erst wenn die Reflektierenden wissen, dass sie nicht wissen können, wann sie am Ende der Reflektion, der aktiven Tat des Nach- und Überdenken, sind, dann kann Reflektion überhaupt erst beginnen.

Über Toleranz, Akzeptanz und Respekt

Die drei Begriffe ‚Toleranz‘, ‚Akzeptanz‘ und ‚Respekt‘ sind oft gebrauchte, aber eigentlich sehr undeutliche Begriffe. Ich möchte nun einmal darlegen, warum ich Forderungen nach ‚Toleranz‘ und ‚Akzeptanz‘ nicht so gerne unterstütze und lese, sondern den Begriff ‚Respekt‘ bevorzuge. Dazu werde ich jeweils die Wortherkunft ansprechen, beim Begriff ‚Toleranz‘ ein wenig weiter ausholen, und schließlich erklären, warum ich den Begriff ‚Respekt‘ favorisiere.

Lesezeit: 3-4 Minuten

Toleranz
Toleranz kommt vom lateinischen tolerare = erdulden/ertragen und wird oft als Duldung/Geltenlassen/Gewährenlassen von anderen Auffassungen, Meinungen und Einstellungen definiert. Zum Beispiel wurden die Religionen fremder Völker im Römischen Reich nur geduldet, wenn diese die Kaiserverehrung annahmen.

Kees Schuyt (niederländischer Soziologe) beschreibt die Toleranz als „unvollkommene Tugend“, weil etwas zugelassen wird, was eigentlich als schlecht erachtet wird. Toleranz ist also nicht ein Zulassen von etwas, was eins sowieso mag, oder was eins kalt lässt, sondern das Zulassen von etwas, was gegen die eigene Meinung/Einstellung geht. Toleranz ist passiv, sie ist ein ’nicht handeln‘, ein ‚untätig bleiben‘, ein ’nicht eingreifen‘. Und darin liegt meine Kritik.
Menschen sollen nicht untätig bleiben, obwohl sie andere Menschen verachten. Ich möchte nicht, dass nicht-normatives Verhalten nur geduldet wird, wegen irgendeinem höheren Motiv. Zum Beispiel: Ich lehne es ab, Flüchtende nur zu dulden, damit ‚unser Land in einem besseren Licht da steht‘. Das finde ich egoistisch.
Zudem ist ‚Toleranz‘ immer etwas was von der Mehrheit, von den Machthabenden ausgeht. Diese Mehrheit entscheidet, was toleriert wird und was nicht.

Akzeptanz
Akzeptanz kommt aus dem lateinischen accipere = gutheißen, annehmen, billigen. Bei diesem Begriff findet sich nun die aktive Komponente, die mir bei ‚Toleranz‘ fehlt.

Trotzdem finde ich den Begriff problematisch, denn wenn ich etwas ‚annehme‘, wie zum Beispiel die Möglichkeit, dass es viele unterschiedliche sexuelle Orientierungen oder Geschlechter gibt, dann sagt dass immer noch nichts darüber aus, was das für mein Verhalten bedeutet. Menschen können es gutheißen, dass Menschen unterschiedlich sind, aber es sagt noch nichts darüber aus ob sie darauf Rücksicht nehmen. Menschen können akzeptieren, dass es Menschen gibt, die Behinderungen haben, doch das bedeutet nicht, dass sich darum gekümmert wird, dass Möglichkeiten geschaffen werden, dass diese Menschen trotzdem ganz einfach mit der Bahn fahren oder ein Museum besuchen können.
Ähnlich wie ‚Toleranz‘, wird auch bei der ‚Akzeptanz‘ von der Mehrheit entschieden, was noch akzeptabel ist, das heißt systemerhaltend.Meiner Meinung nach sollten Menschen wertgeschätzt werden in ihrer Gesamtheit und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht genommen werden, deshalb komme ich nun zum Begriff ‚Respekt‘.

Respekt
Respekt kommt von dem lateinischen Wort respecto = Rücksicht, Berücksichtigen. Respekt ist eine Form der Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Diese 3 Begriffe: ‚Rücksicht‘, ‚Wertschätzung‘, ‚Aufmerksamkeit‘ decken die Bereiche ab, die ich bei den anderen beiden Begriffe problematisch finde. Respekt ist etwas aktives, im Gegensatz zur Toleranz. Wer etwas respektiert schätzt etwas und duldet es nicht nur. Gleichzeitig wird Rücksicht genommen auf die Menschen, die respektiert werden und so können Ungleichheiten ausgeglichen werden. Zudem wird respektierten Menschen Aufmerksamkeit geschenkt, so dass Probleme schnell besprochen und behoben werden könnten.

Also an einem Tag, wie dem IDAHOT (beispielsweise IDAHOBITAP) möchte ich nicht Toleranz oder Akzeptanz fordern, sondern ich möchte respektiert werden. Ich möchte, dass andere Respekt bekommen. Ich möchte, dass Menschen nicht nur dulden oder annehmen, sondern wertschätzen und berücksichtigen.
‚Respekt‘ findet im Gegensatz zu ‚Toleranz‘ und mehr als ‚Akzeptanz‘ auf einer gleichen Machtebene statt. Durch ‚Respekt‘ können Machtstrukturen zerstört werden, da ein Ausgleich unterschiedlicher Möglichkeiten angestrebt wird.

Kleiner Zusatz: Wenn ich Menschen respektiere, dann heißt das für mich auch, dass ich Faschisten zum Beispiel nicht als dumm bezeichne, sondern als Faschisten. Wenn ich Menschen respektiere, dann heißt das für mich auch, dass ich Frauke Petry nicht irgendwelche frauenfeindlichen Beleidigungen zurufe, sondern andere Beleidigungen verwende, denn Frauke Petry ist ein Kackspaten, weil sie eine Rechtsextremistin ist und nicht weil sie eine Frau ist.